Wirtschaft : Talfahrt des Euro: "Amerika ist unser Problem"

Der Euro fällt. Wie weit geht es noch bergab?

Peter Bofinger ist Professor für Geldpolitik und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg.



Der Euro fällt. Wie weit geht es noch bergab?

Schwer zu sagen. Die Mark war im Verhältnis zum US-Dollar auch schon einmal nur 56 Cent wert.

Können Sie sich den Abwärtstrend rational überhaupt noch erklären?

So rational, wie ich mir die Entwicklung am Neuen Markt erklären kann.

Das heißt die Märkte sind absolut irrational?

Sagen wir, sie reagieren zeitweise absolut einseitig. Beim Euro nehmen sie nur die schlechten Nachrichten zur Kenntnis.

Inwieweit sind Europas Währungshüter am schwachen Euro schuld?

Die Europäische Zentralbank hat schon lange ein Problem mit ihrem Marketing und ihrer Kommunikationspolitik. Sie müsste ihre eigene Geldpolitik offensiver verkaufen und andere Akzente setzen. Die Geldmengenentwicklung hat ein zu großes Gewicht. Stattdessen sollte die EZB auf die günstigen Tarifabschlüsse verweisen und die niedrigen langfristigen Zinssätze. Beides spricht für Vertrauen gegenüber der Geldwertstabilität. Im Übrigen ist die Euro-Abwertung nicht größer als wir es schon früher bei anderen etablierten Währungen gesehen haben.

Reden die Amerikaner den Euro runter?

Nein, aber sie sollten sich stärker für eine globale Währungsstabilität einsetzen. Auch im Wahlkampf muss das Weiße Haus darauf achten, dass es den Unternehmern im Lande gut geht. Ein schwacher Euro erschwert den Amerikanern das Exportgeschäft.

Was muss geschehen, damit der Trend dreht?

Die Amerikaner müssen realisieren, dass ein schwacher Euro nicht in ihrem Interesse ist. Das Leistungsbilanzdefizit wächst, das kostet.

Muss es der US-Wirtschaft erst richtig schlecht gehen, bevor der Euro profitiert?

Das ist wohl so. Amerika ist unser Problem.

Was können Europas Regierungen und Tarifpolitiker zur Stabilisierung unternehmen?

Wenig, das Umfeld ist exzellent. Die Schwierigkeiten liegen vielmehr im System. Stimmungen bestimmen die Wechselkurse und nicht realwirtschaftliche Faktoren.

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