Wirtschaft : T-Online: Anleger verlieren die Geduld

hz/tnt

Die bisher ungelöste Führungsfrage bei Europas größtem Internetprovider T-Online belastet immer mehr auch die Verbindung des Unternehmens zur Börse. Nicht nur viele Kleinaktionäre haben das Vertrauen in den einstigen Star des Neuen Marktes verloren, auch unter vielen institutionellen Anlegern und Bankanalysten wächst die Unzufriedenheit mit der Telekomtochter.

Der Kurs der T-Online-Aktie fiel am Mittwoch um sechs Prozent auf ein Allzeittief von 20,25 Euro. Er lag damit rund sieben Euro unter dem Ausgabepreis vom April. Am 2. Mai hatte T-Online mit 46,10 Euro die höchste Notierung erreicht. Neben dem negativen Marktumfeld für Internetwerte sehen immer mehr Analysten in der bislang ungelösten Führungsfrage einen Grund für den Kursverfall.

"Es wäre an der Zeit, dass sich T-Online äußert, bis wann ein neuer Chef gefunden werden soll", kritisiert Petra Heist von der Hypo-Vereinsbank die bisher ergebnislos verlaufene Suche. Spätestens bei der nächsten Analystenkonferenz zu den Zahlen für das dritte Quartal müsse sich T-Online auf "sehr kritische Fragen in diese Richtung" einstellen, sagte ein anderer Analyst.

Der Machtkampf zwischen Telekom-Chef Ron Sommer und dem T-Online-Vorstand hat bei dem Darmstädter Internetunternehmen tiefe Spuren hinterlassen. Seit zwei Monaten steht Europas größter Internetprovider schon ohne Vorstandschef da. Ein Vorstandsmitglied nach dem anderen verlässt das Unternehmen Hals über Kopf. Auch nach der Ernennung zwei neuer Vorstände kommt das Unternehmen nicht zu Ruhe. Die Bereichsleiter für Investor-Relations und die T-Online-Rechenzentren, Wolfgang Kniese und Gudrun Wittig, haben mittlerweile ihre Kündigung eingereicht. Damit hat der Exodus des Managements auch die zweite Reihe im Management erreicht.

Auch beim Internet-Marktforscher Forrester Research verfolgt man die Suche nach dem neuen T-Online Chef inzwischen mit großer Aufmerksamkeit. "Noch immer fehlt es T-Online an einem überzeugenden E-Commerce-Konzept. Das bisherige Geschäftsmodell hat keine Zukunft", sagt Forrester-Research-Direktor Christian Nolte Rieke. Zu den dringlichsten Aufgaben eines neuen Vorstandschefs werde es gehören, das mit sechs Millionen Nutzern riesige Potenzial an Kunden in Zukunft richtig zu nutzen. Doch fraglich scheine, was in Darmstadt überhaupt noch selbständig zu managen sei. Zu deutlich habe Sommer gezeigt, wer letztlich das Sagen bei T-Online hat: nämlich der Telekom-Chef ganz allein. Die Commerzbank, die den Börsengang mitbetreute, sprach sich unterdessen dafür aus, die Aktie von T-Online zu halten. Das Papier befinde sich auf Achterbahnfahrt.

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