Wirtschaft : Tagesspiegel-Telefon-Aktion: "Ein Hundert-Mark-Schein wird nie wertlos"

Sind Banken,Sparkassen geöffnet[wenn zum]

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Der Euro kommt - Infos zur Währungsumstellung "Der Countdown läuft- Der Euro kommt". Bis zur Euroeinführung am 1.1.2002 sind es nur noch 66 Tage. Bis zum Jahreswechsel beleuchtet der Tagesspiegel jeweils am Sonnabend mit Berichten, Reportagen, Interviews und Standpunkten die verschiedenen Aspekte des neuen Geldes. Dieses Mal haben wir einige Fragen unserer Leser zusammengestellt:

Sind Banken und Sparkassen geöffnet, wenn zum 1. Januar 2002 der Euro kommt?

Das liegt im Ermessen der einzelnen Institute. Viele wollen zumindest ihre Hauptgeschäftsstellen öffnen.

Ist zum Jahresanfang der große Ansturm zu erwarten?

Das weiß niemand genau, wenn Sie allerdings lange Warteschlangen vermeiden wollen, dann geben Sie ihre restlichen D-Mark-Scheine und Münzen am besten bis zum Jahresende aus oder zahlen Sie Ihr Geld möglichst früh auf ihr Konto ein. Euro-Bargeld bekommen Sie Anfang Januar auch an den EC-Automaten.

Kann ich denn im Januar noch mit D-Mark bezahlen?

Die Übergangsfrist endet erst am 28. Februar. Die Verkäufer werden Ihnen im Regelfall das Wechselgeld in Euro geben. Mit der Zeit können Sie also auch so ihre letzen D-Mark-Scheine los werden.

Was passiert, wenn ich in fünf Jahren noch einen 100-Mark-Schein finde? Ist er dann wertlos?

Nein. Ein 100-Mark-Schein wird nie wertlos. Auch nach Jahren können Sie ihn noch bei der Bundesbank oder einer Landeszentralbank eintauschen. Geschäftsbanken müssen das Geld nach dem 28. Februar aber nicht mehr entgegennehmen.

Woran erkenne ich, ob ein Euro-Geldschein echt ist?

Das einfache Motto lautet: Tasten, Sehen, Kippen! Man kann die Echtheit der Scheine fühlen, da sie aus reinem Baumwollpapier sind. Hält man den Schein gegen das Licht, erscheint ein Wasserzeichen mit Architekturmotiven und ein Sicherheitsfaden. Zudem haben die Fünf-, Zehn- und 20-Euro-Scheine einen speziellen Folienstreifen, der beim Kippen, also beim Hin- und Herbewegen des Scheins, auf Grund des unterschiedlichen Lichteinfalls die Farbe wechselt. Ab dem 50-Euro-Schein erscheint stattdessen ein Hologramm.

Beim Einkaufen fällt mir in letzter Zeit auf, dass besonders die Lebensmittelpreise steigen. Hat das mit der bevorstehenden Einführung des Euro zu tun?

Das hat nichts mit dem Euro zu tun. Es ist wohl eher so, dass manche Lebensmittelketten ihre Preise erhöht haben, weil sie schon seit Jahren mit geringen Margen arbeiten müssen. Tatsache ist aber auch, dass der Handel bei sehr gängigen Produkten versuchen wird, attraktive Euro-Preise festzulegen. Was vorher 1,99 Mark gekostet hat, müsste eigentlich 1,02 Euro kosten. 99 Cent hört sich da schon besser an. Hier wird der Handel also abrunden. Um wieder auf seine Kosten zu kommen, muss er bei anderen Produkten dann aber auch aufrunden. Der Wettbewerb wird aber sicherlich dafür sorgen, dass die Preise nicht auf breiter Front steigen.

Was ist eigentlich ein Starter-Kit, und was beinhaltet es?

Das Starter-Kit ist nichts anders als eine Euro-Münzsammlung, die vom 17. Dezember an bei Banken und Sparkassen erhältlich ist. So sollen sich die Bürgerinnen und Bürger schon vor der Euro-Einführung mit dem Bargeld vertraut machen können. Enthalten sind in dem Starter-Kit 21 Münzen im Wert von 20 Mark: zwei Münzen zu je zwei Euro, drei Münzen zu je 1 Euro, vier 50-Cent-Münzen, drei 20-Cent-Münzen, zwei 5-Cent-Münzen, eine 2-Cent-Münzen und eine 1-Cent-Münze.

