Wirtschaft : TAGESSPIEGEL-TELEFONAKTION: DER EURO KOMMT - WAS NUN?

"Muß ich jetzt meine Anlage-Strategie ändern?" Ihre Fragen zum Thema Euro: Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Tafelgeschäfte und Lebensversicherungen / Lohnt die Flucht in Pfund oder Franken?Die Weichen für den Euro sind gestellt.Und was nun? Auf welche Veränderungen müssen sich Verbraucher und Anleger einstellen, wo schlummern Chancen, wo lauern Gefahren? Mit unserer jüngsten Telefonaktion wollten wir Ihnen erneut Gelegenheit geben, sich persönlich zu informieren.Welche Fragen Hans-Georg Gerstenlauer (Leiter der Berliner Vertretung der EU-Kommission), Volker Pietsch (Verbraucher-Zentrale Berlin), Eckhard Markmann (Europabeauftragter der DG Bank), Marcus Vitt (Leiter der GKB Treasury & Trading) und Thomas P.-Waterstradt (stellvertretender Leiter der DKH-Wertpapierabteilung) von Ihnen, den Tagesspiegel-Lesern, gestellt bekamen, lesen Sie hier FRAGE: Ich habe dänische Anleihen.Soll ich die jetzt verkaufen? ANTWORT: Dänemark wird beim Start des Euro auf eigenen Wunsch nicht dabei sein, aber wie Großbritannien, Schweden und Griechenland später zum Kreis der Euro-Länder dazustoßen.Die Kursentwicklung Ihrer Anleihen wird von mehreren Faktoren bestimmt.Wenn die Euro-Länder von den internationalen Rating-Agenturen positiv bewertet werden, drückt das den Kurs der dänischen Wertpapiere.Hinzu kommt ein erhebliches Währungsrisiko, das Sie mit Ihren Fremdwährungsanleihen tragen.Unserer Einschätzung nach ist die Krone stark abwertungsverdächtig.Ein Engagement in dänischen Kronen-Anleihen ist daher mit Vorsicht zu genießen. FRAGE: Muß ich um mein Sparguthaben fürchten? ANTWORT: Nein.Die Einführung des Euro schmälert den Wert Ihres Ersparten nicht.Zwar haben Sie dann statt 200 000 DM nur noch rund 100 000 Euro (aus Vereinfachungsgründen wird in dem Beispiel ein Wechselkurs von 1 : 2 angenommen) auf der hohen Kante, aber auch alle anderen Güter, Waren und Preise halbieren sich.Anders als bei der Währungsreform nach dem Krieg ändert sich an der Kaufkraft Ihres Geldes also nichts.Wenn Sie als Läufer eine bestimmte Strecke zurücklegen wollen, ist es doch auch egal, ob diese in Meilen oder Kilometern ausgewiesen ist. FRAGE: Muß man jetzt wieder mit einer Spekulationswelle rechnen wie Anfang der neunziger Jahre im Europäischen Währungssystem? ANTWORT: Nein.Seit dem vergangenen Sonntag sind die bilateralen Wechselkurse der Euro-Länder festgeschrieben.Aber auch ohne diese Sicherung gäbe es keinen Anlaß zu Besorgnis.Denn die Märkte haben sich schon seit längerer Zeit auf diese Kurse eingestellt.Die Leitkurse und die Marktkurse haben sich weitestgehend angenähert. FRAGE: Wann stehen die Wechselkurse endgültig fest? ANTWORT: Seit dem Brüsseler Euro-Gipfel sind die bilateralen Wechselkurse der Euro-Länder fixiert.Am 31.Dezember 1998 werden dann noch die Wechselkurse zwischen dem Euro und den Drittwährungen wie Dollar, Pfund oder Franken festgelegt.Das ist Aufgabe der Europäischen Zentralbank. FRAGE: Warum sind die Amtszeiten im Direktorium der Europäischen Zentralbank so unterschiedlich? ANTWORT: Eine gute Frage.Denn eigentlich ist im Maastricht-Vertrag eine einheitliche Amtszeit von acht Jahren vorgesehen.Auf dem Brüsseler Gipfel wurde jetzt aber eine Staffelung der Amtszeiten zwischen vier und acht Jahren vereinbart.Das hat den Vorteil, daß nicht alle Mitglieder zur selben Zeit ausscheiden. FRAGE: Soll ich in Pfund Sterling oder Schweizer Franken investieren? ANTWORT: Wir raten ab.Unserer Prognose nach wird das Pfund in der nächsten Zeit weiter nachgeben.In zwei Jahren sehen wir die britische Währung bei einem Kurs von 2,60 DM, zudem erwarten wir sinkende Zinsen.Auch ein Engagement in Franken-Anleihen ist kritisch.Zehn-Jahres-Papiere bringen derzeit eine Nominalverzinsung von 3,65 Prozent im Jahr.Das ist mehr als mickerig.Wenn Sie schon in Fremdwährungen gehen, dann sollten Sie davon zumindest einen Zinsvorteil haben.Zudem erwarten wir auch beim Franken sinkende Kurse. FRAGE: Ich habe 200 000 