Wirtschaft : Talente ohne Ende

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Henning Kagermann hat Indien schon früh entdeckt. Vor sieben Jahren eröffnete der Chef des Softwarekonzerns SAP sein erstes Forschungszentrum in Bangalore, jetzt arbeiten bereits 1800 indische Entwickler für die Walldorfer, bis Ende kommenden Jahres will der Konzern noch einmal 1900 Softwareexperten in Indien einstellen. Damit rückt Bangalore zum zweitgrößten SAPEntwicklungszentrum außerhalb Deutschlands auf. „Wir finden dort die gut ausgebildeten Talente, die wir brauchen“, sagt ein Sprecher. Er legt aber Wert auf die Feststellung, dass SAP weltweit Mitarbeiter einstellt – auch in Deutschland.

Die Vorteile Indiens haben auch andere deutsche Technologieunternehmen erkannt – von Infineon über Siemens bis zur Hamburger Digisound. Neben dem großen Reservoir an englischsprachigen Fachkräften und niedrigen Lohnkosten lockt auch der anerkannte Schutz des geistigen Eigentums deutsche Firmen ins Land. Und in Bangalore sind die Computerspezialisten von SISL (Siemens Information Systems) wegen der Zeitverschiebung am nächsten Tag viereinhalb Stunden früher am Schreibtisch und haben das Problem schon gelöst, wenn die deutschen Kollegen noch den Frühstückkaffee trinken.

Der indische Branchenverband Nasscom und McKinsey erwarten, dass die IT-Branche und IT-nahe Dienstleistungen zusammen bis 2008 vier Millionen Inder beschäftigen – nach 900 000 im vergangenen Jahr – und bis zu 65 Milliarden Dollar durch Exporte verdienen werden. 2004 waren es noch 17 Milliarden Dollar.

Dadurch müssen aber nicht zwangsläufig Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen, wie eine Studie des IT-Branchenverbandes Bitcom und der Deutschen Bank ergeben hat. Die durch die Verlagerung ins Ausland erzielten Einsparungen ermöglichten es Unternehmen, ihre Produkte und Leistungen günstiger anzubieten und Marktanteile zu gewinnen, heißt es darin. Zwei Drittel der befragten Firmen wollen in den nächsten fünf Jahren hier Mitarbeiter einstellen oder die Zahl stabil halten. pet

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