Wirtschaft : Tarifeinigung am Bau steht auf der Kippe Der Mittelstand meldet Bedenken an

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Berlin – Der am Wochenende erzielte Tarifkompromiss für die 680 000 Beschäftigten der Bauwirtschaft droht zu platzen. Der Zentralverband des Baugewerbes (ZDB) meldete am Montag ernste Bedenken an, ob die mit der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) ausgehandelten Lohnerhöhungen von 3,5 Prozent in seinen eigenen Reihen Zustimmung finden werden.

„Das wird erhebliche Diskussionen in unseren Landesverbänden auslösen“, sagte der für Tarifpolitik zuständige ZDB-Geschäftsführer Harald Schröer dem „Handelsblatt“. „Aus heutiger Sicht scheint mir das Ergebnis völlig offen zu sein.“ Zwar enthalte das Kompromisspaket auch positive Elemente. Doch die eigentliche Lohnzahl erscheine „sehr hoch“. Sollten die ZDB-Gremien das Tarifergebnis nicht mittragen, müsste voraussichtlich eine Schlichtung eingeleitet werden. Vorsitzender der Schlichtungskommission wäre in diesem Fall Ex-Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD). Die Erklärungsfrist, in der die Gremien der Tarifparteien endgültig über die Annahme befinden müssen, läuft noch bis zum 4. Mai.

Der Kompromiss sieht zum einen dauerhaft wirksame Lohnerhöhungen von 3,1 Prozent vor. Zum anderen sollen die Beschäftigten für die Dauer der Laufzeit bis März 2008 Einmalzahlungen von weiteren 0,4 Prozent erhalten, die aber auf betrieblicher Ebene variiert werden können. Hinzu kommt für die Arbeitgeber ein Beitragsanstieg von 0,6 Prozent bei der bestehenden Zusatzversorgungskasse am Bau.

Hintergrund der überraschenden Wendung ist, dass die Arbeitgeber in der Bauwirtschaft von zwei verschiedenen Branchenverbänden vertreten werden. Die großen Firmen sind vorwiegend im Hauptverband der Bauindustrie (HDB) organisiert. Die kleinen und mittleren vertritt dagegen der ZDB. Nach der Tarifeinigung in der Nacht zu Samstag hatte sich neben der IG Bau nur der HDB zustimmend zu dem Kompromiss geäußert. Der ZDB gab dagegen zunächst keine offizielle Erklärung ab. dc/HB

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