Wirtschaft : Tabaksteuer: Kommentar: Ein Stufenplan für die Raucher

Alfons Frese

Das sei kein Schaden für die Konjunktur, meinte Hans Eichel, als er vor wenigen Wochen dem Volk die Erhöhung von Tabak- und Versicherungssteuer verkaufte. Rauchen für mehr Sicherheit - ein starkes Stück des Finanzministers, aber offenbar völlig irrelevant für Binnennachfrage und Wachstum. Und wie groß ist der Schaden für den Arbeitsmarkt? 650 Stellen. So viel Personal stopft für Reemtsma in einer Berliner Fabrik Zigaretten, und diese Fabrik wird angeblich überflüssig, wenn Eichel die Kippen verteuert. Die Wirkungskette ist schlicht: Eichel greift den Rauchern in die Tasche, die Raucher ärgern sich, überwinden deshalb ihre Sucht und stellen das Rauchen ein. Die Zigarettenhersteller verkaufen weniger, haben also plötzlich zu viele Fabriken und zu viel Personal. Die Drohung des Reemtsma-Chefs, der auch Präsident des Verbandes der Zigarettenindustrie ist, wird ergänzt vom Chef der Nahrungsgewerkschaft: Wenn wegen der Sicherheitssteuer eine Packung Zigaretten um rund eine Mark teurer wird, dann sinkt der Verbrauch um rund zehn Prozent. Zehn Prozent weniger Absatz macht zehn Prozent weniger Arbeitsplätze, von 11 000 Beschäftigten in der deutschen Zigarettenindustrie müssen also demnächst 1100 zum Arbeitsamt. Allerdings zeigen die bisherigen Erfahrungen mit Preiserhöhungen, dass nur kurzzeitig die Nachfrage einbricht; schon bald hat die Sucht die Raucher wieder. Damit es aber erst gar nicht zu einer kurzzeitigen Verkaufsdelle kommt, schlägt die Industrie dem Finanzminister eine zweistufige Erhöhung der Tabaksteuer vor. Dann können sich die Raucher an die Preisaufschläge besser gewöhnen und denken nicht an Entwöhnung. Ein Stufenplan für die Industrie und die Sicherheit!

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