Tarifabschlüsse : Tariflöhne steigen stärker als die Preise

Wer nach Tarif bezahlt wird, bekommt in diesem Jahr deutlich mehr Geld. Im Schnitt stiegen die Tarifeinkommen um 3,3 Prozent und damit etwas stärker als die Preise im ersten Halbjahr.

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Berlin„In manchen Branchen haben die Beschäftigten in diesem Jahr gute Chancen auf ein kräftigeres Plus“, sagte Reinhard Bispinck vom Tarifarchiv der Hans- Böckler-Stiftung, der die vorliegenden Tarifabschlüsse ausgewertet hat. Das kräftige Plus gibt es vor allem in der Stahlindustrie (5,2 Prozent), der Chemie (4,4 Prozent) und im öffentlichen Dienst; die Einkommen der Arbeiter und Angestellten von Bund und Kommunen steigen in diesem Jahr um durchschnittlich 5,2 Prozent. Allerdings gab es in den vergangenen Jahren auch nur Einmalzahlungen, also keine dauerhafte Erhöhung für die öffentlich Bediensteten. Eher bescheidene Tariferhöhungen gibt es für die Beschäftigten im Bergbau und im Hotel- und Gaststättengewerbe. Und im Einzelhandel ist nach mehr als einjährigen Verhandlungen und immer wieder aufflackernden Streiks noch immer kein flächendeckender Tarifabschluss in Sicht.

Alles in allem schlossen die DGB-Gewerkschaften im ersten Halbjahr für rund 4,4 Millionen Beschäftigte neue Lohn- und Gehaltstarife ab, das ist ein knappes Viertel der von Tarifverträgen erfassten Arbeitnehmer in Deutschland. Nicht berücksichtigt in der Tarifstatistik sind die Lokführer, die eine Erhöhung um elf Prozent durchsetzten, aber nicht dem DGB, sondern dem Beamtenbund angehören. Über alle Branchen und Gewerkschaften hinweg werden in Deutschland rund 60 Prozent der Arbeitnehmer nach Tarif bezahlt.

Das Tarifjahr endet im Herbst mit der Metallindustrie, die 3,4 Millionen Beschäftigte umfasst. Angesichts der Preissteigerung und der Exporterfolge der Firmen müssen sich die Arbeitgeber auf eine hohe Lohnforderung einstellen. „Den Betrieben geht es so gut wie lange nicht mehr. Es gibt was zu verteilen, und wir sind dabei“, kündigte gerade eben der IG-Metall-Chef von Nordrhein-Westfalen an. Die Tarife der Metaller waren im vergangenen Jahr um 4,1 Prozent und jetzt im Juni um weitere 1,7 Prozent gestiegen. Zusätzlich bekommen die Beschäftigten in diesem Jahr eine Einmalzahlung in Höhe von knapp vier Prozent eines Monatsentgelts. alf

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