Wirtschaft : Tagesspiegel-Telefon-Aktion: Anlageziele formulieren, Risiko streuen, Geduld haben

Ich will 20 000 Mark in Aktien anlegen[welche sol]

Ich will 20 000 Mark in Aktien anlegen, welche soll ich kaufen?

Ich rate Ihnen zu Aktienfonds, denn für eine ausgewogene Streuung in verschiedene Aktien ist der Betrag zu klein. Teilen Sie den Betrag auf zwei Fonds auf, etwa einen europäischen Fonds mit Standardwerten und einen Branchenfonds wie etwa Biotechnologie, der Wachstum in der Zukunft verspricht. Sie dürfen allerdings nicht vergessen, dass Sie beim Kauf eines Investmentfonds in der Regel einen Ausgabeaufschlag in Höhe von drei bis fünf Prozent bezahlen müssen.

Warum sind europäische Aktienfonds interessant?

Ich persönlich würde auf Europa setzen. Mit einem Fonds in Euro haben Sie das Währungsrisiko ausgeschlossen. Die Banken rechnen außerdem damit, dass sich die Konjunktur im Euroraum verbessert und sich die in den USA etwas abschwächt.

Welchen Anlagehorizont sollte man mindestens haben, wenn man in Aktien oder Aktienfonds anlegen will?

Die Untergrenze liegt bei etwa fünf Jahren, zehn Jahre oder länger wäre aber besser. Je länger Sie anlegen können, desto geringer wird das Kursrisiko bei einem ausgewogenen Aktiendepot beziehungsweise Aktienfonds.

Ich bin 31 Jahre alt und habe vor, monatlich 200 Mark regelmäßig in Aktienfonds anzulegen. Mit welchem Kapital kann ich in 30 Jahren rechnen?

Das lässt sich nicht vorhersehen. Würde die Entwicklung so verlaufen wie in den vergangenen 30 Jahren, dann könnten Sie bei einer regelmäßigen Anlage von 200 Mark monatlich in deutsche Aktienfonds im Alter von 61 Jahren mit einem Kapital von etwa 600 000 Mark und mehr rechnen. Eine Garantie dafür gibt es freilich nicht.

Soll ich jetzt in Aktien einsteigen oder noch abwarten?

Wenn Sie einen längerfristigen Anlagehorizont haben, legen Sie einen Teilbetrag jetzt an. Halten Sie einen weiteren Teil kurzfristig verfügbar, um in Schwächephasen nachkaufen zu können. Den günstigsten Zeitpunkt zu erwischen, ist Glücksache, für eine erfolgreiche Aktienanlage aber auch nicht Vorraussetzung.

Im Frühjahr habe ich einen europäischen Aktienfonds gekauft. Der Kurs ist gefallen. Soll ich besser verkaufen?



Nein, haben Sie Geduld. Aktienfonds können ihre Renditevorteile oft erst über längere Zeit hinweg entfalten. Kurzfristig dagegen müssen Sie immer auch mit Kursrückschlägen rechnen. Legen Sie deshalb nur Geld in Aktienfonds an, das Sie längerfristig nicht anderweitig benötigen, damit Sie schlechte Börsenzeiten aussitzen können.

Wo steht der Dax im nächsten Jahr?

Ich bin kein Prophet. Eine gute Wirtschaftsentwicklung, günstige Gewinnaussichten und der postive Effekt der Steuerreform bieten aber gute Chancen für einen Dax von etwa 8000 Punkten im nächsten Jahr.

Private Altersvorsorge mit Aktien, ist das zu riskant?

Je jünger Sie sind, desto eher eignen sich Aktien als ein attraktiver Baustein der privaten Altersvorsorge, denn bei langfristiger Anlage fallen Kursschwankungen erfahrungsgemäß kaum ins Gewicht. Hätten Sie etwa 1987 10 000 Mark in Dax-Werte angelegt, dann wären daraus bis heute über 60 000 Mark geworden. Wichtig ist natürlich eine ausreichende Streuung.

Soll ich jetzt am Neuen Markt einsteigen?

Das ist nur etwas für Anleger mit guten Nerven. Chancen und Risiken sind bei Werten am Neuen Markt sehr hoch. Bevorzugen Sie einen Fonds, der am Neuen Markt investiert, um eine bessere Risikostruktur zu bekommen. Und legen Sie nur einen kleinen Teil Ihres Geldes in diesem speziellen Segment an.

Haben Sie einen Rat für mich, wie ich 80 000 Mark anlegen kann, ohne mich ständig darum kümmern zu müssen?

