Tarifkonflikt : Mehrere zehntausend Metaller im Warnstreik

Nach der ersten Warnstreikwelle in der deutschen Metall- und Elektroindustrie mit mehr als zehntausend Teilnehmern will die IG Metall die Gangart nochmal verschärfen.

Hamburg - Nach Ende der Friedenspflicht hatten am Mittwoch unmittelbar nach Mitternacht Metaller bundesweit kurzzeitig die Arbeit niedergelegt. In den Tarifverhandlungen für die insgesamt 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche hatte es in jeweils drei Gesprächsrunden auf Bezirksebene keine Annäherung gegeben. Die IG Metall verlangt fünf Prozent höhere Einkommen.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters warf den Arbeitgebern vor Metallern in Saarlouis vor, die Verhandlungen zu verschleppen und statt eines Angebots nur Gegenforderungen zu präsentieren. «Wir können noch eine Schippe drauflegen», sagte Peters.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser will jetzt ein schnelles Ende der Tarifauseinandersetzung. Im ZDF verwies er am Mittwoch auf ein «realitiv detailliertes Konzept» der Arbeitgeber. Der Wochenzeitung «Die Zeit» sagte Kannegiesser: «Uns schwebt ein Mehrklang vor. Ein Grundentgelt für alle, dazu ein Leistungsentgelt je nach Berufsgruppe und eine Beteiligung am Betriebserfolg. Dazu könnte man etwa einen Teil der Einmalzahlung variabel gestalten.»

Allein in Bayern hatte die Gewerkschaft 9500 Beschäftigte in 15 Betrieben aufgerufen, vorübergehend die Arbeit niederzulegen. Im Mittelpunkt standen dabei BMW in Regensburg und der Hausgerätehersteller Bosch Siemens in Dillingen.

In Hamburg versammelten sich Werftarbeiter vor den Toren der Traditionswerft Blohm & Voss, um für zwei Stunden die Arbeit ruhen zu lassen. Rund 1000 Metaller kamen vor die Werkstore des Osnabrücker Cabrio-Bauers Karmann. Bei Karmann droht im Sommer wegen der schlechten Auftragslage der Verlust von 1200 Arbeitsplätzen.

"Ungezügelter Kapitalismus"

Vor den Ford-Werken in Saarlouis trafen rund 3000 Menschen aus etwa zehn Betrieben zu einer zentralen Kundgebung zusammen. Unter dem Motto «Feuer und Flamme für fünf Prozent» forderten sie bei der bundesweit größten Aktion von den Arbeitgebern Bewegung im Streit um mehr Lohn und Gehalt. IG-Metall-Chef Peters sagte: «Es geht nicht nur um fünf Prozent, sondern auch um die Frage, ob wir uns wehren gegen einen ungezügelten Kapitalismus.»

Um Mitternacht waren in Düsseldorf, Duisburg und Wuppertal Metaller vor ihren jeweiligen Werkstoren zu Fackelumzügen aufgebrochen. Nach Angaben der Gewerkschaft nahmen allein in Düsseldorf 1300 Beschäftigte an den Umzügen und Kundgebungen teil. Betroffen war unter anderem ein Werk des Autobauers DaimlerChrysler.

Ein Schwerpunkt in Hessen war Kassel, wo mehr als 3000 Beschäftigte unter anderem von DaimlerChrysler und Krauss-Maffei Wegmann zu einer Protestkundgebung zusammenkamen. «Gebt uns fünf Prozent mehr Lohn, sonst bekommt ihr Spott und Hohn» stand auf einem Spruchband. «Alle Räder stehen still, wenn man uns verarschen will», hieß es auf einem anderen Plakat.

Auch in Sachsen, Thüringen und Brandenburg kam es zu Aktionen. In Sachsen, wo es bereits am Vortag im Leipziger BMW-Werk zu kurzen Arbeitsniederlegungen gekommen war, wurden die Warnstreiks am Mittwoch ausgeweitet. Betroffen waren unter anderem der Druckmaschinenhersteller KBA Planeta in Radebeul, Bombardier Bautzen, MAN Druckmaschinen Plauen und der Automobilzulieferer Siemens VDO in Limbach-Oberfrohna.

Die nächste große Verhandlungsrunde ist am 6. April, wenn die Tarifparteien in Nordrhein-Westfalen (700 000 Beschäftigte) und Baden-Württemberg (800 000 Beschäftigte) zusammenkommen. (tso/dpa)

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