Wirtschaft : Tarifgespräche im Baugewerbe treten auf der Stelle

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Berlin (dpa). Der erste Anlauf für eine Lösung des Tarifkonflikts im Baugewerbe seit Streikbeginn scheint in eine Sackgasse zu führen. Die Tarifverhandlungen, die vom CDU-Politiker Heiner Geißler moderiert werden, stünden „kurz vor dem Abbruch“, sagte der Sprecher der IG BAU, Michael Knoche, am Montagabend in Wiesbaden. Die Arbeitgeber hätten entgegen ihren Ankündigungen kein verbessertes Angebot vorgelegt, sonden seien zum Teil noch hinter den in der Schlichtung erreichten Verhandlungsstand zurückgefallen. „Die Grenze des Zumutbaren scheint bald erreicht zu sein“, sagte Knoche.

Zuvor hatte auch ein Sprecher der Arbeitgeber von „zähen“ Verhandlungen gesprochen. Es lägen eine ganze Menge Probleme auf dem Tisch. Die Arbeitgeber hätten aber ein großes Interesse an einer Lösung des Tarifkonflikts.

Dem Vernehmen nach ging es in den Verhandlungen am Montag ausschließlich um Probleme des Bundesrahmentarifvertrages. Über Mindestlöhne und die Lohnzahl sei bis zum Abend noch nicht gesprochen worden. In dem seit Monaten andauernden Tarifkonflikt fordert die IG BAU 4,5 Prozent mehr Geld für die 850 000 Beschäftigten. Die Arbeitgeber hatten für 2002 und 2003 stufenweise Anhebungen von 3,0 und 2,1 Prozent angeboten. Die Gewerkschaft beziffert das Angebot wegen mehrerer Leermonate im ersten Jahr nur auf 1,75 Prozent. In Ostdeutschland geht es auch um die Anhebung der Mindestlöhne.

Zu Beginn der zweiten Streik-Woche erhöhte die Gewerkschaft zunächst den Druck. Nach Angaben der IG Bau legten in der Frühschicht bundesweit mehr als 30 000 Arbeiter auf rund 2460 Baustellen die Arbeit nieder. Das seien 10 000 Arbeiter und 950 Baustellen mehr als noch am Freitag. Die Streiks würden bis zu einem erfolgreichen Tarifabschluss fortgesetzt werden, kündigte die Gewerkschaft an.

Die Arbeitnehmervertreter signalisierten aber auch Entgegenkommen. In Berlin wurden die Streiks teilweise ausgesetzt. Auf zwölf Baustellen rund um den Potsdamer Platz werde seit Montagvormittag wieder gearbeitet, teilte der Berliner IG-Bau-Geschäftsführer Rainer Knerler mit. Damit solle ein „Signal“ für die Tarifverhandlungen gesetzt werden. Auf den zwölf Baustellen nahmen am Montag etwa 300 Beschäftigte die Arbeit wieder auf. Auf mehreren anderen Großbaustellen in der Hauptstadt wie dem Dom-Aquarée und dem Palast der Republik wurde dagegen weiterhin gestreikt.

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