Wirtschaft : Talfahrt des Euro: Kein Grund zur Panik im Euroraum (Kommentar)

Martina Ohm

Mehrfach haben Europas Währungshüter in jüngster Zeit unter Beweis gestellt, dass sie über Fingerspitzengefühl verfügen. Frühzeitig und mit Bedacht reagierten sie auf die höheren Energiepreise und den stärkeren US-Dollar. Gegenwärtig kann der Euroraum mit relativ eindrucksvollen Wachstumsraten glänzen - trotz höherer Zinsen. Insoweit scheint alles in Ordnung. Einen Erfolg auf ganzer Linie gibt es indes nicht. Denn der Euro spielt nicht mit. Das Verlierer-Image der Einheitswährung versetzt manche in Panikstimmung, und nicht wenige suchen die Schuld bei den Notenbankern. Inzwischen kostet der Dollar mehr als 2,20 Mark, was nicht nur die USA-Urlauber ärgert. Vor allem Ölimporteure und Verbraucher stöhnen über die Rechnungen. Zwar schlagen die höheren Importpreise nicht vollständig und sofort auf den entscheidenden Preisindex im Euroraum durch. Doch für die Währungshüter wird die Lage nicht einfacher. Der Druck wächst, mit noch höheren Zinsen gegenzuhalten. Das könnte den Preisen Halt geben - und vielleicht auch dem Euro; für die Konjunktur indes wird die Gefahr immer größer. Das ist das Dilemma unserer Notenbanker, die aber für den schwachen Euro nicht verantwortlich sind. Vielmehr misstraut der Markt der europäischen Politik, von den Finanz- und Wirtschaftspolitikern werden weitergehende Reformen erwartet. Alles in allem jedoch gibt es keinen Grund zur Panik. Bislang überwiegen die Vorteile der Euroschwäche. Selbst mit Inflationsraten über zwei Prozent kann Europa gut zurechtkommen. Wie laut aber wäre umgekehrt das Gejammer, wenn ein starker Euro die Exporte und damit das Wachstum beeinträchtigte? Man kann Altkanzler Schmidt nur zustimmen: mehr Gelassenheit!

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