Darf mir meine Bank auch mehrere Starter-Kits geben?

An sich ist die Anzahl unbegrenzt. Da es aber insgesamt nur 53,5 Millionen Starter-Kits gibt, reicht es theoretisch nicht für jeden Bundesbürger. Im Klartext heißt das. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Ich bin 97 Jahre alt und habe mein Sparbuch verlegt, was soll ich jetzt machen, wenn der Euro kommt?

Das ist nicht weiter tragisch. Benachrichtigen Sie aber ihre Bank. Diese wird in jedem Fall ihr Sparguthaben in Euro umstellen. Sollten Sie das Sparbuch nicht mehr finden, wird Ihnen ein neues ausgestellt.

Ich habe eine Hypothek über 37 000 Mark. Ändert sich daran etwas, wenn der Euro kommt?

Nein, durch das Euro-Bargeld ändert sich nichts. Der Hypothekenvertrag wird zum 1. Januar 2002 mit dem Umrechnungskurs von 1,95583 Mark auf den Euro umgestellt. Vereinbarte Zinssätze, Laufzeiten und alle anderen Vertragsregelungen bleiben aber unverändert.

Kann ich auch nach dem 1. Januar 2002 noch meine alten Überweisungsformulare nutzen?

Das können Sie. Ab dem 1. Januar 2002 müssen Sie den Betrag allerdings in Euro ausstellen. Beim bargeldlosen Zahlungsverkehr gibt es keine Übergangsfrist.

Soweit ich weiß, haben alle Euro-Länder eigene Münzen? Kann ich dann auch mit spanischen Euro-Münzen in Deutschland bezahlen?

Selbstverständlich. Die Euro-Münzen und die Euro-Scheine gelten in allen zwölf Euro-Ländern, auch wenn die Münzen nationale Rückseiten haben.

Ich habe erfahren, dass neben den zwölf Euro-Ländern auch drei europäische Kleinstaaten eigene Euro-Münzen herausgeben. Ist das wahr?

Ja das stimmt! Neben den offiziellen Euro-Ländern geben die Vatikanstadt, Monaco und San Remo eigene Euro-Münzen heraus. Andorra als weiterem Kleinstaat ist es jedoch nicht erlaubt, eigene Münzen zu prägen.

Gilt in den anderen Euro-Ländern die gleiche Übergangsfrist wie in Deutschland?

In neun von zwölf Ländern ja. Nur in Frankreich, den Niederlanden und Irland endet die Frist früher! In den Niederlanden ist am 28. Januar, in Irland am 9. Februar und in Frankreich am 17. Februar der Euro das alleinige Zahlungsmittel.

Akzeptieren auch Wechselstuben und Banken in Übersee bis zum 28. Februar die Deutsche Mark?

Ab dem 1. Januar ist die D-Mark kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr, es muss sie also niemand mehr im Ausland annehmen. Vielleicht gibt es aber noch einige Banken, die aus Kulanz die Mark umtauschen. Aber das muss nicht sein! Wenn Sie wegfahren, sollten Sie Euro-Bargeld, Euro-Travellerschecks und eine Kreditkarte mitnehmen.

Ich fahre am 6. Januar nach Cran Canaria. Brauche ich eine neue EC-Karte?

Nein, Sie können mit ihrer EC-Karte weiterhin Geld am Automaten abheben oder mit ihr bezahlen.

Was mache ich mit unverbrauchten D-Mark-Travellerschecks?

Sie sollten sie entweder vor dem Jahreswechsel ausgeben oder bei der Bank umtauschen. Für einen Urlaub im kommenden Jahr decken Sie sich besser mit Euro-Travellerschecks ein, da die D-Mark-Travellerschecks dann nicht mehr gelten.

Bei mir zu Hause liegen noch etliche ausländische Münzen und Geldscheine. Was kann ich mit denen machen?

Bei den Geschäftsbanken können sie die Scheine bis zum Jahresende gegen Gebühren umtauschen. Wenn Sie kostenlos wechseln wollen, können Sie dies bei der Landeszentralbank bis zum 31. März. Später können Sie das Geld nur noch bei den Zentralbanken der jeweiligen Länder tauschen. Ausländische Münzen nehmen Geschäfts- und Landesbanken nicht an. Nur eine Ausnahme gibt es: Die Reisebank AG. Ihre Filialen sind meist an Flughäfen und Bahnhöfen. Allerdings nimmt sie Umtauschgebühren von 30 Prozent. Sie können Ihre restlichen ausländischen Münzen aber auch Hilfsorganisationen spenden. Sie haben beispielsweise in Apotheken Spendenkassen aufgestellt.

