Wirtschaft : T-Aktie: Der Ansturm ist ausgeblieben

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Der große Ansturm ist ausgeblieben. Zwar gab es eine rege Nachfrage nach den neuen T-Aktien, ein Zeichnungsfieber wie bei Infineon oder T-Online stellte sich aber nicht ein. Trotzdem muss sich Telekom-Chef Ron Sommer keine Sorgen machen, dass er nicht alle 200 Millionen T-Aktien aus der dritten Privatisierungsrunde der Deutschen Telekom bei den Anlegern unterbringt. Bereits in der Frühzeichnerphase, die am 9. Juni auslief, haben mehr als 2,6 Millionen Privatanleger knapp 315 Millionen Stück der T-Aktie gezeichnet. Damit ist das angebotene Volumen von 200 Millionen Aktien um mehr als 50 Prozent übertroffen worden. Knapp zwei Drittel der Aktienwünsche kamen aus Deutschland, der Rest aus dem Ausland. Erfahrungsgemäß zeichnen institutionelle Anleger - Fonds, Versicherungen und Banken - erst zum Ende der Frist, die in diesem Fall am Freitag endete.

Spannend wird es an diesem Sonnabend, denn am Nachmittag will die Telekom den Preis und die Zuteilungskriterien für die neuen T-Aktien bekanntgeben. Ähnlich wie bei der Kapitalerhöhung vor einem Jahr erwarten Experten mindestens eine zweifache Überzeichnung der Emission. Das bedeutet, dass rechnerisch nur jeder zweite Anleger zum Zug kommen wird oder jeder Investor nur die Hälfte der bestellten T-Aktien erhält. Die Telekom hat eine faire und transparente Zuteilung versprochen und bereits im Vorfeld angekündigt, leer ausgegangene Zeichner der jüngst ausgegebenen T-Online-Aktie bevorzugt zu berücksichtigen. Alle Privatanleger, die früh gezeichnet haben, erhalten drei Euro (knapp 5,87 Mark) Rabatt auf den Ausgabepreis und je zehn Aktien als Treueprämie für jeden Anteilsschein den sie bis mindestens 31. Dezember 2001 durchgehend im Depot behalten.

Am Freitag setzte die T-Aktie zunächst zu einer Talfahrt an. Sie fiel vom Vortagesschluss von 67,75 Euro bis auf 65,95 Euro, erholte sich aber am frühen Nachmittag wieder auf einen Wert von 67 Euro. Händler hielten gezielte Abgaben durch Großinvestoren für möglich, die für die Festlegung des Preises eine Stichtagsregelung erwarteten. Die Idee: Sie drücken den Kurs der T-Aktien durch Verkäufe, um die neuen Aktien billiger zu bekommen. Allerdings könne sich in den Kursbewegungen auch der Große Verfallstag widerspiegeln, sagten Händler. Der Verfall spricht Analysten zufolge ebenfalls gegen eine Preisfestsetzung allein am Schlusskurs von Freitag.

Wahrscheinlicher ist daher, dass die Telekom den Ausgabepreis für die neuen Stücke aus dem Durchschnitt der Schlusskurse der Zeichnungsphase oder der zurückliegenden fünf Handelstage errechnen wird. Dieses Verfahren sei transparent und erfülle das von der Telekom verfolgte Ziel einer "marktnahen Preisfestsetzung", sagten Händler und Analysten. Laut Börsenprospekt wird der Emissionspreis für die Frühzeichner jedenfalls nicht höher als 76 Euro sein.

Fabrice Farigoule, Telekom-Analyst beim Bankhaus Metzler, wundert sich nicht, dass das Interesse an den neuen T-Aktien nicht so stürmisch war. Bei den Ergebnissen, die die Telekom zuletzt erzielte, sei das nicht anders zu erwarten gewesen. Auch künftig sehe es nicht besser aus, die Erträge aus dem Festnetzgeschäft gingen weiter zurück und es kämen enorme Ausgaben für den Erwerb der UMTS-Mobilfunklizenzen auf die Telekom zu. Außerdem befinde sich der Kurs der T-Aktie auf zu hohem Niveau. Einen fairen Preis für die Telekomaktie sieht Farigoule derzeit bei 60 Euro.

Auch in den Augen von Analyst Marcus Schmitz vom Bankhaus Delbrück haben mehr Privatanleger als erwartet T-Aktien gezeichnet, so dass die Telekom jetzt alle neuen Aktien allein bei ihnen unterbringen könne. Bei den institutionellen Anlegern hätte sich dagegen zuletzt eine Kontra-Telekom-Haltung breit gemacht. "Ich bin davon ausgegangen, dass auch die Privatanleger skeptischer sind", sagt Schmitz. Schließlich habe die Telekom zwar immer wieder vielversprechende Akquisitionen angekündigt, die Hoffnungen der Aktionäre darauf aber bisher enttäuscht. Seinen Kunden hat Schmitz geraten, nur dann neue T-Aktien zu zeichnen, wenn sie die Papiere langfristig halten wollen und damit in den Genuss der Bonusaktien kommen. Der Nachlass von drei Euro für Frühzeicher, sei kein ausreichender Anreiz gewesen: "Immerhin kommt es bei der T-Aktie zweitweise zu Tagesschwankungen von drei Euro." Wer eher kurzfristig anlegen will, den hat Schmitz auf den nächsten Börsengang der Telekomfamilie im Herbst verwiesen. "T-Mobil ist ein viel interessanterer Wert", sagt Schmitz.

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