Banken bieten ihren Kunden für diese Zwecke eine Vermögensverwaltung auf Fondsbasis an. Hierbei klären Sie mit dem Bankberater im vorhinein Ihre persönlichen Anlageziele ab: Ob die Frage der Sicherheit oder der Rendite im Vordergrund steht und für welchen Zeitraum die Anlage geplant ist. Die Bank verwaltet dann das Geld für Sie, ohne dass Sie sich ständig darum kümmern müssten. Das ist sicher ein Grund, weshalb die gemanagte Fondsanalage immer interessanter wird.

Was wäre die Alternative?

Sie wählen selbst einen oder mehrere Fonds je nach ihrer Sicherheitspräferenz aus und schauen selbst, wie sich der Fonds entwickelt, ob Sie ihn behalten oder nicht. Sie können aber auch einen Dachfonds wählen: Das ist ein Fonds, der das Geld nicht direkt in Aktien oder andere Wertpapiere anlegt, sondern in andere Investmentfonds.

Die Telekom-Aktie ist ziemlich gefallen. Sollte ich Sie besser verkaufen?

Halten Sie Substanzwerte, wie beispielsweise die Deutsche Telekom, Daimler-Chrysler oder Siemens, auch wenn es einmal nicht so gut aussieht. Die Erfahrung zeigt, dass Sie sich auch wieder erholen.

Was halten Sie von Optionsscheinen?

Optionsscheine bieten hohe Chancen, aber auch hohe Risiken. Wenn Sie Pech haben, können Sie Ihren gesamten Einsatz verlieren. Solche Geschäfte sind nur etwas für Profis. Für die meisten Sparer und Anleger sind sie nicht geeignet.

Einen Teil meiner Ersparnisse habe ich in Euro-Rentenfonds angelegt. Soll ich die halten?

Wenn Sie das Geld nicht unbedingt jetzt benötigen, halten Sie die Fonds. Starke Zinssteigerungen, die sich für Rentenfonds negativ auswirken, sind nicht in Sicht.

Bei mir werden Bundesschatzbriefe im Wert von 100 000 Mark fällig. Wie lege ich neu an?

Das hängt von Ihren Anlagezielen und der geplanten Anlagedauer ab. Auch die steuerliche Situation und Ihre Risikoneigung spielen wichtige Rollen. Streuen Sie auf jeden Fall, das heißt setzen Sie nicht alles auf eine Karte. Neben einer erneuten festverzinslichen Anlage kommen eventuell für einen Teilbetrag, der längerfristig investiert werden kann, auch deutsche oder internationale Aktienfonds in Betracht.

Sind Kursgewinne von Aktienfonds steuerpflichtig?

Wenn Sie die Fonds länger als ein Jahr besitzen, sind Kursgewinne steuerfrei. Liegen zwischen Erwerb und Verkauf dagegen weniger als zwölf Monate, dann besteht für Kursgewinne steuerpflicht, sobald Sie die Freigrenze von 1000 Mark jährlich erreichen oder überschreiten.

Lohnt es sich, einen Investmentfonds zu kaufen, der in den Fonds-Ranglisten sehr gut abschneidet, aber einen hohen Einstandspreis hat?

Wenn der Fonds eine gute Rendite über einen längeren Zeitraum aufweist, vielleicht sogar über Jahrzehnte, dann kann sich der Kauf trotz eines optisch hohen Einstandspreises lohnen. Eine Garantie für die Zukunft gibt es natürlich nicht. Achten Sie deshalb unbedingt auf eine gesunde Mischung Ihrer Anlagen.

Ich habe einen US-Pioneer-Fonds im Depot. Bekannte raten mir, ihn zu verkaufen, da der starke US-Dollar bald fallen könnte.

Bei einer Fremdwährung besteht immer ein Wechselkursrisiko. Deshalb müssen Sie aber nicht gleich Ihren Fonds verkaufen, wenn Sie mit dem Fonds an sich zufrieden sind. Auch das Risiko auf einen fallenden US-Dollar lässt sich absichern. Sie könnten beispielsweise ein so genanntes Euro/US-Doller-Zertifikat kaufen.

Die Fragen der Tagesspigel-Leser-Aktion beantworteten Kerstin Altendorf vom Bundesverband Deutscher Banken, Helmut Bellstedt von der Commerzbank in Berlin, Christian Müller von der Dresdner Bank in Berlin und Torsten Sonntag von der Deutschen Bank24 in Berlin.

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