Wirtschaft : T-Aktie: Klage gegen Deutsche Bank

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Der Deutschen Bank drohen nach dem Verkauf von 44 Millionen T-Aktien in der vergangenen Woche juristische Konsequenzen. Ein Anleger der Deutschen Telekom hat nach Angaben seines Rechtsanwalts Strafanzeige wegen Betrugs gegen die Deutsche Bank bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Main) eingereicht. Analysten der Deutschen Bank hatten in der vergangenen Woche T-Aktien weiter zum Verkauf empfohlen und ein Kursziel von 31 Euro für Ende des Jahres genannt. Einen Tag nach der Kaufempfehlung hatte die Bank aber in Kundenauftrag ein Paket von 44 Millionen Aktien verkauft. In der Folge stürzte der Kurs der T-Aktie um mehr als 20 Prozent auf unter 20 Euro.

"Mein Mandant hat am Montag vergangener Woche wegen der Kaufempfehlung der Deutschen Bank eine dreistellige Anzahl Telekom-Aktien gekauft und musste am nächsten Tag feststellen, dass der Kurs durch das Vorgehen der Bank abstürzte", sagte der Hannoveraner Rechtsanwalt Hans-Joachim Wiebe der Nachrichtenagentur AFP. Der "enge zeitliche Zusammenhang" zwischen der Empfehlung und dem Großverkauf von T-Aktien durch die Bank lege den Verdacht nahe, dass sie den Kurs hochdrücken wollte.

Auch die Münchner Rechtsanwältin Daniela Bergdolt prüft nach eigenen Angaben im Auftrag von Mandanten rechtliche Schritte gegen die Deutsche Bank. "Analysten müssen für ihre Kaufempfehlungen zur Verantwortung gezogen werden", sagte Bergdolt. Zur Verantwortung ziehen will Bergdolt im Auftrag von etwa 15 Mandanten - die Zahl wachse ständig - auch die Deutsche Telekom. In einer Prospekthaftungsklage, die sie Ende der Woche bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt einreichen werde, geht es um die Wertberichtigung des Immobilienvermögens, die die Deutsche Telekom im Februar 2001 vorgenommen hatte. Der Vorwurf: Die Telekom habe bereits im Juni 2000 bei der Emission der dritten Tranche von T-Aktien von der zu hohen Bewertung des Immobilienvermögens gewusst und daher im Prospekt falsche Angaben gemacht. Im Zusammenhang mit der Bewertung des Immobilienvermögens ermittelt bereits die Bonner Staatsanwaltschaft gegen Manager der Telekom.

Am Dienstag legte die T-Aktie im Handelsverlauf teilweise mehr als fünf Prozent auf mehr als 20 Euro zu. Die Investmentbank Goldman Sachs hat das Papier nach dem 20-prozentigen Absturz in der vergangenen Woche zum Kauf empfohlen. Kursziel für die kommenden zwölf bis 18 Monate: 30 Euro. Die Analysten der Bank erklärten den jüngsten Kurssturz mit Befürchtungen der Anleger, dass weitere T-Aktien aus dem Kauf von Voicestream unkontrolliert auf den Markt kommen könnten. Die Telekom hatte den Mobilfunkanbieter zum Teil mit eigenen Aktien bezahlt. Die Haltefristen für diese Papiere enden am 1. September und 1. Dezember. Goldman Sachs schätzt ihre Zahl auf 521 Millionen, wovon 232 Millionen im September frei werden. Angesichts des derzeitigen Kursniveaus der T-Aktie rechnen die Analysten jedoch nicht mit dem Verkauf von mehr als 100 Millionen T-Aktien im kommenden Monat. Goldman Sachs wies ausdrücklich darauf hin über Fonds ebenfalls rund 31,2 Millionen T-Aktien zu halten.

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