Wirtschaft : Tagesspiegel-Service: Das Internet wird neu erfunden

Kurt Sagatz

Internet wird durch DSL erst schön. Darauf läuft die Werbung für den schnellen, breitbandigen Internet-Anschluss hinaus. Telekom-Chef Ron Sommer hat die zunehmende Verbreitung - rund 2,5 Millionen Anschlüsse - mit einer Neugeburt des Internets verglichen. Die Version 2.0 des Internets sei der Übergang vom langsamen, textgebundenen zum schnellen, multimedialen Internet.

Anders als vielfach angenommen ist DSL keine Technik nur für Vielsurfer. Auch wer nicht ganz so häufig oder so lange das Internet nutzt, möchte schließlich nicht minutenlang darauf warten, bis sich die Internet-Seiten endlich auf dem Bildschirm aufbauen. Musik, Filme, Animationen - mit Analog- oder ISDN-Verbindungen sind diese nur mit erheblichen Verzögerungen zu empfangen. Neue Angebote wie das Telekom-Portal T-Vision und AOL mit seinen speziellen DSL-Inhalten setzen zudem ganz auf Unterhaltung: Film-Trailer wie zu "Star Wars: Episode II", Konzert-Mitschnitte von Madonna oder Britney Spears und Online-Spiele à la "Sven" lassen das Internet zum Unterhaltungs-Medium werden, allerdings nur mit DSL. Internet per DSL kann durchaus als der Turbo für den Netzanschluss bezeichnet werden. Während das analoge Modem maximal 56 000 Bits pro Sekunde transportieren kann und auch jeder der beiden ISDN-Kanäle nur auf eine maximale Datenübertragungsrate von 64 000 Bits pro Sekunde kommt, schafft der Standard-DSL-Anschluss immerhin 768 000 Bits in derselben Zeit. Damit ist DSL rund zwölf mal schneller als ISDN. Allerdings handelt es sich dabei um eine asynchrone Übertragungsform (ursprünglich ADSL für Asymmetric Digital Subscriber Line), denn nur in Richtung zum Internet-Nutzer fließen die Daten mit dieser hohen Geschwindigkeit. In der Gegenrichtung ist die Übertragungsrate demgegenüber auf 128 Kilobit je Sekunde begrenzt.

Technisch ist sogar eine noch größere Bandbreite möglich, und ab Mitte Mai wird die Telekom in Berlin, Hamburg, München und Stuttgart das neue Produkt T-DSL 1500 mit einer Leistung von 1500 Kilobits pro Sekunde anbieten (Upload 192 Kilotbit), allerdings auch für den doppelten Preis. Doch nicht nur die Telekom vertreibt DSL-Anschlüsse, auch Wettbewerber wie Arcor oder Berlikomm (siehe Tabelle) lassen die Daten schneller laufen. Der Vergleich lohnt sich, vor allem nachdem die Telekom auf Druck der Regulierungsbehörde im Februar die T-DSL-Preise erhöhen musste.

Der unschlagbare Vorteil von DSL gegenüber anderen breitbandigen Internet-Anschlüssen liegt darin, dass ein normaler Telefonanschluss mit zweiadrigem Kupferkabel ausreicht. Nicht einmal ISDN wird benötigt, ein analoger Anschluss genügt. Voraussetzung für DSL ist, dass zwischen der Vermittlungsstelle und dem Telefonanschluss nicht mehr als vier Kilometer Kupferadern liegen dürfen. Pech hat auch, wer - wie viele Haushalte in den neuen Bundesländern - an eine Glasfaserleitung angeschlossen ist. In diesen Fällen helfen Angebote wie Sky-DSL oder T-DSL via Satellit (siehe Kasten). Über die Internet-Seite www.telekom.de/t-dsl kann ermittelt werden, ob die eigene Straße erschlossen ist. Auch die weiteren Ausbaupläne lassen sich dort ermitteln.

Neben dem reinen DSL-Anschluss wird noch ein Internet-Provider benötigt, mit dem die Online-Zeiten abgerechnet werden. T-Online, AOL, 1 & 1 und einige andere Anbieter setzen dabei auf den vorhandenen T-DSL-Anschluss auf, andere nutzen ihre eigenen Anschlüsse. Anfangs wurden DSL-Anschlüsse vor allem im Marktsegment der Vielsurfer vermarktet, die zumeist von Flatrate-Angeboten Gebrauch machten. Hierbei wird ein fester Monatsbetrag abgerechnet, der eine zeitunabhängige Nutzung erlaubt. Der Abschluss eines Flatrate-Tarifs ist jedoch weder zwingend vorgeschrieben noch in jedem Fall sinnvoll. So ist es genauso möglich, den vorhandenen, zeitabhängigen T-Online-Tarif beizubehalten. Oder einen der verschiedenen zeit- oder volumenabhängigen DSL-Tarife von Wettbewerbern wie 1 & 1 oder Tiscali zu nutzen.

Die Einrichtung des DSL-Zugangs erfordert trotz der ausführlichen und gut beschriebenen Anleitung der Telekom einigen Aufwand und ein Mindestmaß an technischem Geschick, wenn man ihn selbst einrichten will. Um das DSL-Signal von der normalen Telefonleitung zu trennen, wird zwischen die Telefondose und den ISDN-Anschluss ein so genannter Splitter geschaltet, was verhältnismäßig einfach ist. Aufwändiger ist die Installation des DSL-Modems, das bis Ende 2001 von der Telekom mitgeliefert wurde, nun aber von der Telekom oder im freien Handel erstanden werden muss.

Es werden vor allem drei verschiedene Modellarten angeboten. Bei der ersten Variante, die bis Ende 2001 den Standard darstellte, handelt es sich um ein externes DSL-Modem, das über eine Netzwerkkarte mit dem Computer verbunden wird (Telekom oder Billion). Vor allem der Einbau der Netzwerkkarte ist etwas kniffelig. Bei der zweiten Variante wird das DSL-Modem (Telekom Teledat 300 PCI und andere) direkt in den Computer als interne Karte eingebaut. Auch dies hat seine Tücken, auch wenn Geräte wie das DSL-ISDN-Kombimodem von AVM (AVM Fritz!Card DSL) in der Regel komplikationsfrei einzubauen ist. Die dritte Variante ist die einfachste. Ein externes DSL-Modem (wie MicroLink ADSL Fun USB) wird über die USB-Schnittstelle mit dem Computer verbunden, der Rechner muss also nicht extra geöffnet werden. Allerdings sind diese Bauformen mit Preisen um die 140 Euro etwas teurer als die internen Geräte.

T-DSL via Satellit

Eine DSL-Internet-Verbindung auch in Gebieten, die per Festnetz noch nicht erreicht werden oder nicht zu erschließen sind, bietet die Telekom mit "T-DSL via Satellit". Voraussetzung neben einem Telekom-Telefonanschluss als Rückkanal ist eine Astra-Satellitenanlage und eine DVB-S-Karte für den Windows-Computer. Die Übertragungskapazität beträgt 768 Kilobit pro Sekunde. In der Tarifvariante T-DSL via Satellit basic werden 500 Megabyte Download-Volumen mit 19,90 Euro monatlich berechnet, jedes weitere MB kostet fünf Cent. Ohne Volumenbegrenzung kostet T-DSL via Satellit 39,90 Euro im Monat. Die Bereitstellungsgebühr beträgt 99 Euro. Zudem fallen Provider-Gebühren an.

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