Wirtschaft : Tarifkonflikt des Einzelhandels: Abschlüsse in Bayern und Hessen weisen den Weg - 2,5 Prozent mehr

Mit den Lohnabschlüssen von Bayern und Hessen ist im Tarifkonflikt des Einzelhandels offenbar der Durchbruch erzielt worden. Die Hauptvorstände der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) und der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) forderten am Freitag die Arbeitgeber auf, nun auch in den anderen Tarifbezirken eine schnelle Einigung herbeizuführen.

Der bayerische Einzelhandelsverband bezeichnete den Tarifabschluss als schmerzhaften Kompromiss "an der Grenze". Die Abschlüsse von Bayern und Hessen sehen für die rund 575 000 Beschäftigten Gehaltserhöhungen von 2,5 Prozent sowie den Einstieg in eine zusätzliche private Altersvorsorge für den Einzelhandel vor. In beiden Ländern haben die Tarifverträge eine Laufzeit von zwölf Monaten.

In Hessen mussten die Arbeitnehmervertreter einen Nullmonat, in Bayern zwei Nullmonate akzeptieren. Zum Ausgleich dafür erhalten die bayerischen Beschäftigten einmalig 86 Mark. Dadurch sei das Volumen beider Abschlüsse gleich, erklärten DAG und HBV. Ab 1. Dezember 2000 zahlen die hessischen Arbeitgeber, vom 1. Januar 2001 an die bayerischen Betriebe für ihre Mitarbeiter 20 Mark pro Monat für den Aufbau einer zusätzlichen Altersversorgung. Für Teilzeitbeschäftigte gibt es einen anteiligen Betrag, für Lehrlinge zehn Mark. Arbeitnehmer über 50 können die 20 Mark als beliebige vermögenswirksame Leistung einsetzen.

Ende Juni hatten die Arbeitgeberverbände in Rheinland-Pfalz und im Saarland nahezu gleich lautende Abschlüsse auf Druck des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) widerrufen, der eine Beteiligung der Arbeitgeber an einer Zusatzrente bisher strikt abgelehnt hat. Der HDE erklärte in Köln, die endgültige Entscheidung über eine Annahme der Abschlüsse werde der Tarifpolitische Ausschuss am Mittwoch fällen. Beide Gewerkschaften würdigten den Abschluss als großen Erfolg. "Mit dem Einstieg in die tarifliche Altersvorsorge wurde ein wichtiger Beitrag gegen die insbesondere für Frauen drohende Altersarmut geleistet", sagte die HBV-Vize Franziska Wiethold.

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