DM auf einem Bonus-Sparbuch, das mit rund 5 Prozent verzinst wird.Weitere 300 000 DM stecken in Aktien, davon 100 000 DM in Fonds.Muß ich mit Blick auf den Euro an dieser Mischung etwas ändern? ANTWORT: Nein, Sie haben eine gute Mischung aus festverzinslichen und Aktienanlagen.Freuen Sie sich über Ihre Sparbuch-Verzinsung! Ein solches Angebot, das vor fünf, sechs Jahren noch zu haben war, bekommen Sie heute nicht wieder. FRAGE: Welche Aktien sollte man im Depot haben? ANTWORT: Wir empfehlen Allianz, BASF, Schering, Lufthansa, Mannesmann und wegen der absehbaren Auftragsflut im Zuge der Euro-Umstellung in den Unternehmen auch - trotz ihres jetzt schon recht hohen Preises - SAP Vorzüge.Außerdem sollten Sie unbedingt einen Bankentitel - Dresdner, Commerzbank oder Deutsche Bank - in Ihrem Portefeuille haben.Konsumtitel und Versorger können Sie dagegen vernachlässigen. FRAGE: Und auf europäischer Ebene? ANTWORT: Interessant sind aus unserer Sicht ABN Amro, Novartis, Royal Dutch Shell und France Telecom. FRAGE: Welche Regeln gibt es für den richtigen Anlagemix? Ändert sich daran etwas durch den Euro? ANTWORT: Grundsätzlich gilt: Lassen Sie sich individuell beraten.Wichtig sind Ihre Anlageziele, Ihr verfügbares Einkommen, die Liquidität sowie Ihr Anlagebestand.Lassen Sie sich nicht verunsichern: Durch den Euro ändert sich an Ihrer Strategie nichts. FRAGE: Was raten Sie risikofreudigen Anlegern? ANTWORT: Anleger, die ihr Geld mittelfristig, risikofreudig anlegen wollen, sollten 30 Prozent des Kapitals in festverzinsliche Wertpapiere (am besten Genußscheine) und 70 Prozent in Aktien stecken.Von diesen 70 Prozent sollten 60 Prozent auf Europa, 20 Prozent auf Osteuropa und jeweils 10 Prozent auf Asien und die aufstrebenden Emerging Markets (Indonesien, Mexiko, Brasilien, Indien) verteilt werden. FRAGE: Ich habe Anleihen, die nächstes Jahr fällig werden.Bekomme ich mein Geld dann in Euro oder D-Mark ausgezahlt? ANTWORT: Die Börsen stellen schon am ersten Handelstag 1999 auf Euro um.Das heißt: Aktien und festverzinsliche Wertpapiere werden dann in Euro gehandelt.Auf Ihrem Depotauszug werden Sie daher schon im nächsten Jahr neben dem D-Mark-Kurs auch den Euro-Kurs ablesen können.Was die Zinszahlungen und die Rückzahlung Ihres Geldes angeht, gilt folgendes: Der Anleger kann ab 1.Januar 1999 entscheiden, ob er die Gutschrift (unbar) in D-Mark oder Euro erhalten möchte, Auszahlungen in Euro sind erst ab 1.Januar 2002 möglich. FRAGE: Was wird aus meinen Tafelpapieren? ANTWORT: Auch bei den Tafelpapieren gilt: Die Vertragskonditionen bleiben gleich.Am Zins ändert sich nichts.Auch für den Umtausch Ihres Tafelpapieres gibt es keine Besonderheiten - umgerechnet wird nach dem Euro-Wechselkurs. FRAGE: Soll ich meine Lebensversicherung kündigen? ANTWORT: Nein.Wenn Sie Ihre Lebensversicherung innerhalb der ersten 12 Jahre kündigen, setzen Sie Ihre Steuervorteile aufs Spiel.Außerdem sind die Rückkaufwerte gerade in den ersten Jahren ausgesprochen niedrig.Für eine Kündigung gibt es mit Blick auf den Euro auch gar keinen Grund.An den Verträgen ändert sich nichts.Nur: Wird die Versicherung im Jahr 2002 oder später fällig, erfolgt die Auszahlung in Euro. FRAGE: Warum hat man nicht den Ecu behalten? ANTWORT: Der Ecu (European Currency Unit) ist die Korbwährung der Länder, die dem Europäischen Währungssystem (EWS) angehören.Es handelt sich um eine Kunstwährung, um reines Buchgeld.Der Euro ist dagegen eine echte Währung wie der Dollar und der Yen.Man kann ihn auf- und abwerten und ab dem Jahr 2002 auch im Laden damit bezahlen.Euro und Ecu sind also zwei unterschiedliche Dinge. Fragen und Antworten wurden zusammengestellt von Heike Jahberg und Friederike Storz.Die Telefonaktion "Euro" wurde gemeinsam mit der GrundkreditBank eG-Köpenicker Bank (GKB) veranstaltet.Falls Sie noch weitere Fragen zur europäischen Gemeinschaftswährung haben, können Sie diese bei der GKB unter den Telefonnummern 030 / 2698-1403, -1404, -1405, ---1406 stellen.

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