Tarifkonflikt : Bischöfin soll bei der Bahn vermitteln

Bewegt sich der Streit zwischen den Lokführern und der Bahn noch auf der sachlichen oder vor allem auf der menschlichen Ebene? Der Fahrgastverband ProBahn verlangt einen neuen Vermittlungsversuch durch Bischöfin Käßmann. BDI-Präsident Thumann nannte den Streik "verantwortungslos".

Markus Mechnich

BerlinDie Streiks bei der Deutschen Bahn sorgen für Unmut in Industrie und bei den Bahn-Reisenden. Auch der Fahrgastverband ProBahn ärgert sich über den Streit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Bahn, der zu Lasten der Kunden ausgetragen wird. Der Verband schlägt einen neuen Vermittlungsversuch vor, um die verhärteten Fronten auf menschlicher Ebene zu schlichten. Schon länger scheint eine Lösung an den Persönlichkeiten Mehdorn und Schell zu scheitern. Eine Person dafür könnte die hannoversche Landesbischöfin Käßmann sein.

BDI-Präsident Thumann äußerte anlässlich des Starts der Streiks im Güterverkehr Unverständnis über die Situation bei der Bahn: "Ich fordere die Gewerkschaft der Lokomotivführer auf, die Streiks nicht fortzuführen und stattdessen an den Verhandlungstisch zurückzukehren." Der BDI befürchtet große wirtschaftliche Schäden durch den Ausstand der Lokführergewerkschaft GDL. "Ein Streik einer kleinen Berufsgruppe von dieser Dauer ist verantwortungslos, selbst wenn er über das Streikrecht gedeckt wird", sagt BDI-Präsident Thumann zu den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Streiks.

Ostdeutsche Industrie besonders belastet

Aus Kreisen des BDI war zu hören, dass die Unternehmen gerade erst die Folgen des letzten Streiks verarbeitet und kaum Zeit gehabt hätten neue Vorbereitungen zu treffen. Zudem haben viele Betriebe keine Alternative zu dem Transport auf der Schiene und können auch keine Lagerhaltung aufbauen. Besonders die ostdeutsche Wirtschaft wird durch den Streik belastet. Die Kosten des Ausstands, die vom Wirtschaftsforschungsinstitut DIW auf 55 Millionen Euro geschätzt werden, bleiben bei den Unternehmen haften. Durch den hohen Organisationsgrad der Lokführergewerkschaft GDL in Ostdeutschland ist der Güterverkehr dort bereits beim letzten Streik nahezu gänzlich zum Erliegen gekommen. Besonders gravierend seien die Auswirkungen auf die Logistikbranche. Eine Schlüsselbranche mit mehr als zwei Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von 180 Milliarden Euro drohen massive Schäden durch Ausfälle und Verzögerungen im Zuge des Streiks. Weitere leidtragende Bereiche sind die Stahl-, Chemie- oder Autoindustrie. "Je länger ein Streik dauert, desto gravierender sind die Auswirkungen", sagte BDI-Präsiden Thumann.

ProBahn: Käßmann als neue Moderatorin

Auch beim Fahrgastverband ProBahn herrscht Enttäuschung über die neuen Streiks bei der Bahn. "Der Konflikt wird auf dem Rücken der Kunden ausgetragen", sagte Pressesprecher Karl-Peter Naumann. Für eine Lösung des Konflikts schlägt er die Einschaltung eines unbelasteten Moderatoren vor. Möglichst "weit weg" von der Bahn sollte eine solche Person sein. Bei Bahn-Vorstand Mehdorn und GDL-Chef Schell träfen zwei starke Charaktere aufeinander, die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann wäre eine Möglichkeit, um den Konflikt auf menschlicher Ebene zu schlichten. Das sei dringend notwendig, um die verhärteten Fronten aufzubrechen. Naumann stellt fest, dass es sich bei dem Konflikt um ein "alte Geschichte" handelt, bei der es "nicht nur ums Geld geht". Auch die Position der beiden anderen Gewerkschaften Transnet und der Beamtenvereinigung GDBA spielten eine Rolle.

Eine besondere Gefahr besteht in dem Ruf, den die Bahn zu verlieren hat. "Die Bahn steht für Zuverlässigkeit", sagte Naumann weiter. "Dieser gute Ruf ist in Gefahr." Deshalb sei eine schnelle Lösung des Tarifkonflikts unbedingt erforderlich.

Die Notfahrpläne der Bahn werden für den Personenverkehr am Donnerstag und Freitag in Kraft treten. Für den Fernverkehr will die Bahn trotz des Streiks zwei Drittel aller Verbindungen aufrechterhalten. Dazu gehören vor allem ICE-Strecken, internationale Verbindungen, sowie Auto- und Nachtzüge. Bei den Intercitys werden allerdings sehr viele Ausfälle zu beklagen sein. Beim Regionalverkehr wird wahrscheinlich etwa die Hälfte der Züge ausfallen. Ersatzfahrpläne sind im Internet unter www.bahn.de/aktuell einsehbar. Weitere Informationen für Bahn-Reisende gibt es unter der kostenlosen Hotline 08000 - 996633.

0 Kommentare

Neuester Kommentar