Tarifkonflikt : Bahnkunden müssen mit Streiks rechnen

Die Deutsche Bahn bereitet sich angesichts des schwelenden Tarifkonflikts auf Störungen des Zugverkehrs durch Warnstreiks vor. Schon an diesem Sonntag sind Zugausfälle möglich.

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Deutsche Bahn bereitet sich angesichts des schwelenden Tarifkonflikts auf Störungen des Zugverkehrs durch Warnstreiks vor. Zwar wollten die Bahn und die Gewerkschaften Transnet und GDBA am Samstagnachmittag einen letzten Versuch unternehmen, vor Ende der Friedenspflicht einen neuen Tarifvertrag für rund 134 000 Beschäftigte auszuhandeln. Doch die Vorstellungen beider Seiten gingen vor Verhandlungsbeginn weit auseinander; ein Ergebnis lag bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor. Unmittelbar nach Ende der Friedenspflicht um Mitternacht wären bereits an diesem Sonntag Warnstreiks möglich. Unabhängig davon hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bereits massive Warnstreiks für die nächsten Tage angekündigt, über deren Einzelheiten sie am Montag unterrichten will.

Die Deutsche Bahn teilte am Samstag mit, dass von sofort an eine Service-Hotline für die Fahrgäste geschaltet ist. Unter der kostenfreien Telefonnummer 08000-996633 können sich die Reisenden über eventuelle streikbedingte Behinderungen informieren. Fahrgäste, die ihre Reise wegen Verspätungen oder Zugausfällen nicht antreten können, können ihre Fahrkarte kostenlos umtauschen oder sich den Preis erstatten lassen.

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA verlangen sieben Prozent, mindestens aber 150 Euro im Monat mehr, die Bahn hat Erhöhungen von jeweils zwei Prozent zum 1. Januar 2008 und zum 1. Juli 2009 angeboten, zusätzlich soll es eine Einmalzahlung von 300 Euro für die zweite Hälfte dieses Jahres geben.

Nicht am Verhandlungstisch sitzen die Lokführer, die mit der Bahn separat verhandeln wollen. Sie planen in den nächsten Tagen Streiks, von denen besonders die Zugverbindungen nach Berlin betroffen sein werden. „In alle Richtungen, nach Hamburg, München und nach Frankfurt am Main, wird es massive Behinderungen geben“, sagte Manfred Schell, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL), dem Tagesspiegel am Sonntag. Der Arbeitskampf solle in Deutschland „flächendeckend über alle Transportbereiche, also im Güter-, Fern- und im Regionalverkehr“ stattfinden. Ein punktueller Streik bringe nicht die erhoffte Wirkung. „Wir gehen davon aus, dass es massiven Stillstand geben wird.“

An welchem Tag der Ausstand stattfinden soll, will Schell allerdings erst am kommenden Montag bekannt geben. Er geht davon aus, dass sich 10 000 Lokführer und Zugbegleiter daran beteiligen werden. „Unsere Mitglieder stehen hinter dem Arbeitskampf“, versicherte er. Die Bahn solle sich nach dem ersten Ausstand die Folgen ansehen „und sich überlegen, ob sie dann weitere Streiks riskieren oder lieber mit uns in Verhandlungen treten will“. Weitere Arbeitskämpfe in den folgenden Tagen schloss Schell nicht aus. „Wir werden um das Verständnis der Fahrgäste werben und hoffen, dass wir sie nicht allzu lange behelligen müssen.“

Die Lokführer-Gewerkschaft besteht im Tarifstreit mit der Bahn auf einem eigenen Tarifvertrag für das Fahrpersonal. Darin soll es deutliche Aufschläge beim Gehalt für die 30 000 Lok- und Zugführer geben. Der Konzern lehnt dies jedoch ab, weil er eine einheitliche Vergütungsstruktur behalten will. Deshalb gab es bislang auch keine Gespräche mit der GDL. „Die Entlohnung der Lokführer ist völlig ungerecht“, bemängelte Schell. „Bisher bekommt ein Lokführer ein Einstiegsgehalt von 1980 Euro und ein Endgehalt von 2148 Euro im Monat. Das steht in keinem Verhältnis zu seiner verantwortungsvollen Arbeit.“ Ein Einstiegsgehalt von 2500 Euro sei angemessen, ein Anstieg nach 30 Jahren auf 2999 Euro ebenso, erläuterte Schell die GDL-Forderungen. Insgesamt summierten sie sich auf bis zu 31 Prozent. Das höre sich nach viel an, sei aber „im Rahmen“ und für die Bahn finanzierbar.

Der Gewerkschaftschef erklärte den Streik für „nicht mehr abwendbar“. Schuld daran habe die Bahn. „Wer 133 Tage lang nichts von sich hören lässt, soll nicht glauben, 24 oder 48 Stunden vor einem Arbeitskampf noch etwas ändern zu können.“ Carsten Brönstrup (mit dpa)

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