Wirtschaft : T-Online ist nichts für Börsenneulinge - Interview mit Klaus Nieding

Herr Nieding[ist die T-Online-Aktie eine Volksakt]

Klaus Nieding ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Herr Nieding, ist die T-Online-Aktie eine Volksaktie wie die T-Aktie?

Nein. Es gibt zu wenig Aktien und das Geschäft von T-Online ist zu spezialisiert.

Wo sehen Sie die Risiken für Kleinaktionäre?

Ein Risiko liegt in der Marktenge des Wertes. Es kommen nur neun bis zehn Prozent von T-Online an die Börse. Die geringe Liquidität kann dazu führen, dass es zu großen Kursausschlägen sowohl nach oben als auch nach unten kommt. Sogar Telekom-Chef Ron Sommer hat gesagt, dass diese Gefahr bei T-Online größer ist als bei der T-Aktie. Das zweite Risiko liegt in der Positionierung von T-Online: Im Ausland, in den europäischen Boommärkten wie Spanien, Italien oder Griechenland ist T-Online schlechter aufgestellt als der Wettbewerber AOL. Schließlich kann das Papier starken Schwankungen unterliegen, weil Technologiewerte heute "in" und morgen schon wieder "out" sein können - wie man gerade am Neuen Markt sehen kann.

Für wen könnte es sich trotzdem lohnen, die Aktie zu kaufen?

Die T-Online-Aktie ist etwas für den informierten und nervenstarken Anleger. Börseneinsteigern würde ich sie nicht empfehlen. Man kann das Papier nicht im Depot liegen lassen, sondern muss die Aktie und den Markt aktiv beobachten. Wer das nicht kann oder will, sollte lieber einen Technologiefonds kaufen, wo das Profis für ihn machen.

Wo liegt der faire Preis für die Aktie?

Um das beurteilen zu können, fehlen uns die Informationen. Analysten halten einen Preis zwischen 25 und 35 Euro für fair.

Welche Informationen fehlen denn?

Was wir brauchen sind Zahlen und Fakten. Den Verkaufsprospekt wird es aber erst am Montag geben. Ich rate jedem Anleger, auf jeden Fall erst dann zu zeichnen, wenn er den gelesen hat. Es kauft ja auch niemand ein Auto, dass er nicht vorher gesehen hat.

Wie sollten die Aktien zugeteilt werden?

Fairerweise sollte Herr Sommer schon am Montag sagen, was bei einer Überzeichnung des Emissionsvolumens passiert. Wir halten eine Quotenregelung wie beim ersten Börsengang der Telekom für den besten Weg. Das Interview führte Corinna Visser

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