Wirtschaft : Tarifgespräche im Osten vertagt

Treffen zur Arbeitszeit in der Metallindustrie ohne Ergebnis

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Berlin (Tsp). Zweieinhalb Monate nach dem Arbeitskampf in der ostdeutschen Metall und Elektroindustrie haben Arbeitgeber und IG Metall erneut keine Einigung über den künftigen Umgang mit der Arbeitszeit erzielen können. Die Gespräche zur Inkraftsetzung gekündigter Tarifverträge über Arbeitszeit, Altersteilzeit und Übernahmeverpflichtung von Azubis blieben am Montag in Berlin ohne Ergebnis. Die Arbeitgeber wollten die derzeit gültige 38-Stunden-Woche bis 2008 festschreiben, die IG Metall nur bis Ende 2005. Ferner wollte die Gewerkschaft für einzelne Großunternehmen eine Sonderregelung über die stufenweise Einführung der 35-Stunden-Woche. Das lehnten die Arbeitgeber ab. Nun sollen die Gespräche, die am Montag für alle fünf ostdeutschen Bundesländer stattfanden, nach Angaben der IG Metall auf regionaler Ebene fortgesetzt werden.

Im Anschluss an die Verhandlungen sagte Gewerkschaftssprecherin Marlis Dahne, der IG Metall-Verhandlungsführer Hasso Düvel habe die Bereitschaft unterstrichen, die gekündigten Tarifbestimmungen zur Arbeitszeit wieder in Kraft zu setzen, aber nur bis Ende 2005. Im Juni hatte die Gewerkschaft erst in Sachsen, später aber auch in Berlin und Brandenburg insgesamt vier Wochen für die 35-Stunden-Woche gestreikt. Nachdem am 28. Juni ein letzter Versuch am Verhandlungstisch gescheitert war, erklärte die IG Metall den Arbeitskampf für beendet.

Die Arbeitgeber sagten am Montag, die IG Metall habe Sonderlösungen für einzelne Firmen bei der Arbeitszeit gefordert. „Wir können nicht nachvollziehen, warum die IG Metall immer noch Sonderlösungen für Unternehmen im Flächentarifvertrag verlangt, ohne die Konsequenzen aus dem verlorenen Arbeitskampf zu akzeptieren“, erklärte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Roland Fischer. „Die IG Metall weiß, dass es keine Fortsetzung der Tarifverhandlungen mehr geben wird.“

IG-Metall-Chef Düvel hatte am Montag im „Tagesspiegel“ erklärt, die Gewerkschaft habe zwar keinen Flächentarifvertrag für die Einführung der 35-Stunden-Woche erreicht. Aber die Möglichkeit einer schrittweisen Angleichung der Arbeitszeit an die im Westen gebe es nach wie vor, und zwar über Haustarife. „Und wenn wir jetzt noch eine Firmenregelung bei einigen wenigen großen Firmen abschließen, dann haben wir die Arbeitszeitangleichung für 13000 Mitglieder – das sind fast zwei Drittel“, hatte Düvel im Tagesspiegel-Interview gesagt. In Frage kommen dafür VW Sachsen, ZF Brandenburg und Siemens VDO in Sachsen. VW Sachsen ist mit rund 6000 Mitarbeitern mit Abstand der größte Metallbetrieb in den neuen Ländern.

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