Wirtschaft : T-Online schreibt erstmals schwarze Zahlen

Internetdienstleister erhöht den Wert der Comdirect-Beteiligung in seinen Büchern/Barreserve von vier Milliarden Euro

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Berlin (vis). Der Internetdienstleister TOnline hat zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Quartal mit Gewinn abgeschlossen. Doch das war allein einem Sondereffekt geschuldet: Dank einer Zuschreibung von 34 Millionen Euro auf den Wert der Beteiligung an der Direktbank Comdirect stand unter dem Strich ein Überschuss von drei Millionen Euro. Für das Gesamtjahr wird T-Online unterm Strich nach wie vor einen Verlust ausweisen. Grund dafür sind die hohen Abschreibungen auf die Beteiligungen im Ausland, die T-Online in den vergangenen Jahren erworben hat. Die Beteiligungen im Ausland arbeiten zudem noch immer mit Verlust.

T-Online-Chef Thomas Holtrop hob jedoch seine Prognose für die Ergebnisentwicklung im Gesamtjahr an. „Wir erwarten in diesem Jahr ein Ebitda von 310 bis 320 Millionen Euro,“ sagte er. Ebitda ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Der Erlös aus dem bereits erfolgten Verkauf von T-Info sei darin nicht enthalten. Bisher war ein Ebitda von 250 bis 300 Millionen Euro erwartet worden. Der Umsatz werde 2003 bei 1,9 Milliarden Euro liegen.

Wachstumsimpulse erhofft sich das Unternehmen nach wie vor von der zunehmenden Zahl an Nutzern von breitbandigen Internetzugängen (DSL). 200000 neue DSL-Kunden gewann T-Online im Quartal. Mit der steigenden Zahl an leistungsfähigen Zugängen werde auch die Zahl derer zunehmen, die breitbandige Dienste nutzen, sagte Holtrop. Diese Dienste wiederum bietet T-Online kostenpflichtig an. Eine kombinierte Strategie, nennt Holtrop das: Geldverdienen nicht nur mit Zugängen zum Netz, sondern auch mit kostenpflichtigen Inhalten. Anfang November hatte T-Online zum Beispiel einen Dienst zum Abruf von Videos aus dem Netz gestartet. Die Resonanz sei mehr als positiv, sagte Holtrop, ohne Zahlen zu nennen.

Ende September 2003 hatte T-Online eine Million Kunden mehr als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Ein Grund, warum das Unternehmen den Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um knapp 20 Prozent auf 452,7 Millionen Euro steigern konnte. Das operative Ergebnis konnte T-Online im Quartalsvergleich mehr als verdreifachen – auf 61,2 Millionen Euro.

Die Wertzuschreibung für die Comdirect- Beteiligung zu diesem Zeitpunkt kam für Analysten überraschend. Sie sei allein ein kosmetischer Effekt, sagte Holger Bosse, Analyst von Helaba Trust. T-Online hält 21 Prozent an der Comdirect. Im dritten Quartal 2002 hatte T-Online den Wert um 224 Millionen Euro nach unten korrigiert. Inzwischen ist die Aktie wieder gestiegen. „Wahrscheinlich wurde die Anpassung jetzt vorgenommen, um das Zahlenwerk insgesamt etwas positiver aussehen zu lassen“, sagte Bosse. Die Entwicklung von Umsatz und Ebitda sei minimal unter seinen Erwartungen geblieben.

T-Online hat inzwischen eine Barreserve von vier Milliarden Euro angesammelt. „Wenn der richtige Zeitpunkt kommt, werden wir sie einsetzen“, sagte Finanzvorstand Rainer Beaujean. Mit Entscheidungen sei voraussichtlich bereits in den nächsten Monaten zu rechnen. Über mögliche Kauf-Kandidaten wollte er keine Auskunft geben. Analyst Bosse hält die Entscheidung abzuwarten trotz der auslaufenden Dynamik beim Kundenwachstum für richtig. Derzeit gebe es keine lukrativen Übernahmekandidaten.

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