Ich habe noch alte D-Mark Gedenk-Münzen, verlieren die jetzt an Wert?

Die Münzen bleiben unbegrenzt gültig. Sie können nur nicht mehr mit ihnen bezahlen. Sie sollten jetzt in Ruhe abwarten, ob der Sammlerwert steigt. Wenn nicht, können Sie die Münzen zum Nennwert bei der Landeszentralbank zurückgeben. In Berlin wäre das die Filiale der LZB in der Kurstraße 40.

Wie lange sind denn D-Mark-Briefmarken gültig?

Alle Briefmarken, auf denen ein Pfennig-Betrag gedruckt ist, sind nur bis zum 30. Juni 2002 gültig. Danach können sie noch drei Monate in allen Postfilialen getauscht werden. Sie dürfen allerdings nicht den Wert von 50 Mark übersteigen. Die Briefmarken, auf denen ein Euro- und ein D-Mark-Betrag aufgedruckt sind, bleiben unbegrenzt gültig.

Und ab nächstem Jahr gibt es dann reine Euro-Briefmarken. Der Standardbrief kostet dann 0,56 Euro statt wie bisher 1,10 Mark.

Passen die neuen Geldscheine denn überhaupt in den Geldbeutel?

Ein Problem dürften Sie nur mit dem 500-Euro-Schein bekommen. Der ist 16 Zentimeter lang und 8,2 Zentimeter hoch. Die kleineren Scheine passen aber auf jeden Fall in Ihr Portemonnaie.

Darf der Vermieter mit der Euro-Einführung die Miete erhöhen?

Nein. Der Mietvertrag - wie jeder andere Vertrag auch - darf wegen der Euroeinführung nicht geändert werden. Die Miete muss zum Jahresanfang zum festgelegten Umtauschkurs von 1,95583 Mark umgerechnet werden. Wer bisher 750 Mark Miete bezahlt, zahlt künftig ganz einfach 383,47 Euro. Dabei darf der Vermieter kaufmännisch runden. Eine Miete von 400 Euro wäre aber unzulässig. Wenn Sie bisher ihre Miete per Dauerauftrag bezahlen, wird die Bank die Miete automatisch in Euro umrechnen.

Wie muss ich meine Steuererklärung für 2001 machen?

Ihre Steuererklärung für 2001 müssen Sie noch in D-Mark abgeben. Das Finanzamt schreibt in den Steuerbescheid dann beide Beträge. Wird Ihnen ein Teil der Steuer erstattet oder müssen Sie etwas nachzahlen, geschieht dies nur noch in Euro.

Ich habe einen kleinen Laden, bin aber noch nicht dazu gekommen, mich um genügend Euro-Wechselgeld zu kümmern.

Dann sollten Sie sich schleunigst mit Ihrer Hausbank in Verbindung setzen und ihr mitteilen, wieviel Wechselgeld Sie wann brauchen. Noch entscheidender ist aber, dass Sie ihre EDV rechtzeitig auf Euro umstellen. Denn ab dem 1. Januar 2002 müssen Sie den ganzen bargeldlosen Zahlungsverkehr in Euro abwickeln.


Das Wichtigste zur Währungsumstellung

Das Euro-Bargeld wird zum 1. 1. 2001 eingeführt.

Der Euro gilt in Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien.

Der Umrechnungskurs beträgt: 1 Euro = 1,95583 Mark.

In einer Übergangszeit bis zum 28.Februar kann mit Euro und mit Mark bezahlen werden.

Im bargeldlosen Zahlungsverkehr gilt ab 1.1.2001 nur noch der Euro.

Nach dem 28. Februar 2002 werden D-Mark-Münzen und Geldscheine nur noch in den Landeszentralbanken und ihren Zweigstellen umgetauscht.

Verträge müssen durch die Euro-Einführung nicht neu verhandelt werden. Dies gilt für Kreditverträge genauso wie für Mietverträge oder Lebensversicherungen. Zinsen oder Ablaufzeiten bleiben bestehen. Nur D-Mark-Beträge werden in Euro umgerechnet.

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