Wirtschaft : Tag der Entscheidung für Bosch Breitbandnetze

Die Muttergesellschaft entscheidet, wer die Berliner Tochter kaufen soll: Telecolumbus oder EWT

Corinna Visser

Berlin - Für die Bosch Breitbandnetze in Berlin werden heute die Weichen für die Zukunft gestellt: Die Muttergesellschaft Bosch in Stuttgart entscheidet, mit welchem Bieter die Schlussverhandlungen über den Verkauf des Unternehmens geführt werden. Zwei Interessenten sind noch im Rennen: die Kabelgesellschaften Telecolumbus und EWT.

Bosch Breitbandnetze versorgt heute mit bundesweit rund 220 Mitarbeitern etwa 1,3 Millionen Haushalte mit Kabelfernsehen. Bereits seit Anfang Juni sucht Bosch einen Käufer für das Geschäft. Denn Bosch ist nicht bereit, die hohen Summen in das Fernsehkabel zu investieren, die nötig sind, um das TV-Kabel zu modernisieren. Erst nach einer Aufrüstung können über das Kabel auch Telefon, schnelles Internet und andere interaktive Dienste angeboten werden.

Gemeinsam mit der Firma Pepcom wollten die Mitarbeiter ein eigenes Angebot vorlegen. Bis zu zwei Millionen Euro wollten die Beschäftigten selbst aufbringen, um Mitinhaber ihrer Firma zu werden. Die IG Metall hatte den Kontakt zu Pepcom hergestellt, die bereits aus dem Bieterprozess ausgeschieden war. Pepcom, hinter der britische Finanzinvestoren stehen und der bereits eine Reihe kleiner Kabelgesellschaften gehören, gab gemeinsam mit den Mitarbeitern ein neues Angebot ab. Bis zu 400 Millionen Euro wollte Pepcom zahlen. Doch Bosch wollte den Verkaufsprozess nicht noch einmal unterbrechen. Bis Ende August soll er abgeschlossen sein.

Kritiker aus der Branche warfen Pepcom vor, sich durch das gemeinsame Angebot mit den Mitarbeitern nachträglich wieder in den Verkaufsprozess hineingeschmuggelt zu haben. Mit Pepcom hätte Bosch Breitbandnetze keine Zukunft gehabt, sagen die Experten. Aber in den Augen der Arbeitnehmervertreter haben sie mit Pepcom immerhin eines erreicht: den Druck auf Bosch zu erhöhen.

Am Mittwoch hat der Betriebsrat einen Termin mit der Geschäftsleitung. Dann wollen die Arbeitnehmervertreter über die Sicherung der Arbeitsplätze, der Standorte und des Einkommens reden. Ziel ist es, eine Überleitungsvereinbarung zu erreichen, die auch den künftigen Käufer bindet.

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