Wirtschaft : T-Aktie hat Berg- und Talfahrt hinter sich

CATRIN BIALEK (HB)

Bald fällt das letzte Monopol der TelekomVon CATRIN BIALEK (HB)

DÜSSELDORF.Die Aktie der Deutschen Telekom brachte grundsolide Rentner dazu, sich aufs rutschige Börsenparkett zu begeben.Vokabeln wie Hausse und Baisse wurden fortan wie selbstverständlich verwendet, und in der morgendlichen Zeitungslektüre wurden zuallererst die Aktienkurse betrachtet.Die Aktie, die dieses Börsenfieber entfachte, ist auch die erste mit einem Markennamen: die T-Aktie.Seit der Emission vor einem Jahr hat die Aktie eine Berg- und Talfahrt hinter sich.An ihrem ersten Handelstag schoß sie von 28,50 auf 33,90 DM hoch.Mitte des Jahres erreichte sie ihren bisherigen Höchstkurs von 44,55 DM.Dann ging es bergab."Enttäuschend" nennt Joeri Bär, Analyst der Schweizer Bank Julius Bär, die bisherige Entwicklung.Übereinstimmend lautet das Urteil der Analysten, daß die T-Aktie in ihrem ersten Börsenjahr ein relativer Under-Performer war.Ob man nun allerdings die Aktie verkaufen oder lieber halten, wenn nicht gar kaufen sollte, darüber herrscht kein Konsens.Auf "Halten" stuft Douglas Wight, Analyst bei Salomon Brothers, die T-Aktie ein.Er prognostiziert für 1998 einen Gewinn pro Aktie von 2,06 DM und eine Dividende von 1,30 DM.Wight weist auf die Attraktivität der Aktie aufgrund des derzeitig niedrigen Preises hin.Auch Frank Rothauge von Helaba Trust ist sich dessen bewußt und setzt die Aktie sogar auf "Kaufen".Er geht für das kommende Geschäftsjahr von einem Gewinn von 2,20 DM und einer Dividende von 1,30 DM aus.Hans Peter Neuroth, Analyst bei SAL Oppenheim, stuft die Versorgungsaktie dagegen auf "Verkaufen" ein. Daß die Analysten die T-Aktie so unterschiedlich bewerten, liegt an dem Wendepunkt, an dem die Telekom derzeit steht: Am 1.Januar 1998 fällt das Monopol im Festnetzbereich.Dann werden zahlreiche Mitbewerber auf den attraktiven Markt strömen.Für fairen Wettbewerb hatte bereits Postminister Wolfgang Bötsch gesorgt, als er einen durchschnittlichen Durchleitungspreis von 2,7 Pfennig pro Minute festlegte.Telekom-Aktionäre waren geschockt.Und die Börse reagierte sofort mit einem Kursverlust. "Der Wettbewerb in Deutschland wird extrem hart werden", befürchtet Neuroth.Die Preise der Telekom für Auslandsgespräche und nationale Ferngespräche seien zu hoch.Folglich werde der Marktanteil der Telekom in diesen Bereichen in den nächsten drei Jahren um 25 Prozent zurückgehen.Bei den Ortsgesprächen hingegen sehe er keine Veränderung.Der gesamte Marktanteil der Telekom von 84 Prozent wird seiner Meinung nach spürbar sinken.Er schätzt, daß der Umsatz beim Festnetz wertmäßig um 3 bis 5 Prozent wachsen werde; die Steigerung des Umsatzvolumens von 10 Prozent werde dabei durch sinkende Preise abgeschwächt. Helaba-Analyst Rothauge sieht klare Wettbewerbsvorteile für die Telekom: Das Angebot von Kombi-Produkten in den Bereichen Festnetz und Mobilfunk sei ein solcher Vorteil, denn dadurch würden Synergieeffekte entstehen, die die Kosten drückten.Wichtig sei nun, daß die Kosten weiter gesenkt würden."Der bisherige Personalabbau war planmäßig, und ein weiterer Abbau auf 170 000 Stellen bis 2000 ist realistisch", meint er.Zudem geht er von sinkenden Kapitalkosten aus.In den vergangenen Monaten war die Entwicklung der Aktie schwach.Als Gründe nannten die Analysten die ungünstigen Durchleitungsgebühren sowie die enttäuschenden Halbjahreszahlen.Darüber hinaus gibt Rothauge zu Bedenken, daß die beiden Emissionen der ehemals staatlichen Telefongesellschaften in Frankreich und in Italien zu Aktienumschichtungen zu Lasten der Deutschen Telekom geführt hätten.

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