Tarifabschluss in der Chemie : 4,5 Prozent mehr Geld

Die 550 000 Chemiebeschäftigten bekommen eine kräftige Tariferhöhung. Und die Firmen legen auch noch was fürs Alter zurück.

Alfons Frese

Berlin Berlin - Damit liegt die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) vorn, zumindest auf den ersten Blick. Für die 550000 Chemiebeschäftigten holte die Gewerkschaft am Donnerstag eine Tariferhöhung um 4,5 Prozent raus, das liegt sogar zwei Zehntelpunkte über der IG Metall. Doch wegen der langen Laufzeit von 19 Monaten liegt der Chemieabschluss – auf ein Jahr gerechnet – unter den Metallern, die vergangenen Sonnabend auch eine stärkere Regulierung von Leiharbeit und die Azubi-Übernahme vereinbart hatten. Neben dem Geld ging es in der Chemie vor allem um altersgerechtes Arbeiten. Die Gewerkschaft wollte einen bereits seit längerem bestehenden Demografie-Fonds aufstocken, um Älteren und belasteten Beschäftigten (Schichtarbeiter) kürzere Arbeitszeiten ohne Gehaltseinbußen zu ermöglichen. Nach anderthalbtägigen Verhandlungen verständigten sich die Tarifparteien auf Folgendes: Von 2013 bis 2015 zahlen die Arbeitgeber pro Tarifmitarbeiter 600 (insgesamt: 200 Millionen) Euro in den Fonds. Das Geld kann dann für drei Modelle ausgegeben werden: Die Einführung der Vier-Tage-Woche für Schichtarbeiter ab dem 60. Lebensjahr und für Beschäftigte in Normalschicht ab dem 62. Jahr. Oder für ein Langzeitkonto, mit dessen Hilfe der oder die Beschäftigte vorzeitig in Rente gehen kann. Und zum Dritten steht das Geld für Altersteilzeit zur Verfügung. IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis freute sich über einen Tarifabschluss, mit dem „der demografische Wandel so gestaltet wird, dass sich die Arbeits- und Lebensbedingungen für alle verbessern“. Chemiearbeitgeberpräsident Eggert Voscherau würdigte „vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft den dringend notwendigen Mentalitätswandel bei der Arbeitszeit“, wozu der Tarifabschluss beitrage. Dabei meint er vor allem die zunehmende Flexibilität bei der Wochenarbeitszeit. Die Arbeitgeber sprechen von einem „Demografie-Korridor“, wenn künftig die Wochenarbeitszeit zwischen 35 und 40 Stunden schwanken kann. Als Richtgröße gilt in der Chemie indes nach wie vor die 37,5-Stunden-Woche. In Betrieben mit Schwierigkeiten kann die Tariferhöhung um 4,5 Prozent um zwei Monate nach hinten verschoben werden; wenn es besonders gut läuft, kann die Erhöhung auch einen Monat vorgezogen werden. Die Ausbildungsvergütungen steigen einheitlich um 50 Euro im Monat, „um die Attraktivität der Branche zu steigern“, wie die Arbeitgeber mitteilten. alf

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