Wirtschaft : T-Aktie: Telekom nennt Deutsche Bank instinktlos

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Mit deutlicher Kritik hat die Deutsche Telekom auf das Vorgehen der Deutschen Bank bei der Platzierung des Millionen-Pakets von T-Aktien am Dienstag reagiert. Nach dem Verkauf war der Kurs auf den tiefsten Stand seit November 1998 gefallen. Es lasse "ein Maximum an Instinktlosigkeit" erkennen, wenn die Bank am Montag ihre Kaufempfehlung für die Telekom-Aktien bekräftige und am Tag danach 44 Millionen Papiere verkaufe, sagte ein Telekom-Sprecher. Man wolle die Transaktion rechtlich überprüfen. Die Deutsche Bank war maßgeblich am Börsengang der Deutschen Telekom 1996 und an der späteren Platzierung von Tranchen beteiligt. Sie gehörte auch zu dem Konsortium, das die Telekomtochter T-Mobile im Herbst 2000 an die Börse bringen sollte.

Am Freitag fiel die T-Aktie weiter um 3,20 Prozent auf 19,65 Euro und näherte sich damit ihrem Emissionspreis von 14,50 Euro. Dabei hatte die Woche für Deutschlands erste Volksaktie gut begonnen: Die Analysten der Deutschen Bank bekräftigten ihre Kaufempfehlung für das Papier, reduzierten allerdings das Kursziel von 38 auf 31 Euro. Dennoch legte der Kurs zeitweise mehr als drei Prozent zu. Einen Tag später sorgte das Institut allerdings für einen Einbruch der T-Aktie: Die Deutsche Bank verkaufte im Auftrag eines Investors, den sie bis heute nicht nennen will, 44 Millionen Papiere zum Preis von je 23,60 Euro. Das entspricht einem Abschlag von 2,5 Prozent auf den Schlusskurs vom Montag. Daraufhin stürzte die T-Aktie um rund fünf Prozent auf das tiefste Niveau seit zweieinhalb Jahren ab. In den darauffolgenden Tagen setzten die Titel ihre Talfahrt fort. Seit Montag schrumpfte die Marktkapitalisierung von 100 auf 85 Milliarden Euro.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Bank ohne Berücksichtigung möglicher Folgen für den Aktienkurs das Mandat für den Blockverkauf habe annehmen und unmittelbar nach der bekräftigten Kaufempfehlung habe ausführen können, kritisierte ein Telekom-Sprecher. Die Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bat das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (siehe Lexikon), zu prüfen, ob hinter dem Aktienverkauf nicht mehr stecke.

Wolfgang Gerke, Professor für Börsenwesen an der Uni Erlangen, steht Schadenersatzforderungen von Kleinaktionären dagegen skeptisch gegenüber: "Man muss als Anleger nachweisen, dass die Deutsche Bank hier absichtlich jemanden schädigen wollte. Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube vielmehr, dass das Dummheit war." Rüdiger von Rosen, der Chef des Deutschen Aktieninstituts sagte: "Die Empfehlung für die T-Aktie aus der Research-Abteilung der Deutschen Bank ist durchaus statthaft."

Die Deutsche Bank erklärte lediglich, die Analysten-Studie sei langfristig vorbereitet worden und habe mit dem Auftrag der Großkunden nichts zu tun. Finanzkreisen zufolge soll die Deutsche Bank für den Verkauf zwischen 100 und 150 Millionen Mark Provision erhalten haben. Ein Konzernsprecher verwies auf die gesetzlich vorgeschriebene Trennung ihrer Geschäftsbereiche durch "Chinese Walls". Diese "chinesischen Mauern" zwischen den Research- und Handelsabteilungen von Finanzinstituten sollen unter anderem die Möglichkeit von Kursmanipulationen verhindern.

Das ist auch notwendig, denn die Abwicklung millionenschwerer Aktienorders für institutionelle Kunden gehört ebenso zum Geschäft einer Investmentbank wie Börsengänge, Unternehmensübernahmen oder eben das Erstellen von Kauf- und Verkaufstudien. Das bringt unweigerlich mit sich, dass die Bank einmal im Auftrag von Käufern der T-Aktie oder der Telekom selbst handelt und einmal im Auftrag von Verkäufern. Um dabei Interessenkonflikte zu vermeiden, gibt es die "Chinese Walls".

Von wem die Deutsche Bank das Verkaufsmandat erhalten hatte, war am Freitag nach wie vor nicht offiziell bekannt. Am Markt wird davon ausgegangen, dass es sich bei der Platzierung um Papiere aus der Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream handelt, die die Telekom teilweise mit eigenen Aktien bezahlte. Die größten Pakete erhielten die Hongkonger Hutchison Whampoa, die US-Gesellschaft TDS, der finnische Telekom-Konzern Sonera sowie die Investmentbank Goldman Sachs. Die meisten dieser Investoren dürfen ihre Telekom- Papiere aber frühestens am 1. September verkaufen. Allein Hutchison Whampoa halte als ehemaliger Voicestream-Aktionär mehr als 200 Millionen Aktien der Deutsche Telekom.

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