Wirtschaft : Tarifabschluß ohne Nebenwirkungen

MARGARITA CHIARI

Welch ein Gegensatz.Nur eine einzige Verhandlungsrunde benötigten die Tarifpartner der Bauwirtschaft, um sich über Lohnveränderungen im Osten Deutschlands einig zu werden.Es gab keine Drohgebärden, keine Empörung - und herausgekommen ist ein Abschluß, der in der gegenwärtigen Tariflandschaft seinesgleichen sucht: Nullrunde bei Löhnen und Gehältern, weniger Geld für Azubis, nur der Mindestlohn wird um 1,14 Mark angehoben - und auch das ist nicht einmal halb soviel wie der Aufschlag von 2,50 Mark beim Mindestlohn im Westen.Wer das wochenlange Gezerre der Tarifpartner für die Baulöhne im Westen noch in Erinnerung hat, konnte sich nur wundern.

Doch der schnelle Kompromiß entspricht wohl der Lage.Was helfen mühsam ausgehandelte Lohnerhöhungen, wenn sie ohnedies nicht mehr gezahlt werden? Gewerkschaft und Arbeitgeberverbände müssen im Osten längst mit der Tatsache leben, daß ihnen die Mehrheit der Mitglieder die Gefolgschaft aufgekündigt hat.60 Prozent der Baubetriebe, so die offiziellen Angaben, zahlen für die einfachen Arbeiten bestenfalls noch den Mindestlohn, in Wahrheit dürfte die Zahl noch weitaus höher liegen.Daran haben auch die Öffnungsklauseln nichts geändert.Wenn es in dieser Runde überhaupt noch etwas zu verhandeln gab, dann war es in der Tat nur die Höhe des Mindestlohnes.Ihn auf das Niveau des niedrigsten, mit der Öffnungsklausel erreichbaren Tariflohnes anzuheben, war zumindest ein Versuch, die Tarifflucht zu stoppen.Mehr aber auch nicht: Von den elf Mark und weniger, die vielerorts gezahlt - und von den Arbeitnehmern stillschweigend akzeptiert - werden, ist auch der nun vereinbarte Mindestlohn weit entfernt.

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Zustimmung für die Tarifabschlüsse am Bau

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