Tarifeinigung bei der Deutschen Post : Viele Postboten sind enttäuscht

Nach der Tarifeinigung bei der Deutschen Post sind viele Mitarbeiter sauer: Nach vier Wochen Streik halten sie das Ergebnis für zu schwach. Sie sprechen von einer "krachenden Niederlage" für Verdi.

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Vier Wochen lang hatten die Postmitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt.
Vier Wochen lang hatten die Postmitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt.Foto: dpa

„Einigung bei der Deutschen Post“: So war die Meldung der Gewerkschaft zum Ende des Tarifkonflikts überschrieben. Triumphal klingt das nicht – und gefeiert wird Verdi auch nicht gerade für das Erreichte. Von einer „krachenden Niederlage“, einer „blamablen Aktion“ ist in sozialen Netzwerken die Rede. Ein Betriebsgruppenvorsitzender in Berlin berichtet von ersten Protestaustritten. Er will nicht genannt werden. Selbst Verdis Gewerkschaftssekretär Lutz Kämmerer aber beschönigt nicht: „Es gibt sehr enttäuschte Kollegen.“

Mitarbeiter halten die Einigung für "einen Witz"

Verhandlungsführerin Andrea Kocsis hatte nach dem Ergebnis am Samstag von einem „umfassenden Paket aus Schutz- und Entgeltregelungen“ gesprochen. „Nach vier Wochen Arbeitskampf ist nur der Status quo gesichert. Ein Witz“, sagt ein Angestellter der neuen DHL-Delivery-Firmen. Deren Rückführung in den Haustarifvertrag hat Verdi nicht durchsetzen können, das jedoch war für viele der Kern der Auseinandersetzung. „Die Gesellschaften rückgängig zu machen, war ein Ziel im Hintergrund“, sagt dagegen Benita Unger, Bereichsleiterin Brief bei Verdi für die Region. Priorität sei es gewesen, die „weitere Zerschlagung“ zu verhindern, und das sei gelungen.

Auch mit der Lohnsteigerung sind die Mitarbeiter nicht zufrieden

7634 Mitarbeiter des Stammhauses bekommen vertraglich zugesichert, dass sie dort bis zur Rente bleiben dürfen. Für etwa 4500 derzeit befristet Beschäftigte konnte Verdi zudem eine Entfristung innerhalb der Muttergesellschaft erwirken, sie haben mehr Glück als die Kollegen, deren Verträge früher ausgelaufen sind. Auch eine Lohnerhöhung kann Verdi vorweisen – „wenn auch eine moderate“, sagt Unger. Sie hat eine Laufzeit von 30 Monaten – „das sind maue Perspektiven“, kritisiert ein Mitarbeiter.

„Am wichtigsten war den Kollegen der Schutz“, konstatiert Kämmerer – und eine Verhinderung weiterer Fremdvergabe. „Dass dies erreicht werden konnte, ist schon bemerkenswert, da man damit in einen unternehmerischen Prozess eingreifen konnte.“ Mit dem unbefristeten Streik hat Verdi zum härtesten Mittel gegriffen, das die Gewerkschaft hat. Im Verhältnis zum Ergebnis steht das nicht, finden viele der Post-Beschäftigten. Und offenbar auch der Aktionäre: Post-Titel standen am Montag einsam an der Dax-Spitze.

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