Wirtschaft : Talfahrt des Euro: Die Spekulanten wittern Morgenluft

Daniel Rhee-Piening

Der Sturz des Euro ist nicht mehr aufzuhalten. Am Mittwoch war die europäische Gemeinschaftswährung gerade noch 83 amerikanische Cents wert. Das ist ein neues historisches Tief. Nichts deutete auf eine Trendwende vor den US-Wahlen. Vermutlich wäre der Euro bereits viel früher abgerutscht, wäre da nicht die überraschende Intervention der Notenbanken Mitte September gewesen. Die Akteure an den internationalen Währungsmärkten sehen in Europa kein wirkliches Wachstumspotenzial. Für sie überwiegen die negativen Nachrichten vom Reformstau und der Uneinigkeit, und sie schenken den Reden der europäischen Politiker wenig Glauben. Die jüngst nach unten korrigierten Wachstumszahlen für das wichtigste Euroland Deutschland scheinen ihre Befürchtungen noch zu bestärken: Europa wird nicht so schnell zu den Vereinigten Staaten aufschließen, selbst dann nicht, wenn es dort zu einer langsamen Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivitäten kommt. Es war die Furcht vor weiteren Stützungskäufen der Währungshüter, welche die Devisenhändler bisher davon abhielt, gegen den Euro zu spekulieren. Doch wie lange lähmt Angst? Zunächst schwächten die - vorsichtig gesprochen - unglücklichen Äußerungen von Wim Duisenberg die europäische Gemeinschaftswährung. Denn der EZB-Chef hatte angesichts der Nahostkrise Interventionen fast ausgeschlossen. Nun hat auch Larry Summers, der US-Finanzminister, Entwarnung gegeben. Amerika sei an einem starken Dollar interessiert, sagte Summers. Das ermutigt die Spekulanten. Wer rechnet noch mit einer Intervention an der sich die US-Notenbank beteiligt? Eine Intervention ist aber - wenn überhaupt - nur wirkungsvoll, wenn sie zwischen den wichtigsten Notenbanken der Welt koordiniert wird. Mit den Lippenbekenntnissen der europäischen Politiker lässt sich der Kurs nicht heilen.

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