Tarifkonflikt : Scharfe Töne am Bau

Die Streiks im Baugewerbe in Norddeutschland dauern weiter an und auch der Groll in den Belegschaften wächst. Bei einer Kundgebung in Kiel warf der IG-Bau-Vorsitzende Wiesehügel den Arbeitgebern Erpressung vor.

Gewerkschaft IG Bau
Auf dem gibt es Ärger. IG-Bau-Chef Wiesehügel bei einer Kundgebung. -Foto: dpa

KielDie Streiks im norddeutschen Baugewerbe sind am Montag bei weiterhin verhärteten Fronten in die zweite Woche gegangen. Vor 600 Demonstranten in Kiel warf der IG-Bau-Bundesvorsitzende Klaus Wiesehügel Arbeitgebern Erpressung und Nötigung vor. Wiesehügel begründete dies mit Kündigungsdrohungen und anderen Druckmitteln, zu denen Arbeitgeber gegriffen hätten. Derzeit werden nach Angaben der IG Bau 234 Baustellen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen bestreikt. An dem Arbeitskampf für einen Tarifabschluss beteiligen sich laut Wieshügel momentan 1600 Beschäftigte.

Mit der Demonstration in Kiel - die Gewerkschaft hatte dafür nur etwa 250 Teilnehmer erwartet - wollte die IG BAU den Druck auf die Baugewerbeverbände in Schleswig-Holstein und Niedersachsen erhöhen. Diese hatten sich geweigert, das auf Bundesebene erzielte Schlichtungsergebnis zu akzeptieren und die Tarifeinigung damit zu Fall gebracht. Der Tarifkompromiss sah Lohnerhöhungen von 3,1 Prozent ab Juni, einen befristeten Zuschlag von 0,4 Prozent und ab 2008 weitere Anhebungen vor.

Streiken bis zum Abschluss

"700.000 Bauarbeiter warten auf den Lohnabschluss. Eine kleine Schar von Obermeistern blockiert das" sagte Wiesehügel, begleitet von einem gellenden Trillerpfeifenkonzert. Es werde gestreikt, bis die Arbeitgeber den Tarifvertrag unterzeichnen. "Kein Tarifvertrag für uns! Keine Ruhe für Euch!", hieß es auf einem Spruchband. Die IG Bau werde den Streik durchhalten, auch wenn er zwei, drei oder noch mehr Wochen dauern sollte, versicherte der Gewerkschafter.

Wiesehügel war in Kiel auch mit dem Hauptgeschäftsführer des schleswig-holsteinischen Baugewerbeverbandes, Georg Schareck, zusammengetroffen. "Eine Annäherung der verhärteten Fronten war nicht zu verzeichnen", erklärte der Verband. Der Vorstandsvorsitzende Sönke Voß warf der IG Bau "Streiktourismus" und unfairen Arbeitskampf vor, was Wiesehügel zurückwies. "Die IG Bau will für den Flächentarif streiten - streikt aber mit Fremdkräften aus anderen Bundesländern", sagte Gewerbeverbands-Hauptgeschäftsführer Schareck. (mit dpa)

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