Wirtschaft : Tanken wird billiger

Weniger Nachfrage aus den USA und höhere Ölförderung lassen die Preise in Deutschland fallen

Bernd Hops

Berlin - Die Chancen auf sinkende Preise an den Tankstellen vor der Feriensaison stehen gut. Nach Branchenschätzungen könnte ein Liter Super sogar bald weniger als 1,10 Euro kosten – wie zuletzt im Februar. „Die Lage auf dem Markt für Öl und Endprodukte in Rotterdam hat sich entspannt“, sagte Barbara Meyer-Bukow, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV), am Donnerstag dem Tagesspiegel. Davon profitieren die Autofahrer.

Shell-Sprecher Rainer Winzenried sagte: „Wenn wir billiger einkaufen, dann können wir auch billiger verkaufen.“ Mitte Mai lag der Preis für einen Liter Super auf dem Rekordniveau von rund 1,22 Euro. Mittlerweile allerdings kostet der Treibstoff laut Esso und Shell im Schnitt weniger als 1,16 Euro.

Wichtigster Grund für die sinkenden Preise ist die geringere Nachfrage aus den USA nach europäischem Benzin. Seit einigen Jahren treiben amerikanische Einkäufer jeweils im Frühjahr, dem Beginn der US-Fahrsaison, die Notierungen für Treibstoffe in Rotterdam. Denn die US-Raffinerien kommen im Gegensatz zu den europäischen mit der Umstellung von der Winter- auf die Sommerproduktion nicht schnell genug nach. Durch die zusätzliche Nachfrage hat sich in Rotterdam Superbenzin deutlich stärker verteuert als Rohöl (siehe Grafik). Doch in den vergangenen Wochen ist der Preis für eine Tonne Super drastisch gefallen, von 470 Dollar Mitte Mai auf zuletzt 385 Dollar (minus 18,1 Prozent).

„Es wird sicher noch etwas runtergehen“, sagte Helmut Buchmann, Marktspezialist vom Fachdienst Oil Market Report (OMR). „Es gibt weniger Bestellungen aus den USA.“ MWV-Sprecherin Meyer-Bukow sieht das genauso: „Für dieses Jahr ist das Thema USA abgehakt.“ In Rotterdam befinde man sich „auf dem Weg zum normalen Niveau“ von 310 bis 360 Dollar je Tonne Superbenzin.

Die weitere Entwicklung des Ölpreises könnte aber die Hoffnung auf sinkende Benzinpreise zunichte machen. Die Internationale Energie-Agentur korrigierte ihre Schätzung für den weltweiten Ölbedarf am Donnerstag erneut nach oben, verwies aber gleichzeitig darauf, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ihre Förderung ausgeweitet habe. OMR-Experte Buchmann warnte, dass der Ölpreis anziehen würde, falls es wieder Anschläge wie im saudi-arabischen Al Chobar Ende Mai gebe.

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