Wirtschaft : Tag des Protestes in allen Opel-Werken

„Informationsveranstaltungen“ in Bochum zeigen Wirkung: In den Schwester-Werken fehlen Teile, in Rüsselsheim wird verhandelt

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Berlin/Bochum/Rüsselsheim Der Ausstand der Bochumer Opel-Arbeiter gegen den geplanten drastischen Stellenabbau setzt den Mutterkonzern General Motors (GM) zunehmend unter Druck. Ein Opel-Sprecher bestätigte am Montag auf Anfrage, dass im belgischen Opel-Werk womöglich schon für die Nachtschicht Teile aus Bochum fehlen würden. In Antwerpen wird ebenso wie in Bochum der Kompaktwagen Astra gebaut. Die Bochumer Arbeiter hatten sich am Montagmorgen entgegen allen Appellen aus der Politik, aber auch von der Spitze der IG Metall, für eine Fortsetzung des „wilden Streiks“ entschlossen. „Wir haben nichts zu verlieren und verschaffen uns so eine gute Ausgangsposition für Verhandlungen“, sagte Betriebsratsmitglied Franco Biagiotti. Über eine mögliche Wiederaufnahme der Arbeit soll jede Schicht neu entscheiden.

Ob der Ausstand der Opel-Arbeiter legal ist, darüber sind sich die Arbeitsrechtler uneinig. Die Opel-Führung sah aber am Montag noch von Sanktionen gegen die eigenen Mitarbeiter ab. Unterdessen begannen in Rüsselsheim die Gespräche zwischen Management und Betriebsrat. Dabei ging es im Kern um den Fahrplan für die kommenden Wochen: Wann sollen welche Themen in den Verhandlungen abgearbeitet werden. Sowohl der Opel-Vorstand als auch Betriebsrat und IG Metall gehen davon aus, dass sich die Verhandlungen über Wochen hinziehen werden.

Bundespräsident Horst Köhler sprach den Beschäftigten unterdessen seine Anteilnahme aus. „Ich will meine Sympathie und mein Mitgefühl für alle betroffenen Mitarbeiter an den Standorten Bochum und Rüsselsheim zum Ausdruck bringen“, sagte er am Montag in München. Am Dienstag soll ein europaweiter Aktionstag der Metallergewerkschaft Druck auf GM/Opel ausüben. Allein in Bochum rechnet der Betriebsrat mit bis zu 100000 Menschen bei einer Protestkundgebung vor dem Schauspielhaus, am Stammwerk in Rüsselsheim werden mindestens 10000 Teilnehmer erwartet, im Komponentenwerk Kaiserslautern wollen 2500 Mitarbeiter die Arbeit zeitweise niederlegen. Dagegen bleibt es im thüringischen Eisenach ruhig. Im dortigen Opel-Werk wird wegen der zu geringen Nachfrage diese Woche nicht gearbeitet. Im polnischen Werk Gliwice soll ebenso wie in zwei englischen Fabriken die Arbeit zwar fortgesetzt werden. Die Beschäftigten würde aber auf Versammlungen über die Vorgänge informiert.

Der GM-Konzern will 12000 der 63000 Stellen in Europa streichen, davon jeweils 4000 in Bochum und Rüsselsheim. Bei den Verhandlungen will die Arbeitnehmerseite vor allem Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verhindern. Die Arbeitnehmer bekräftigten am Montag dagegen ihre Bereitschaft, einen Beitrag zu der von GM geplanten Kostenreduzierung von 500 Millionen Euro zu leisten. Bei der ersten Verhandlungsrunde führte am Montag Opel-Chef Hans Demant die Arbeitgeber- und der Gesamtbetriebratsvorsitzende Klaus Franz die Arbeitnehmerseite an. Die Gespräche dauerten bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe an.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte zuvor in Berlin an den Vorstand appelliert, er erwarte ein Signal, „damit bald die Arbeit wieder aufgenommen werden kann“. Er halte die Arbeitsniederlegung „für falsch“. Die Werksleitung in Bochum zeigte sich indessen auch am Montag nicht zu einem offiziellen Gespräch mit der Belegschaft bereit. Opel-Sprecher Ulrich Weber sagte aber auf Anfrage, „es gibt vor Ort jeden Tag Gespräche“. Mit Hilfe eines Flugblatts rief die Bochumer Opel-Geschäftsführung ihre Mitarbeiter auf, an die Arbeit zu gehen. „Die Wiederaufnahme der Arbeit wird dem Standort Bochum nutzen!“, hieß es in dem Flugblatt, das vom Werkschutz verteilt wurde. Arbeitswillige sollten sich bei ihren Vorgesetzten melden und bei Konflikten den Werkschutz informieren. alf/dpa

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