Wirtschaft : Tante Emma statt Anton Schlecker

Ein österreichischer Investor will bis zu 600 Läden der ehemaligen Drogeriekette neu eröffnen.

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Österreich ist nicht genug. Rudolf Haberleitner will sein Laden-Konzept „Dayli“ nach Deutschland bringen. Foto: dpa
Österreich ist nicht genug. Rudolf Haberleitner will sein Laden-Konzept „Dayli“ nach Deutschland bringen. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin – Es ist ein Hoffnungsschimmer für die vielen ehemaligen Mitarbeiter von Schlecker, die keinen neuen Job gefunden haben: Der österreichische Investor Rudolf Haberleitner will im kommenden Jahr bis zu 600 ehemalige Filialen der einst größten deutschen Drogeriekette wiedereröffnen, und zwar als moderne Tante-Emma-Läden. Das erklärte der 67-Jährige im Interview mit „Handelsblatt Online“. „Ich gehe davon aus, dass wir Ende nächsten Jahres, abhängig von der Geschwindigkeit unserer Expansion, in Deutschland bis zu 3000 Mitarbeiter beschäftigen werden“, sagte Haberleitner. Es hätten sich bereits zahlreiche Ex-Schlecker-Mitarbeiter bei ihm gemeldet, versprochen habe er aber nichts: „Wir werden die besten Leute akquirieren, die wir kriegen können.“ Die neuen Läden sollen zunächst in Südbayern, dem südlichen Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz und auch in Berlin und Brandenburg entstehen.

Durch die Insolvenz der einst größten Drogeriekette Deutschlands im Januar hatten rund 25 000 Mitarbeiter ihre Jobs verloren, knapp 9100 haben nach einer aktuellen Erhebung der Bundesagentur für Arbeit, die dem Tagesspiegel vorliegt, eine neue Anstellung gefunden, 90 haben sich selbstständig gemacht. „Zumindest tut sich was“, sagte Schlecker-Gesamtbetriebsrätin Christel Hoffmann. Sie hofft, dass möglichst viele ihrer entlassenen Kollegen bei Haberleitner eine Chance bekommen. Dennoch müsse man erst mal abwarten, was für Jobs durch das neue Konzept entstehen. Und das soll so aussehen: Die neuen Shops sollen in Städten ab 5000 Einwohnern im Zentrum alles für das tägliche Leben bieten: Drogerieartikel, Lebensmittel, Kleidung, Elektroartikel und Serviceleistungen wie eine Reinigung. Alles, was nicht vorrätig ist, soll laut Haberleitner für den nächsten Tag bestellt werden können. Zielgruppe seien neben Älteren auch junge Leute ohne Auto.„Für mich hat das Ganze keinen kaufmännischen Aspekt, es geht mir um den humanitären Gedanken“, erklärt der Investor. Er wolle den Menschen den Nahversorger wiedergeben, da nach seiner Berechnung ein Drittel der Kunden keine Möglichkeit hätte, zum Einkaufszentrum auf der grünen Wiese zu fahren.

Der Wiener Finanzinvestor hat nicht zum ersten Mal mit Schlecker zu tun: Haberleitner übernahm mit seiner Investmentgesellschaft Tap 09 im August bereits 1350 Filialen von Schlecker in Österreich und anderen europäischen Ländern und baute sie zum Nahversorger namens „Dayli“ um. Vor etwa einer Woche stieg der österreichische Glücksspielkonzern Novomatic mit 50 Prozent bei „Dayli“ ein. Nun wollen beide Investoren das Konzept nach Deutschland bringen. Zwar bot Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz Haberleitner Hilfe an. „Das Konzept, mit dem „Dayli“ am Start ist, nämlich ein echter Nahversorger zu sein, ist recht nah an dem, was auch der Sanierungsplan des Insolvenzverwalters vorsah“, sagte ein Sprecher von Geiwitz. Haberleitner muss aber nicht mehr mit dem Verwalter, sondern mit den einzelnen Ladenvermietern verhandeln, denn die Schlecker-Mietverträge sind gekündigt, die Waren verkauft, die Läden leer. 484 Standorte habe er sich bereits gesichert, bis Ende 2013 könnten es bis zu 600 werden, sagte Haberleitner. mit dpa

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