Wirtschaft : Tankstellenmarkt: Aral macht BP zum deutschen Marktführer

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Die Konzentration auf dem deutschen Tankstellenmarkt geht weiter. Der britische BP-Konzern und die deutsche Eon AG haben einen milliardenschweren Tausch ihrer Öl- und Gas-Geschäfte vereinbart, mit dem BP die Nummer eins auf dem deutschen Benzinmarkt werden könnte. Eon wird die Mehrheit an Veba Oel und damit ihre Aral-Tankstellen abgeben, BP trennt sich von seinen Anteilen bei der Essener Ruhrgas AG. Grafik: Tankstellen in Deutschland Beide Unternehmen teilten am Montag in der Konzernzentrale der Düsseldorfer Eon AG mit, dass BP 51 Prozent der Veba Oel-Anteile von Eon erhalten werde. In einem Tauschgeschäft erhält Eon dafür wiederum 51 Prozent der BP-Anteile an der Gelsenberg AG. Diese ist mit 25,5 Prozent an der Essener Ruhrgas AG beteiligt. Das Geschäft sieht weiter vor, dass beide Unternehmen Anfang nächsten Jahres eine Option zum Verkauf ihrer 49-prozentigen Restanteile ausüben können. Werden die Optionen ausgeübt, erhält Eon für Veba einen Betrag von 6,5 Milliarden Euro, der sich wie folgt zusammensetzt: 25,5 Prozent an Ruhrgas, 400 Millionen Euro als Barausgleich zuzüglich vereinbarter Kaufpreisanpassungen und die Rückzahlung von rund 1,9 Milliarden Euro Gesellschafterdarlehen.

"Der Deal ist eine günstige Gelegenheit für beide Unternehmen, ihre strategischen Ziele weiter zu verfolgen", sagte John Browne, Konzernchef von BP. Der Wert von Veba und Ruhrgas sei für BP und Eon sehr unterschiedlich. "Das ist genau der Grund, warum die Transaktion zustande kam". Bereits seit längerem ist bekannt, dass Eon sich von Veba Oel trennen wollte, um den Umbau zum reinen Energieversorger voranzutreiben. Veba ist mit 2395 Aral-Stationen und einem Marktanteil von rund 18 Prozent die Nummer eins im deutschen Tankstellenmarkt. BP kommt auf rund 960 Standorte (Marktanteil sieben Prozent). Mit der Übernahme von Aral rechne BP nun damit, zum Marktführer im deutschen Kraftstoffgeschäft aufzusteigen. Diese Position wird derzeit von Shell-Dea eingenommen. Browne kündigte gleichzeitig Kosteneinsparungen von mindestens 200 Millionen Dollar im Jahr an, 1500 Stellen würden nun gestrichen. Wie Browne weiter sagte, würden die BP-Stationen in Aral-Tankstellen umgewandelt. Im Ausland werde es aber weiterhin BP-Zapfsäulen geben. Auch Eon-Chef Ulrich Hartmann zeigte sich zufrieden mit dem Tauschhandel: "Der Preis für Veba Oel ist respektabel." Gleichzeitig gelinge ein richtungsweisender Wachstumsschritt im Kerngeschäft Energie. "Die Übernahme von Gelsenberg ist der Schlüssel bei Ruhrgas", sagte Hartmann weiter. Ruhrgas sei für BP nur eine passive Finanzinvestition, Eon hingegen habe strategische Interessen. Schon seit einiger Zeit plant Eon ein stärkeres Engagement beim größten deutschen Gasversorger (Marktanteil 60 Prozent). Nach Abschluss aller Geschäfte - es bestehe noch eine Option zur Übernahme von RWE-Anteilen - sei Eon im Besitz von knapp 30 Prozent der Ruhrgas-Anteile. Zu Verhandlungen über den Kauf weiterer Aktien wollte sich Hartmann jedoch nicht äußern. Neben den Energieversorgern sind auch Thyssen-Krupp, Shell und Esso beim Essener Unternehmen engagiert.

Eon will auch durch die Übernahme der britischen Firma Powergen zum weltgrößten privaten Strom- und Gasversorger aufsteigen. Der rund 30 Milliarden Mark teure Zukauf soll bis zum April 2002 über die Bühne gehen. Nur der französische Strommulti EdF wird dann noch mehr Kunden im Strom-und Gasmarkt Europas besitzen.

Der noch junge Konzern Eon entstand vor einem Jahr bei der Fusion der Mischkonzerne Veba und Viag. Mit 140 Milliarden Mark Umsatz und 200 000 Beschäftigten zum Zeitpunkt der Firmenhochzeit war die Gesellschaft das viertgrößte deutsche Industrieunternehmen. Inzwischen sind schon einige Firmen wie E-Plus, Gerresheimer Glas und Schmalbach-Lubeca verkauft. Die aus Preussen-Elektra und Bayernwerk entstandene Stromtochter Eon Energie ist im Stromverkauf innerhalb Deutschlands die Nummer Zwei nach dem RWE-Konzern aus Essen.

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