Wirtschaft : T-Aktie: Wertpapier der Deutschen Telekom bricht ein und zieht den Dax nach unten

fs/gil/nks/HB

Die Aktie der Deutschen Telekom ist am Donnerstag an den deutschen Aktienmärkten in einem insgesamt schwachen Börsenumfeld bei sehr hohen Umsätzen in der Spitze um fast acht Prozent eingebrochen. Um 17 Uhr 10 wurden die Papiere nur noch mit einem Kurs von 58,60 Euro notiert. Sie lagen damit unter dem Emissionskurs der dritten Platzierung Mitte Juni von 66,50 Euro. Für Frühzeichner hatte es damals einen Rabatt von drei Euro gegeben.

Hintergrund waren Händlerangaben zufolge Gerüchte über ein möglicherweise bevorstehendes Milliarden-Gebot für den US-Konzern Sprint und angeblich aufgegebene Stützungskäufe der Deutschen Bank, mit der die T-Aktie in den vergangenen Tagen künstlich auf dem Niveau des Ausgabepreises beim dritten Börsengang gehalten worden sei. In Medienberichten hieß es, die Banken hätten zusammen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) T-Aktien im Wert von rund einer Milliarde Euro gekauft. Ziel sei es gewesen, die Anleger nicht zu verärgern und den Boden für den im Herbst geplanten Börsengang der Telekom-Tochter T-Mobil zu bereiten. Die Stützungskäufe seien nun aber ausgelaufen und belasteten zusätzlich den Kurs.

Die Investoren fürchteten zudem, der Kaufpreis für Sprint könnte zu hoch sein und die Telekom sich damit übernehmen. Analysten erwarten von der Telekom seit längerem eine Akquisition in den USA, um den Konzern international voranzubringen. Seit Tagen kursieren Gerüchte, die Telekom könne die gescheiterte Fusion zwischen Sprint und Worldcom zu einem erneuten Übernahmeversuch bei Sprint nutzen. Noch bis vor kurzem hatten Händlern zufolge Akquisitionsgerüchte die Telekom-Titel beflügelt. "Wenn Übernahmegerüchte Realität zu werden scheinen, verblasst die Fantasie am Markt und der Aktienwert sinkt", sagte ein Händler. Ein anderer fügte hinzu: "Am Markt kursieren Gerüchte, die Telekom werde nur Teile von Sprint kaufen und dafür 35 bis 40 Milliarden Dollar zahlen." Seit der Bieterschlacht ist der Börsenwert von Sprint auf Grund sinkender Aktienkurse gefallen. Derzeit werden der Ferngesprächsbereich des Unternehmens und die in einer eigenen Aktie gebündelten Mobilfunkaktivitäten mit zusammen 102 Milliarden Dollar bewertet.

Die Deutsche Telekom steht auch von anderer Seite unter Druck. Sie benötigt Geld für den Bieterwettbewerb um die UMTS-Lizenzen. Hier werden Preise von bis zu zehn Milliarden Mark für die Lizenz plus noch einmal fünf bis zehn Milliarden Mark für den Netzaufbau fällig. Zudem macht ihr der Margenverfall im Inland zu schaffen.

Die Deutsche Telekom lehnte einen Kommentar zu Berichten, sie könnte bis zu 99 Milliarden Dollar für Sprint bieten, ab. Nach den Worten von Telekom-Chef Ron Sommer arbeitet der Bonner Konzern jedoch mit Hochdruck an der von Analysten geforderten Expansion in den USA. Ein Sprecher bekräftigte das Interesse, schränkte aber ein, dass ein Engagement in das eigene Unternehmenskonzept mit den vier Säulen Mobilfunk, Online, Netzzugang und Systemlösungen passen müsse. Damit dürfte ein auf Festnetzaktivitäten konzentriertes Unternehmen wie Worldcom aus dem Blickwinkel der Telekom als Übernahmeobjekt ausscheiden. Sprint hingegen verfügt über eine starke Mobilfunksparte. Wie France Télécom ist die Telekom mit zehn Prozent an Sprint beteiligt, sieht diesen Anteil aber nicht als strategische Beteiligung an. Die für Akquisitionen zur Verfügung stehende "Kriegskasse" der Telekom beläuft sich auf rund 100 Milliarden Euro.

Während die T-Aktien unter Druck gerieten und der Dax infolge des Telekom-Kursrückgangs bis 17 Uhr 30 auf 6869,97 (Vortagsschluss 7056,05) Punkte zurückging, konnte sich der Euro erholen. Die Europäische Zentralbank stellte den Referenzkurs bei 0,9504 (Vortag 0,9415) US-Dollar fest. Damit verbilligte sich der US-Dollar gegenüber der D-Mark von 2,0773 Mark auf 2,0579 Mark. Händler erklärten, trotz des im Mai deutlich verlangsamten Geldmengenwachstums rechne der Markt noch in diesem Jahr mit einer weiteren Zinserhöhung in der Euro-Zone.

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