Tarifkonflikt : Bahnfahren wird zum Roulette

Gestreikt wird, nur wann und wo ist offen. Während die Lokführer das Bahn-Angebot erneut ablehnten und Streikaktionen ab Mittwoch ankündigten, will die Bahn kein weiteres Angebot vorlegen. Ausbaden müssen den Konflikt wohl die Fahrgäste.

Deutsche Bahn Streiks
Fährt er oder nicht? Die Reisenden werden sich in den nächsten Tagen auf unerwartete Ausfälle bei der Deutschen Bahn gefasst...Foto: ddp

Berlin/Frankfurt Die Lokführergewerkschaft GDL hat das Angebot der Deutschen Bahn im Tarifkonflikt erneut abgelehnt und den Konzern zu neuen Verhandlungen aufgerufen. "Die Bahn muss sich mit uns zusammensetzen und uns nicht verklagen", sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert im ZDF. Die von der Bahn angebotenen zehn Prozent mehr Lohn bei zwei Stunden Mehrarbeit seien "kein gutes Angebot", sagte Seibert. Viele Lokführer arbeiteten heute schon 41 Stunden. Gleichzeitig betonte Seibert, die von der GDL aufgestellte Forderung nach 31 Prozent mehr Lohn sei verhandelbar.

Heute um 13 Uhr läuft ein weiteres Ultimatum der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ab. Die Gewerkschaft hat weitere Streiks angedroht, sollte die Bahn bis dahin kein neues Angebot vorlegen. Dies hat die Bahn jedoch bereits ausgeschlossen: "Es wird kein weiteres Angebot geben", sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale in einem Streitgespräch des Fernsehsenders N-TV mit GDL-Chef Manfred Schell. Die GDL will frühestens für Mittwoch zu Arbeitsniederlegungen aufrufen. Laut einer Gerichtsentscheidung vom Freitag müssten die Streiks auf den Regionalverkehr beschränkt bleiben.

Bahnvorstand mit Einkommensplus von 62 Prozent

Die Gewerkschaft verlangt für Lokführer und Zugbegleiter einen eigenständigen Tarifvertrag und eine Erhöhung der Löhne um 31 Prozent. GDL-Chef Schell wies darauf hin, dass dem Bahnvorstand im vergangenen Jahr ein Einkommensplus von 62 Prozent genehmigt worden sei.

Suckale sagte, auch die Bahn sei der Meinung, "dass Lokführer mehr verdienen müssen. Aber wir müssen das in vernünftigen Schritten tun." Eine Steigerung von 31 Prozent "kann das Unternehmen nicht verkraften".

Die Bahn bietet der GDL den Tarifabschluss an, den sie bereits mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart hat. Er sieht eine Einkommenserhöhung von 4,5 Prozent Anfang kommenden Jahres sowie eine Einmalzahlung von 600 Euro vor. Mit zwei Stunden Mehrarbeit pro Woche könnten die Lokführer auf 10 Prozent mehr Gehalt kommen.

Knackpunkt eigener Tarifvertrag

Diese Rechnung akzeptiert die GDL nicht. Sie verlangt vielmehr eine um eine Stunde verkürzte Wochenarbeitszeit. Sie wirft der Bahn zudem vor, die bei Vermittlungsgesprächen gegebene Zusage nicht einzuhalten, über einen eigenständigen Tarifvertrag zu verhandeln.

Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Günther Kinscher verwies nochmals auf die geänderte Streiktaktik. Streiks würden nicht mehr langfristig angekündigt, "damit wir der Bahn gar keine Gelegenheit geben können, uns wieder vor Gericht zu zerren und dort einstweilige Verfügungen zu erwirken".

Das Arbeitsgericht Chemnitz hatte am Freitag per Einstweiliger Verfügung bis auf weiteres Streiks im Güter- und Fernverkehr verboten, aber im Regionalverkehr erlaubt. Dies könnte aber wegen der komplexen Abläufe im Bahnsystem "auch Auswirkungen auf den Fern- und Güterverkehr haben", sagte ein Bahnsprecher. Auf Spontanaktionen der GDL könne man nicht mit einem Ersatzfahrplan reagieren, wie das am vergangenen Freitag geschehen sei. (mit AFP/dpa)

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