Wirtschaft : T-Aktie: Die Deutsche Telekom auf Japan-Tournee

Corinna Visser

Das erste, was Bernd Siegfried von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auffällt, ist, dass das Wichtigste fehlt. Zwar sticht unter all den japanischen Schriftzeichen auf dem Börsenprospekt der Schriftzug "Deutsche Telekom" und das magentafarbene "T" deutlich hervor, doch der Bundesadler fehlt. Dabei ist es der Bund, der 200 Millionen T-Aktien in der dritten Privatisierungsrunde der Telekom verkaufen will - auch an japanische Investoren. Siegfried mutmaßt, dass der Adler wohl dem japanischen Aktienrecht zum Opfer gefallen ist. Dass er dies bedauert, ist dem Abteilungsdirektor der KfW deutlich anzumerken.

Drei Teams der Deutschen Telekom sind zurzeit auf Verkaufstour in Europa, Nordamerika und Japan unterwegs, um T-Aktien des Bundes zu verkaufen, die die KfW hält. 200 Millionen Aktien werden global auch privaten Anlegern angeboten - eine Premiere in der Finanzwelt. Die Roadshow um den halben Globus begann in Frankfurt mit dem Start der Zeichnungsfrist am 31. Mai und endet am 16. Juni. Jedes der drei Teams setzt sich zusammen aus einem Mitglied des Vorstands und zwei Mitarbeitern der Abteilung Investor Relations.

Nach London reiste in der vergangenen Woche das rote Team von Telekom-Chef Ron Sommer, in dieser Woche geht es nach Mailand, Paris, Wien und München, dann weiter nach New York. Dort trifft das rote auf das weiße Team von Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick, der für knapp zwei Tage in Tokio ist, um anschließend nach San Francisco aufzubrechen. Das magentafarbene Team um Detlev Buchal, im Vorstand für das Produktmarketing verantwortlich, wirbt in Madrid um die Gunst der Anleger.

Der Tag in Tokio beginnt für das weiße Team bereits um 7 Uhr 30 mit einer kurzen Einstimmung. Vertreter der Banken, die die Emission führen, bereiten das Team auf die Gesprächspartner des Tages vor und informieren über den bisherigen Erfolg der Roadshow. Ein institutioneller Anleger, so werden Eick und seine Mitarbeiter vorgewarnt, habe bereits angekündigt, seine Investitionsentscheidung von der Präsentation abhängig zu machen.

Die Roadshow ist minutiös geplant. Dabei greift die Telekom auf die Unterstützung zweier Londoner Agenturen zurück, die auf die Organisation globaler Werbetouren spezialisiert sind: Citigate Dewe Rogerson übernimmt die inhaltliche Vorbereitung, verantwortet die Finanzkommunikation. Imagination ist für die Logistik zuständig. Im Notfall kaufen die freundlichen Mitarbeiterinnen auch schon einmal Krawatten ein, wenn ein Vorstand sie im Stress vergessen hat.

Institutionelle Investoren, die in ihren Fonds Kapital von mehreren Milliarden Mark, Dollar oder Yen zur Verfügung haben, dulden keine Verspätung. Kommen die Verkäufer der Telekom nicht zum verabredeten Zeitpunkt, dann haben sie eben weniger Zeit für ihre Präsentation. Der Terminplan ist straff. Bereits um acht Uhr sitzen Eick und Thomas Winkler, Leiter Investor Relations, dem ersten Investor gegenüber. Das Gespräch dauert etwa eine Stunde. Um 9 Uhr 15 beginnt bereits das zweite Treffen, vier weitere folgen am Nachmittag.

Auch mittags hat Eick, der zum ersten Mal in Tokio ist, keine Zeit für Sightseeing. Um 10 Uhr 30 ist die Pressekonferenz angesetzt. Nicht einmal die Sitzordnung auf dem Podium wird nicht dem Zufall überlassen. Eick sitzt rechts neben dem Pressesprecher, denn die rechte Seite ist in Japan für die wichtigen Personen vorgesehen. Etwa 20 japanische Journalisten studieren den Börsenprospekt und folgen der Rede des Finanzvorstands. Sie fragen nach, mit welchen Kosten die Telekom für den Erwerb einer Lizenz für den Mobilfunk der dritten Generation (UMTS) rechnet, wie das Verhältnis der Telekom zu France Télécom ist und natürlich, welche Pläne die Telekom in Japan hat. "Unser Fokus richtet sich ganz klar auf Europa und die USA. Erst wenn wir hier unsere Stärke ausgebaut haben, werden wir uns auch in Japan umsehen", antwortet Eick.

Der Redakteur der Wirtschaftszeitung "The Dempa Shimbun", die etwa 300 000 Abonnenten hat, wundert sich darüber, dass nicht mehr seiner Kollegen zur Pressekonferenz erschienen sind. Die Telekom sei auch für seine Leser ein interessantes Unternehmen, aber Eick sei schließlich nur der Finanzvorstand. Wäre Telekom-Chef Sommer angereist, so meint er, wären sicher mehr Kollegen erschienen.

Trotzdem rechnen die Telekom und die KfW mit reger Nachfrage aus Japan. Zum ersten Mal kommen auch japanische und amerikanische Privatanleger in den Genuss eines Bonusprogramms: Sie erhalten Bonusaktien, wenn sie ihre Anteile bis zum 31. Dezember 2001 halten. Von einer "glücklichen Fügung" spricht Siegfried von der KfW. Denn der Zeitpunkt der Telekom-Emission ist günstig: Zwischen April 2000 und April 2002 werden in Japan 100 Billionen Yen, etwa eine Billion Euro frei, die japanische Anleger in der Hochzinsphase Anfang der 90er Jahre in Sparbücher angelegt hatten.

Eick bleibt nach der Pressekonferenz keine Verschnaufpause. Direkt im Anschluss warten etwa 60 Analysten auf seine Präsentation. Viele Fragen haben sie nicht. Die Experten sind gut über die Telekom informiert. Es geht ihnen mehr darum, das Management kennenzulernen. Außerdem, so verraten die Banker, gebe sich in Japan keiner die Blöße, vor den versammelten Kollegen dumme Fragen zu stellen.

Vom Buffet im Anschluss kann Eick nur kurz kosten. Er ist schon wieder auf dem Weg zum nächsten Meeting. Am Abend wird noch ein Gespräch mit einem japanischen Ex-Minister eingeschoben, um 20 Uhr eine zweistündige Konferenzschaltung mit den Vorstandskollegen anberaumt. Auch während der Roadshow kann die Telekom das Tagesgeschäft nicht vernachlässigen.

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