Tarifeinigung im Einzelhandel : Fünf Prozent mehr Geld für 200000 Beschäftigte

Immer wieder gab es Streiks, nun ist der Tarifstreit im Einzelhandel beendet. Mitarbeiter bei Kaiser`s, Kaufhof oder Rewe in Berlin und Brandenburg bekommen ab sofort mehr Geld. Trotzdem ist das Ergebnis für die Gewerkschaft Verdi eine Niederlage.

Carsten Brönstrup
Ein Verdi-Mitglied trägt eine Fahne seiner Gewerkschaft auf der Schulter und steht zusammen mit anderen Beschäftigten vor einem Gebäude.
Streit mit Streiks. Über Monate hat sich der Tarifstreit hingezogen. Von den Verdi-Aktionen haben die Kunden aber offenbar nur...Foto: dpa

200 000 Beschäftigte im Einzelhandel von Berlin und Brandenburg bekommen ab sofort mehr Geld. Rückwirkend zum 1. Oktober 2013 erhalten sie drei Prozent mehr, zum 1. Juli dieses Jahres sind es noch einmal 2,1 Prozent. Auszubildende bekommen sogar 7,6 Prozent. Dazu wird der Manteltarifvertrag für die Branche wieder in Kraft gesetzt, der Arbeitszeiten, Weihnachtsgeld und Zuschläge regelt. Darauf einigten sich der Handelsverband Berlin-Brandenburg und die Gewerkschaft Verdi am späten Dienstagabend. Zuvor hatten sie zwölf Stunden lang verhandelt. "Vergnügungssteuerpflichtig war das nicht", sagte ein Teilnehmer.

Damit übernimmt die Branche den Tarifabschluss, der im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg ausgehandelt worden war und der seither von vielen Tarifbezirken weitgehend übernommen wurde. Trotz der Zuschläge ist das Verhandlungsergebnis für die Gewerkschaft eine Niederlage. Bei der Angleichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld der Ost-Beschäftigten an das West-Niveau gab es keine Einigung. Dies soll erst demnächst verhandelt werden, zusammen mit anderen Themen wie Arbeitszeiten und Demografie sowie "im Rahmen der Friedenspflicht", wie Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands, unterstrich. Er wertete das Verhandlungsergebnis denn auch als positiv. "Damit kann unsere Branche gut leben", sagte er dem Tagesspiegel.

Wegen der Weigerung der Arbeitgeber, bei den Sonderzahlungen das Niveau von Ost-Berlin und von Brandenburg an das West-Berliner anzugleichen, hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Streiks und Protestaktionen von Beschäftigten gegeben. Offenbar konnten sie damit aber nicht genügend Druck erzeugen. "Wir haben das Thema nicht durchbekommen, nur die feste Zusage, dass wir darüber reden werden", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Erika Ritter. "Irgendwann muss man ein Resümee ziehen und sehen, was man auf die Straße bringen kann."

Einen Teilerfolg kann die Gewerkschaft immerhin verbuchen. Die Regalauffüller, die in den Supermärkten für Nachschub sorgen, bekommen eine eigene Entgeltgruppe. Sie verdienen in Zukunft 9,54 Euro in der Stunde. Bislang wurden sie oft über Werkverträge in den Supermärkten beschäftigt und verdienten weniger als sieben Euro. "Es ist besser, wenn diese Leute in den Betrieben beschäftigt sind und nicht von außerhalb kommen", kommentierte Busch-Petersen diesen Beschluss.

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