Wirtschaft : Tabakaktien: Gute Geschäfte mit Zigaretten

mif/abk

Des einen Leid ist des anderen Freud. So konnten die Tabakaktien kräftig vom Absturz der Nasdaq profitieren. Als im März vergangenen Jahres die rasante Talfahrt des Technologieindex begann, starteten Werte wie Philip Morris, J.R. Reynolds und British American Tobacco (BAT) einen bis heute anhaltenden Aufwärtstrend. Das Papier des weltweit größten Tabakunternehmens Philip Morris legte in den vergangenen zwölf Monaten um fast 118 Prozent zu. Und auch der Konkurrent R.J. Reynolds konnte seit April vergangenen Jahres den Kurs seines Wertpapiers von 22 Euro auf 64 Euro erhöhen. "Der wichtigste Grund, weshalb Tabakaktien in den vergangenen Monaten so stark gestiegen sind, ist der Absturz der Nasdaq", erklärt Simon Willis, Analyst bei ING Barings, den Aufwärtstrend. "Die Marktteilnehmer zählen Tabakpapiere zu den defensiven Werten." Mit einem weiteren Wachstum sei zu rechnen, wenn auch nicht mehr in dem gleichen Tempo.

Ein Risiko stellen jedoch weiterhin die Sammelklagen von krebskranken Rauchern dar. Karl Strohmeier, US-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, hält Tabakaktien aus diesem Grund für wenig kalkulierbar. "Es ist schwer zu sagen, was passieren wird, wenn die Welle der Klagen nach Europa überschwappt", gibt Strohmeier zu bedenken. Andere Branchenkenner halten es für unwahrscheinlich, dass die enorm hohen Schadensersatzzahlungen die Unternehmen ruinieren könnten. "Die Tabakindustrie ist zu einflussreich und mächtig, als dass die Klagen die Branche in existenzielle Nöte stürzen könnten", schätzt Emil Heppel, US-Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, die Klagen als wenig bedenklich ein. Ein Beispiel dafür ist Philip Morris. "Das Unternehmen hat scheinbar so einen gigantischen Cash flow, dass trotz der Schadenersatzzahlungen eine unverändert hohe Dividende ausgeschüttet werden konnte", sagt Strohmeier.

Die Bedenken wegen der Sammelklagen in den USA sind auch durch die Wahl des neuen Präsidenten George W. Bush gedämpft worden. Während die Regierung unter Präsident Clinton den Tabakunternehmen noch den Krieg erklärt hatte, hat Bush bereits in seinem Wahlkampf deutlich gemacht, dass er nicht gegen die Zigarettenindustrie vorgehen wolle.

Die derzeitige Börsenlage birgt allerdings noch ein weiteres Risiko für die Tabakaktien. Die Branche scheint zwar in Zeiten nachlassenden Wirtschaftswachstums immun gegen Kursrückgänge zu sein, umgekehrt gehen aber auch Kurssteigerungen in Phasen einer konjunkturellen Erholung spurlos an diesen defensiven Werten vorüber. Es besteht dann die Gefahr, dass Anleger wieder auf attraktive Wachstumswerte setzen und Tabakaktien deshalb aus ihrem Portfolio streichen.

Der zunehmenden Reglementierung der Werbefreiheit in Europa sehen Analysten gelassen entgegen. In den USA hätten noch striktere Regulierungen auch keine Umsatzeinbußen zur Folge gehabt. Trotz der diversen Risiken rechnen Analysten weiter mit einer positiven Entwicklung der Tabakwerte. Das Kurspotenzial sei noch nicht ausgereizt. Einige Werte seien immer noch unterbewertet. "Philip Morris ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von zehn immer noch unterbewertet. Das Unternehmen könnte ein KGV von 13 sicher vertragen", erklärt US-Analyst Heppel. Doch für welche Aktien soll sich der Anleger entscheiden. Eine Übersicht über drei Kandidaten kann die Wahl erleichtern.

Rechtliche Risiken bei BAT

British American Tobacco (BAT) ist nach Philip Morris der weltweit zweitgrößte Zigarettenkonzern. Auf dem Weltmarkt hat das Unternehmen einen Anteil von 15,4 Prozent. BAT hat im Jahr 2000 seinen Umsatz um 25,4 Prozent auf 37,75 Milliarden Euro gesteigert. Den Gewinn vor Steuern konnte der Konzern um elf Prozent verbessern. Trotz der guten Marktstellung und starken Kursgewinnen in den vergangenen Monaten gilt die Aktie des Herstellers der Marken "Lucky Strike" und "Kent" noch immer als niedrig bewertet. Der Grund dafür: Der Konzern muss in den kommenden Wochen Gerichtsverfahren wegen Gesundheitsschäden und Zigarettenschmuggels durchstehen - hohe Strafen drohen. Zu erklären sei die niedrige Bewertung auch dadurch, dass BAT im Gegensatz zu Philip Morris vollständig vom Tabakgeschäft abhängig ist. Angesichts dieser Risiken raten Analysten derzeit zur Vorsicht.

Philip Morris diversifiziert

Philip Morris ist weltweit die Nummer eins unter den Tabakkonzernen. Das Unternehmen hat mit Marken wie "Marlboro" und "Benson & Hedges" in den USA einen Marktanteil von fast 50 Prozent. In den vergangenen Jahren hat Philip Morris sein Geschäft als einziges Unternehmen der Tabakindustrie diversifiziert. Die neuen Standbeine Nahrungsmittel und Bier bedeuten einen klaren Vorteil gegenüber Konkurrenten wie BAT oder R.J. Reynolds, die vollständig vom Zigarettengeschäft abhängen. Das Tochterunternehmen Kraft Foods ist weltweit auf Platz zwei der Nahrungsmittelindustrie. Diese Sparte wurde durch die Übernahme des Lebensmittelkonzerns Nabisco im Dezember vergangenen Jahres noch ausgeweitet. Analysten halten das für eine gute Strategie, da auf dem Tabakmarkt wenig Wachstum zu erwarten sei. Das Papier des Branchenprimus wird von Analysten immer noch als unterbewertet eingestuft. Emil Heppel, Analyst der Bankgesellschaft Berlin, hat für die Aktie ein Kursziel von 60 Euro gesetzt. Die Bank rät das Papier jetzt zu halten.

Swedish Match mit Kurspotenzial

Hierzulande ist Swedish Match noch wenig bekannt. Das schwedische Tabakunternehmen hat im ersten Quartal 2001 seinen Umsatz um 28 Prozent auf 336 Millionen Euro gesteigert. Der Nettogewinn des Konzerns wuchs um 13 Prozent auf 32,6 Millionen Euro. Swedish Match hat seine Zigarettenproduktion im Jahr 1999 an Austria Tabak verkauft und plant, seine Marktanteile im Geschäft mit Zigarren, Schnupf- und Kautabak (Marke: "Red Man") gezielt auszuweiten. Um weiter mit diesen Produkten zu wachsen, hat das Unternehmen zugekauft. Im Mai 2000 erwarb Swedish Match eine Mehrheitsbeteiligung an General Holdings und im Januar 2001 kaufte der Konzern dem Konkurrenten BAT dessen südafrikanisches Pfeifentabakgeschäft ab. Der Aktienkurs von Swedish Match bewegt sich nur knapp unter dem Zwölf-Monats-Hoch. Der Titel habe dennoch Potenzial, doch sollten Anleger enge Stop-Loss-Limits setzen, raten Analysten.

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