Wirtschaft : Tagesspiegel-Service: Bald fallen auch die Preise für Ortsgespräche

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Gerade hat die Deutsche Telekom die Preise für Telefonate im Ortsnetz von 6,2 Cent auf sechs Cent pro Tarifeinheit gesenkt. Ab 1. Dezember können Telefonkunden jedoch mit weiter sinkenden Preisen im Ortsnetz rechnen. Denn dann wird Call-by-Call auch für Stadtgespräche eingeführt. Das Kabinett hat im April einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschiedet. Bei der Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes war Call-by-Call im Ortsnetz ursprünglich nicht vorgesehen, weil die Regierung auf einen Infrastrukturwettbewerb setzte. Man hoffte darauf, dass in den Städten mehrere Unternehmen in eigene Ortsnetze investieren, um so Telefonanschlüsse in Konkurrenz zur Deutschen Telekom anbieten zu können. Aber das ist nicht passiert. Faktisch hat die Telekom hier immer noch ein Monopol: Der Marktanteil liegt bei 97 Prozent.

Auf Druck der EU-Kommission, die den Wettbewerb auch im Ortsnetz forcieren will, hat die Regierung nun den Weg für Call-by-Call im Ortsnetz freigemacht. Call-by-Call ist die einfachste Variante, Kunde einer alternativen Telefongesellschaft zu werden. Hierbei kann sich der Kunde vor jedem Gespräch neu entscheiden, über welchen Anbieter er telefonieren möchte - ohne einen Vertrag abschließen zu müssen. Vor dem Gespräch muss einfach die fünfstellige Netzvorwahl der gewünschten Telefongesellschaft gewählt werden, danach die Rufnummer des Gesprächspartners - inklusive der Null vor der Vorwahl. Die Gespräche werden über die monatliche Telekom-Rechnung abgerechnet.

Widerstand gegen die Einführung von Call-by-Call im Ortsnetz regte sich nicht nur bei der Deutschen Telekom. Auch die anderen Anbieter wie Arcor oder Berlikomm sind gegen die lästige Konkurrenz, denn sie fürchten um die hohen Summen, die sie in die eigene Infrastruktur investiert haben. Ihr Vorwurf: Call-by-Call-Anbieter mieten nur Verbindungen in großem Stil, haben aber keine eigenen Netze. Tatsächlich sind die Call-by-Call-Anbieter immer von den Leistungen der Netzbetreiber abhängig, können ohne sie nicht existieren. Doch für den Kunden wird Call-by-Call im Ortsnetz erst einmal sinkende Tarife bedeuten, wie das Beispiel Fern- und Auslandsgespräche zeigt.

Einen Vorgeschmack, wohin sich die Preise bewegen könnten, bieten die Unternehmen, die mit einem Trick bereits heute günstige Ortsgespräche anbieten. Sie nutzen dazu die 0190-0 Rufnummern. Rechtlich war dies umstritten. Doch die Anbieter konnten sich vor Gericht gegen die Telekom durchsetzen. Den Service-Nummern, die mit 0190-0 beginnen, sind keine festen Tarife zugeordnet. Der Anbieter kann den Preis frei bestimmen. Meist werden die Nummern genutzt, um kostspielige Beratungs- oder auch Erotik-Angebote abrechnen zu können. Aber 0190-0 muss nicht teuer sein: Die günstigsten Tarife liegen deutlich unter den Preisen, die die Telekom heute für ein Ortsgespräch verlangt. Wer über eine 0190-0er-Nummer Ortsgespräche führen will, muss dazu die eigene Vorwahl mitwählen. Doch wer hier sparen will, braucht oft Geduld, um eine freie Leitung zu erwischen. Die Kapazitäten der Anbieter sind in der Regel sehr gering.

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