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Tarifkonflikt bei der Bahn : GDL kündigte neue Streiks schon für nächste Woche an

Die Tarifverhandlungen bei der Bahn sind erneut gescheitert. Nun soll wieder gestreikt werden, sagt GDL-Chef Claus Weselsky. Die Bahn nennt die Reaktion "völlig unverständlich".

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Neuer Ärger: Bahnkunden müssen mit Ausfällen rechnen.
Neuer Ärger: Bahnkunden müssen mit Ausfällen rechnen.Foto: dpa

Bahnkunden müssen schon in der kommenden Woche wieder mit Streiks rechnen. Die Lokführergewerkschaft GDL hat die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn für gescheitert erklärt. Nun drohen schon in der nächsten Woche neue Arbeitsniederlegungen. „Wir sind willens und die Lage dazu“, sagte ein Sprecher der Lokführergewerkschaft dem Tagesspiegel am Freitag Abend. Zuvor hatte GDL-Chef Claus Weselsky von "zeitnahen" Arbeitskämpfen gesprochen. Den genauen Termin und die Dauer der Streiks werde man rechtzeitig mitteilen. „Champagner für den Vorstand und trocken Brot für das Zugpersonal“ habe die Bahn angeboten, kritisierte Weselsky. Die Bahn verhandele nach der Methode: "Es kann nicht sein, was nicht sein darf“, kritisierte der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. „Die DB will die Spaltung der Lokomotivführer mit aller Macht aufrechterhalten und versucht die GDL zu zwingen, die Lokrangierführer als billigen Jakob im Tarifvertrag zu verankern", sagte Weselsky.

Die Deutsche Bahn nannte die Reaktion der GDL am Freitag Abend "völlig unverständlich". Man habe bereits weitgehend Einvernehmen über die Abbildung der relevanten Berufsgruppen in Flächen- und Haustarifverträgen erzielt, für den 27. und 29. April seien weitere Verhandlungstermine vereinbart worden, um über Geld und Arbeitszeiten zu sprechen. "Wir sind einen Meter vor der Ziellinie und haben ein Paket mit Lösungen und guten Vorschlägen auf dem Tisch", sagte Bahn-Vorstand Ulrich Weber. "So weit waren wir noch nie".

Bahn: "So weit waren wir noch nie"

Die Bahn und die GDL verhandeln schon seit langem, die Gespräche sind wiederholt von Streiks der GDL im Nah-, Fern-, Güter- und im S-Bahn-Verkehr begleitet worden. Nach Angaben der Bahn haben die Streiks schon Einbußen von 166 Millionen Euro verursacht. Die Gespräche sind schwierig, weil es nicht nur um Geld und Arbeitszeiten geht, sondern auch um die Macht im Unternehmen. Die GDL will nicht länger nur für die Lokführer verhandeln, sondern auch für ihre Mitglieder im Zugpersonal. Für die Lokführer verlangt die GDL fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Parallel verhandelt die Bahn zudem mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG über neue Tarife für deren Mitglieder. Die GDL steht unter Zeitdruck, weil die Bundesregierung ein Tarifeinheitsgesetz plant. Danach soll in Betrieben mit mehreren Tarifverträgen für gleiche Beschäftigtengruppen nur noch der Vertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gelten. Die Macht kleinerer Gewerkschaften wie der GDL würde eingeschränkt.

Die Fahrgastvereinigung „Pro Bahn“ hat heftige Kritik an der erneuten Streikandrohung durch die GDL geübt. „So langsam haben die Fahrgäste kein Verständnis mehr“, sagte Vorstandsmitglied Karl-Peter Naumann dem Tagesspiegel. „Mit solchen Aktionen schadet GDL-Chef Weselsky den Gewerkschaften mehr als er den Arbeitnehmern nutzt“. Der Chef der Lokführergewerkschaft stehe wegen des Tarifeinheitsgesetzes unter erheblichem Druck. „Das ist seine letzte Chance“, sagte Naumann.


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