Wirtschaft : T-Aktie: Staatsanwalt ermittelt gegen die Telekom

msh

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat die Ermittlungen gegen die Deutsche Telekom wegen möglicher Falschbilanzierung ausgeweitet. Neben der Bewertung der Grundstücke untersuchen die Staatsanwälte jetzt auch, ob das technische Anlagevermögen in der Eröffungsbilanz im Rahmen der Privatisierung 1995 richtig taxiert wurde. Ein Telekom-Sprecher bestätigte die Ermittlungen, nannte die neuen Untersuchungen aber für den Konzern "nicht nachvollziehbar".

Gegen die Telekom laufen seit Frühjahr 2001 Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft untersucht, ob die Grundstücke des Telekom-Konzerns in den Bilanzen zu hoch bewertet wurden (siehe Kasten). Die Telekom hatte zu Jahresbeginn eine Sonderabschreibung auf ihren Immobilienbesitz in Höhe von zwei Milliarden Euro vorgenommen. Die Vermögenswerte des Konzerns dienen als Grundlage, wenn bei der Ausgabe neuer Aktien der Preis für die Papiere festgelegt wird. Tausende von Anlegern hätten zu viel für ihre T-Aktie bezahlt, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Im In- und Ausland haben Anleger daher die Telekom auf Schadensersatz verklagt.

Der Bonner Oberstaatsanwalt Fred Apostel sagte am Freitag, dass sich bei der Prüfung der Unterlagen ein neuer Sachverhalt ergeben habe. Die Staatsanwaltschaft gehe nun dem Anfangverdacht nach, dass das technische Anlagevermögen in der Eröffnungsbilanz der Telekom zum 1. Januar 1995 möglicherweise überbewertet gewesen sei. Zum technischen Anlagevermögen gehört die Netz- und Vermittlungstechnik wie Antennenmasten oder Schaltkästen. Die Ermittlungen seien aber nicht auf weitere Personen ausgedehnt worden. Ein Ende des Verfahrens sei bisher nicht abzusehen.

Anlegerschützer reagierten mit scharfen Worten auf die neuen Untersuchungen. "Man hat den Eindruck, das ist ein Riesensumpf", sagt Marc Tüngler, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Man könne nur hoffen, dass die Staatsanwaltschaft jetzt alles aufdeckt. "Negativmeldungen wie diese belasten den Aktienkurs zu Lasten vieler Kleinanleger, die der Telekom vertraut haben." Tüngler kritisiert, dass die Telekom bei der Neubewertung ihres Vermögens zwar die Grundstücke, nicht aber die darauf befindlichen technischen Anlagen und Aufbauten berücksichtigt habe. Insofern seien die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft "keine Überraschung". Das technische Anlagevermögen war in der Eröffnungsbilanz der Telekom zum Stichpunkt 1. Januar 1995 um rund 15 Milliarden Mark auf 86 Milliarden Mark abgewertet worden. "Die Frage ist, ob die Telekom ausreichend abgewertet hat", sagt Tüngler.

In Telekomkreisen wurden die neuen Ermittlungen, die sich auf den Zeitraum zwischen 1990 und 1995 beziehen, mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Vom ursprünglichen, in der Eröffnungsbilanz auf umgerechnet knapp 44 Milliarden Euro abgewerteten technischen Anlagevermögen sei der Großteil mittlerweile ersetzt. Die Abschreibungen darauf beliefen sich auf rund 30 Milliarden Euro. Zudem habe es Ausgliederungen des TV-Kabelnetzes gegeben. Von dem in Frage stehenden Vermögen sei daher quasi nichts mehr übrich. Die Telekom-Aktie lag am Freitag im Trend des schwächeren Marktes mit 26,72 Euro gut ein Prozent unter dem Vortageskurs.

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