Wirtschaft : Tarifeinigung bei der Post

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Berlin/Münster (clk/dpa). Im Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Post AG und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist es am Dienstag in Münster zu einer Einigung gekommen. Die 160000 Beschäftigten der Post werden ab dem 1. Juni 3,5 Prozent mehr Geld bekommen. Am 1. Juni 2003 werden die Löhne und Gehälter um weitere 3,2 Prozent erhöht. Für Mai erhalten die Postbeschäftigten eine Einmalzahlung von 43 Euro. „Das Ergebnis kann sich im Vergleich mit anderen großen Branchen sehen lassen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Rolf Büttner, „damit fügen wir den bisher gesetzten Wegmarken eine weitere hinzu.“ Auch der Verhandlungsführer der Deutschen Post AG, Walter Scheurle, ist mit dem Ergebnis zufrieden. Der große Poststreik ist abgewendet.

Beide Tarifparteien seien am Montag mit dem Ziel in die dritte Verhandlungsrunde gegangen, eine Einigung zu erzielen, hieß es bei Verdi. Die Verhandlungen seien dann aber doch sehr zäh gewesen und dauerten 24 Stunden. Auch in der Nacht war weiterverhandelt worden. „Mit der Einigung ist eine für beide Seiten tragfähige Lösung erreicht worden. Unsere Kunden haben jetzt wieder die notwendige Verlässlichkeit und wir als Deutsche Post bei den Löhnen und Vergütungen Planungssicherheit.“

Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten. Für die Beschäftigten in Ostdeutschland wird das Weihnachtsgeld in einem Schritt um 27 Prozent an das Westniveau angeglichen. Die Postbeamten erhalten für die Monate Mai bis Oktober außerdem eine Pauschale von 150 Euro. „Unsere Mitglieder haben die Grundlage für den Abschluss geschaffen“, betonte Büttner. Mit ihren Streiks hätten sie enorm Druck auf den Arbeitgeber gemacht. Nur so sei das Ergebnis möglich gewesen.

Telekom glaubt an Einigung

Bei den Verhandlungen zwischen Verdi und der Telekom ist noch keine Einigung in Sicht. Die Telekom hatte am Montag ein erstes Angebot vorgelegt, das mit einer Laufzeit von zwei Jahren für die 130000 Beschäftigten Lohn- und Gehaltserhöhungen von 3,8 Prozent vorsieht. Die Gewerkschaft hatte die Offerte als „Provokation“ zurückgewiesen. Die erste Gehaltserhöhung würde sich nur auf maximal 3,1 Prozent belaufen, wenn man die zwei Nullmonate einberechne, die die Telekom verlangt habe. Verdi fordert hingegen 6,5 Prozent mehr Geld. Die Verhandlungen wurden daraufhin am Montagabend abgebrochen. Am Mittwoch will Verdi das Telekom-Angebot noch einmal in der Tarifkommissionssitzung in Frankfurt beraten. Verdi-Sprecher Hans Holler rechnet mit einer Ablehnung. „Lediglich die Dimensionen des Neins sind noch nicht klar“, sagte Holler. Entweder werde man mit der Telekom am 27./28. Juni weiterverhandeln oder mit Urabstimmungen für Streiks beginnen.

Telekom-Sprecher Stephan Broszio betonte hingegen, dass die Verhandlungen am Montag „in konstruktiver Atmosphäre“ verlaufen seien. Beiden Seiten hätten von vornherein mit einer vierten Verhandlungsrunde am 27./28. Juni gerechnet. Er ist optimistisch, dass man sich dann einigen wird und Streiks abgewendet werden können.

Bei den Verhandlungen gehe es nicht nur um Lohn- und Gehaltserhöhungen, sondern auch um Ausbildungssicherung. Die Telekom habe Verdi zugesichert, 2003 4000 Ausbildungsplätze bereitzustellen. „Das ist auch nicht mehr selbstverständlich in der deutschen Wirtschaft, das muss Verdi anerkennen“, so Broszio. Außerdem denke man zusammen mit der Gewerkschaft über eine „Qualifizierungsgesellschaft“ nach, in der Mitarbeiter, die jetzt im Festnetzbereich arbeiten, für Aufgaben bei T-Mobile oder T-Online umgeschult werden können. Die Telekom will bis Ende 2004 22000 Stellen vor allem im Festnetzbereich ohne betriebsbedingte Kündigungen abbauen.

Für die 440 000 Beschäftigten im Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen hatte Verdi am Montag die Tarifverhandlung für gescheitert erklärt und für Dienstag Streiks angekündigt. Die Beschäftigten bei Karstadt in Dortmund und Lünen sollten ganztägig die Arbeit niederlegen. Bis zum Mittag waren die Konzern-Mitarbeiter in Solingen, Remscheid und Mettmann zu Warnstreiks aufgerufen. Die Gewerkschaft hatte zuletzt Einkommensverbesserungen von 3,7 Prozent gefordert, die Arbeitgeber 1,7 Prozent geboten.

Im Tarifkonflikt des Baugewerbes ist die Urabstimmung über einen Streik am Dienstag fortgesetzt worden. Die IG Bau sprach von einer bisher „regen Beteiligung“. Bis Freitagabend können bundesweit rund 340000 Gewerkschaftsmitglieder entscheiden, ob es erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte zu einem flächendeckenden Arbeitskampf kommt. Auf vielen Baustellen sei die Wut groß, sagte IG-Bau-Sprecher Michael Knoche am Dienstag. Die Gewerkschaft rechne fest damit, dass die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent zustande komme. Die Gewerkschaft verlangt eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent, die Arbeitgeber haben 2,1 Prozent angeboten.

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