Wirtschaft : Talsohle bei Hypothekenzinsen erreicht

FRANKFURT (MAIN) (ro).Bei den Hypothekenzinsen ist allmählich die Talsohle erreicht.Angesichts des derzeitigen "Tiefstniveaus" von durchschnittlichen Effektiv-Zinssätzen von 5,1 Prozent für Zehn-Jahres-Hypotheken rät Karsten von Köller, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Hypothekenbanken, potentiellen Bauherren die Finanzierung so langfristig wie möglich zu gestalten.

Von Köller schätzt die Risiken für steigende Zinsen derzeit höher ein als die Chancen für sinkende Sätze.Hauptgrund: Die Konjunktur in den USA und die damit verbundene Erwartung einer strafferen Geldpolitik.Seit Jahresanfang hat sich die Umlaufrendite für Bankschuldverschreibungen, wichtigster Gradmesser für Hypothekendarlehen, von dem Rekordtief von 3,4 Prozent für fünf Jahre und 3,8 Prozent für zehn Jahre auf 3,6 Prozent und knapp 4,4 Prozent erhöht.1998 haben die gesunkenen Zinsen - die Sätze rutschten bei zehn Jahren von 6,25 auf 5,05 Prozent - und die gesunkenen Immobilienpreise den privaten deutschen Hypothekenbanken einen Zuwachs im Neugeschäft um gut 19 Prozent auf 116,5 Mrd.DM beschert, sagte von Köller auf der Jahrespressekonferenz des VDH in Frankfurt.Insgesamt sagten die Institute neue Mittel in Höhe von knapp 398 Mrd.DM zu - ein neuer Rekord.Von den Zusagen im Hypothekenbereich entfielen 77,7 Mrd.DM auf die Wohnungsfinanzierung (plus 22 Prozent) und knapp 39 Mrd.DM auf gewerbliche Beleihungen (plus 58 Prozent).

Der Disput um die vorzeitige Ablösung von Hypothekendarlehen mit den Verbraucherverbänden ist nach Angaben des VDH beigelegt.Man habe sich darauf geeinigt, daß die Bank die Kosten für vorzeitig gekündigte Darlehen geltend machen kann.Gleichwohl gingen 1998 bei den Ombudsmännern der deutschen Banken 249 Beschwerden von Kunden ein, vor allen wegen überhöhter Vorfälligkeitsentschädigungen.56 wurden im Sinne der Kunden entschieden.Der VDH betrachtet die Zahl der Beschwerden im Vergleich zur Gesamtzahl der Kunden als gering.

Angesichts des schärferen Wettbewerbs plädiert der VDH für Gesetzesänderungen.Sie sollen den Hypothekenbankern ermöglichen, Dienstleistungen rund um die Immobilie anzubieten.Allerdings wollen die Institute nach Angaben von Köllers dabei nicht in das Projektgeschäft einsteigen, sondern nur in die Finanzierung.Daneben streben sie die Ausweitung des Kreditgeschäft auch auf außereuropäische OECD-Staaten an.

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