Wirtschaft : T-Online zahlt hohen Preis für Kunden

1,5 Millionen DSL-Anschlüsse verkauft / Gewinn des Internetdienstleisters bricht 2005 ein / Umsatz steigt

Rolf Obertreis

Darmstadt/Berlin - Europas größter Internetdienstleister T-Online will im laufenden Jahr die Zahl seiner Kunden mit schnellen Breitbandanschlüssen noch einmal kräftig steigern – und nimmt dafür einen stagnierenden Gewinn im laufenden Jahr in Kauf. Die Zahl der DSL-Kunden soll 2006 in Deutschland um 1,4 Millionen wachsen. Bereits im vergangenen Jahr drückten die Kosten für die Gewinnung neuer Kunden den Gewinn des Unternehmens.

Vor allem in Deutschland macht der harte Wettbewerb T-Online zu schaffen. Der immer größer werdende Wettbewerbsdruck auf dem gesamten Markt wird auch ein wichtiges Thema am heutigen Donnerstag sein, wenn die Deutsche Telekom in Bonn ihre Bilanz vorlegt. Experten erwarten, dass das Mobilfunk-Geschäft der Telekom im vierten Quartal 2005 zu einem Umsatz- und Gewinnplus verholfen hat. Im Festnetzgeschäft dagegen verliert die Telekom massiv Marktanteile. Das Interesse der Marktteilnehmer wird sich aber auch auf die Höhe der Dividende richten. Im Vorjahr hatte die Telekom 62 Cent pro Aktie bezahlt. Der Markt erwartet, dass es diesmal mehr sein wird. Am Mittwoch legten bereits die spanische Telefónica (Rekordgewinn von 4,4 Milliarden Euro in 2005) und der französische Medien- und Telekommunikationskonzern Vivendi (Gewinn ohne Sondereffekte: 2,1 Milliarden Euro) Zahlen vor.

T-Online hat 2005 in Deutschland, Frankreich und Spanien netto 1,5 Millionen neue DSL-Kunden gewonnen, davon allein 1,22 Millionen in Deutschland. Damit hatten sich nach Angaben von T-Online-Chef Rainer Beaujean fast 58 Prozent der Kunden, die bei T-Com einen DSL-Anschluss bestellt haben, für T-Online als Internetdienstleister entschieden. Auch die Wettbewerber nutzen die Leitungen von T-Com für ihre eigenen Angebote.

Dank des starken Kundenzuwachses erhöhte sich bei T-Online der Umsatz im Jahr 2005 um knapp vier Prozent auf 2,09 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern sackte allerdings wegen des scharfen Wettbewerbs und der Einführung eines einheitlichen Pauschalpreises (Flatrate) für unbegrenztes Surfen und Telefonieren um 32 Prozent auf knapp 204 Millionen Euro ab. Dieses Ergebnis will T-Online in diesem Jahr halten, der Umsatz soll auf 2,3 Milliarden bis 2,5 Milliarden Euro steigen.

Trotz des Gewinneinbruchs zeigte sich Beaujean zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2005. Der Ertragsrückgang sei in der längerfristigen Planung erwartet worden, die zur Jahresmitte selbst gesetzten Ergebnisziele habe man aber deutlich übertroffen. Wie im Vorjahr will T-Online eine Dividende von vier Cent je Aktie ausschütten. Auch dem Arbeitsmarkt hat das Unternehmen Impulse gegeben: Die Zahl der Beschäftigten kletterte im vergangenen Jahr um rund 350 auf gut 3300. 2006 sollen weitere 350 Stellen dazukommen.

Ob und in welchem Umfang die angekündigte aber bisher noch nicht vollzogene Verschmelzung mit der Deutschen Telekom das Unternehmen gebremst habe, ließ Beaujean offen. Anfang Februar hatte das Landgericht Darmstadt die Anfechtungsklagen gegen die Eintragung der Verschmelzung zurückgewiesen. Allerdings haben mehrere Aktionäre dagegen beim Bundesgerichtshof (BGH) Rechtsbeschwerde eingelegt. „T-Online wird auch dagegen vorgehen“, sagte Beaujean. Jetzt hänge es vom BGH ab, wie schnell es weitergehe. Das Gericht könne die Rechtsbeschwerde schnell abweisen, es könne allerdings auch eine weitere Verhandlung ansetzen.

Unbeirrt von dieser Lage will T-Online die Zahl der DSL-Kunden von derzeit rund 4,45 Millionen um mehr als ein Drittel steigern, obwohl der Wettbewerb nach Ansicht von Beaujean an Schärfe weiter zunehmen werde. Konkurrenten würden vermehrt versuchen, Verträge direkt mit T-Com abzuschließen, andere Anbieter verstärkt das eigene Telefonnetz nutzen und schließlich würden Kabelgesellschaften mehr und mehr ins Internetgeschäft drängen.

Zugleich setzt T-Online auf „Triple Play“ – also ein Produkt, das Internet-Zugang, Telefonieren und Unterhaltungsangebote wie etwa Spielfilme und Sportübertragungen in einem Paket verbindet. Noch in diesem Jahr will T-Online mit den ersten „Triple-Play“- Angeboten in Deutschland starten. Ob dies noch vor der Fußball-WM passieren wird, ließ Beaujean offen. In Frankreich, wo T-Online unter der Marke Clubinternet präsent ist, soll „Triple Play“ bereits in diesem Frühsommer eingeführt werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar