Wirtschaft : Tabakkonzerne fusionieren zu Branchenriesen

ZUG / LONDON (AP).In der Zigarettenindustrie kommt es zu einer Großfusion.Der zweit- und der viertgrößte Hersteller der Welt, British American Tobacco (BAT) und Rothmans International, gehen zusammen.Die Fusion hat einen Wert von 13 Mrd.Pfund (rund 35 Mrd.DM).Zusammen haben die Unternehmen 1997 über 900 Mrd.Zigaretten produziert und kamen damit auf einen Weltmarktanteil von 16 Prozent.Die Fusion soll bis Mitte des Jahre abgschlossen ein.Über Auswirkungen auf den deutschen Markt wurde am Montag nichts bekannt.

Das neue Unternehmen wird weiter unter dem Namen BAT firmieren.Geleitet werden soll es von dem gegenwärtigen BAT-Vorsitzenden Martin Broughton, wie dieser bei einer Pressekonferenz in London sagte.Laut einer Mitteilung der Rothmans-Mitbesitzerin Richemont werden die bisherigen Rothmans-Eigner Compagnie Financiere Richemont AG in Zug und Rembrandt Group Limited in Südafrika ihr Zigarettengeschäft in eine durch eine Kapitalerhöhung erweiterte BAT einbringen, an der sie dann zusammen 35 Prozent halten werden; die beiden Firmen wollen sich allerdings auf einen Stimmrechtsanteil von 25 Prozent beschränken.Richemont besitzt zur Zeit zwei Drittel, Rembrandt ein Drittel an Rothmans mit Sitz in den Niederlanden.BAT will nun neue Aktien im Wert von 4,6 Mrd.Pfund zum Preis von 541 Pence ausgeben und diese an eine Holdinggesellschaft von Richemont und Rembrandt übertragen.

Von dem Megadeal versprechen sich die beiden Tabakkonzerne eine Spitzenposition auf rund 55 Zigarettenmärkten in Lateinamerika, Afrika, Asien und Australien sowie eine gestärkte Präsenz in Westeuropa.Die Fusion, die noch von den jeweiligen Behörden und Aktionären bewilligt werden muß, soll Ende Juni abgeschlossen sein und drei Jahre nach dem Vollzug zu jährlichen Einsparungen von 250 Mill.Pfund (700 Mill.DM oder 350 Mill.Euro) führen.Ein BAT-Sprecher räumte ein, daß einige Arbeitsplätze gestrichen würden, doch sei es noch zu früh, um genauere Angaben zu machen.Bei der deutschen BAT in Hamburg hieß es, ob die Fusion Auswirkungen auf den deutschen Zigarettenmarkt haben wird, sei noch unklar.

In London kündigten Vertreter der beiden Firmen allerdings an, Stelleneinsparungen an den britischen Produktionsstätten seien "unvermeidlich".Die Beschäftigtenzahl in Großbritannien liegt bei insgesamt 2300.Der BAT-Vorstandsvorsitzende Broughton machte deutlich, daß die Fusion nur durch die Aufspaltung des Mischkonzerns im Oktober 1997 möglich geworden sei.Damals hatte BAT seinen Finanzbereich, zu dem unter anderem die Versicherungen Eagle Star und Allied Dunbar gehören, mit der Zürich-Gruppe fusioniert.

Mit der Fusion will das Unternehmen Beobachtern zufolge vor allem den Konkurrenzdruck in den Vereinigten Staaten verringern.Dieser kommt von Philip Morris, dem Spitzenunternehmen der Tabakindustrie, das insbesondere die Marke Marlboro vertreibt und insgesamt 17 Prozent am Weltmarkt hält.Die globale Nummer drei ist R.J.Reynolds, mit der BAT ebenfalls über einen etwaigen Zusammenschluß verhandelt hat.

BAT teilte mit, der Geschäftsverlauf der letzten Monaten sei angesichts der schwierigen Marktverhältnisse befriedigend.Im Jahr 1998 würden 60 Mill.Pfund für Fabrikschliessungen bereitgestellt.Der Rechtsstreit der Tabakindustrie in den USA werde BAT möglicherweise mit rund 750 Mill.Dollar belasten.BAT dürfte für 1998 eine Dividende von 16 Pence je Aktie und im Juli 1999 eine Interims-Dividende von vier Pence beantragen.Von diesen Ausschüttungen seien Richemont und Rembrandt ausgeschlossen.Von Rothmans würden diese beiden Firmen dagegen im März eine Dividende von insgesamt 150 Mill.Pfund erhalten.

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