Wirtschaft : T-Online: Börse reagiert skeptisch auf Thomas Holtrop

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Telekom-Chef Ron Sommer konnte am Donnerstag neben den Geschäftszahlen für die ersten neun Monate des laufenden Jahres endlich auch einen neuen Chef für T-Online präsentieren. Der Bankmanager Thomas Holtrop soll den Vorstandsvorsitz bei T-Online übernehmen und damit die Führungskrise beim Internetanbieter beenden. Doch die Börse reagierte skeptisch: Die T-Online-Aktie stürzte im Handelsverlauf auf ein Rekordtief. Auch die Aktie der Telekom verlor rund vier Prozent.

Es waren nicht die Quartalsergebnisse, die am Donnerstag die Kurse von der Telekom und T-Online bewegten. Im Mittelpunkt des Interesses stand der neue Mann an der Spitze von T-Online - und der Bankmanager ist offenbar nicht der Kandidat, den sich die Börsianer vorgestellt hatten. "Den kennt keiner", sagte Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. "Das war kein großer Wurf." Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin hält die Reaktion der Händler dagegen für überzogen. Dem alten Vorstandschef Wolfgang Keuntje habe man vorgeworfen, zu technikorientiert zu sein, an Holtrop werde nun umgekehrt bemängelt, dass er aus der falschen Branche komme. Dabei könne er eben die zuvor bei Keuntje vermisste Erfahrung auf dem internationalen Parkett vorweisen. Rothauge geht davon aus, dass Telekom-Chef Sommer keine große Auswahl hatte. "Wer will diesen Posten übernehmen. Es besteht das Risiko, zu stark der verlängerte Arm von Sommer zu werden."

Die negative Reaktion auf die Ernennung des neuen Vorstands ist insofern überraschend, weil gerade die Führungskrise immer als ein Grund für die schwache Kursentwicklung des größten europäischen Onlinedienstes genannt wurde. Seit dem Abschied von T-Online-Vorstand Wolfgang Keuntje im August diesen Jahres hatte die Branche mit Spannung auf die sich hinziehende Neubesetzung gewartet. Weitgehend bekannt waren dagegen die Quartalsergebnisse, die die Telekom und T-Online am Donnerstag vorlegten. Analysten sagten, das Ergebnis sei sogar leicht besser als erwartet gewesen. Wegen Beteiligungsverkäufen und dem Börsengang von T-Online schreibt die Deutsche Telekom in diesem Jahr schwarze Zahlen. In den ersten neun Monaten sei der Konzernüberschuss auf 8,4 (Vorjahr: 1,3) Milliarden Euro gestiegen, teilte der Telefonkonzern mit. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erwirtschaftete der Konzern 17,7 Milliarden Euro (plus 58 Prozent).

Den rasanten Anstieg der Ergebnisse führte die Telekom auf Erträge aus dem Verkauf von Beteiligungen etwa an der italienischen Gesellschaft Wind, an Global One und den Kabelgesellschaften in Nordrhein-Westfalen und Hessen und auf den Börsengang der Tochterfirma T-Online zurück. Die Sondererträge addierten sich auf 10,7 Milliarden Euro. Ein dickes Plus verzeichnete die Telekom beim Umsatz, der um 14,3 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro stieg. Für das gesamte Jahr 2000 rechnet der Vorstand mit einem Umsatzwachstum in ähnlicher Höhe. T-Online befindet sich trotz der Führungskrise weiter auf Wachstumskurs. Nach dem Quartalsbericht erhöhte der Internetanbieter innerhalb eines Jahres die Zahl der europäischen Kunden um 82,9 Prozent auf mehr als sieben Millionen. Der Umsatz stieg in den ersten drei Quartalen um 86,5 Prozent auf 542,6 Millionen Euro. Allerdings schreibt die Telekomtochter weiter rote Zahlen. Das Ebitda-Ergebnis lag nach Berücksichtigung des Beitrages aus dem Börsengang der Comdirect Bank in Höhe von 39,2 Millionen Euro mit 14,3 Millionen Euro im Minus.

Unterdessen entschied das Kölner Landgericht, dass der Düsseldorfer Call-by-Call-Anbieter 01051 keine "Teledumping"-Gespräche anbieten darf und entsprach damit einer Forderung der Telekom. Die Firma hatte Call-by-Call-Gespräche im Ortsnetz deutlich günstiger angeboten als die Telekom.

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