Wirtschaft : T-Online: Vorstandschef tritt überraschend zurück

Der Vorstandschef des Internetdienstleisters T-Online, Wolfgang Keuntje, ist überraschend zurückgetreten. Keuntje verlasse das Unternehmen mit sofortiger Wirkung auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen, teilte die am Neuen Markt notierte Telekom-Tochter am Freitag mit. In unternehmensnahen Kreisen hieß es, Keuntje sei vermutlich wegen der dominanten Rolle der Muttergesellschaft Deutsche Telekom "frustriert" gewesen und habe deshalb T-Online verlassen. Auch Händler und Analysten sagten, die Umstände des Rücktritts deuteten auf mögliche berufliche Resignation, geschäftliche Differenzen oder aber Verfehlungen Keuntjes hin. Ein Aktienhändler sagte: "Ein Rücktritt am Freitagnachmittag bekannt zu geben, und dann auch noch mit sofortiger Wirkung, zieht immer Spekulationen über die Umstände nach sich." Ein anderer Händler ergänzte: "Die Umstände deuten auf Differenzen hin. Man hinterlässt ein Unternehmen nicht führungslos. Da wurde mit heißer Nadel gestrickt." Es wurde aber auch die Vermutung geäußert es habe dem Vorstandschef "an Wagemut" gefehlt. Möglicherweise sei Keuntje mit seiner Aufgabe "leicht überfordert" gewesen.

In einer schriftlichen Mitteilung der Deutschen Telekom hieß es zu dem Rücktritt, Keuntje habe maßgeblich dazu beigetragen, dass T-Online seine heutige Führungsposition erreicht habe. Unter der Regie von Keuntje sei T-Online zu einem der größten Internet-Unternehmen der Welt geworden. Auf die Gründe für den Rücktritt ging die Telekom in der Mitteilung nicht über die zuvor von T-Online gemachten Angaben hinaus ein.

Die kommissarische Leitung von T-Online, die in der kommenden Woche ihre Halbjahreszahlen vorlegen will, soll Detlev Buchal, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom für Produktmarketing, übernehmen. Der Kurs der T-Online-Aktie brach binnen Minuten nach der Veröffentlichung des Rücktritts von 31,18 Euro auf bis zu 28,12 Euro ein, erholte sich später aber leicht bis auf 28,80 Euro. Dies bedeutet gegenüber dem Schlussstand vom Donnerstag ein Minus von 0,5 Prozent.

Zuletzt verhandelte T-Online nach Presseberichten mit dem britischen Online-Dienst Freeserve über eine Übernahme. Bislang gibt es kein offizielles Ergebnis. Die an T-Online beteiligte Direktbank Comdirect traf der Rücktritt nach eigenen Angaben unerwartet. Mathias Hajek, Sprecher der Comdirect, sagte, der Rücktritt komme überraschend.

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