Tarifkonflikt : Wieder Streiks? GDL entscheidet am Sonntag

Die Gefahr neuer Streiks bei der Bahn ist zum Greifen nah. Nach den erfolglosen Verhandlungen spricht die GDL erneut von der "Option Streik".

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Gehen wieder getrennte Wege: Bahnchef Mehdorn und GDL-Boss Schell. -Foto: dpa

Frankfurt/BerlinDer GDL-Vorsitzende Manfred Schell schloss ein Scheitern der Gespräche nicht aus, die auf Druck der Bundesregierung erst kurz vor Weihnachten wieder begonnen hatten. Die Angebote des Konzerns seien "nach wie vor unzureichend". Bahnchef Hartmut Mehdorn sprach dagegen von Einvernehmen "in wesentlichen Punkten" und hält eine Einigung in der nächsten Woche für möglich. An diesem Sonntag soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte nach einer mehrstündigen Verhandlungsrunde gestern abend mitgeteilt, weder beim Entgelt noch bei Arbeitszeitfragen habe es eine Annäherung der Positionen gegeben. Die Gewerkschaft bleibe bei ihrer Forderung von "mindestens zehn Prozent mehr Geld". Die Bahn lehne es zudem weiter ab, die Wochenarbeitszeit von 41 auf 40 Stunden zu reduzieren. In den vergangenen Tagen hatte die GDL noch mehrfach die Erwartung auf einen baldigen Durchbruch geäußert und eine Streikdrohung ausgesetzt.

Bahnkonflikt bald ein Jahr

Mehdorn verwies darauf, dass sich beide Seiten beim seit Monaten umstrittenen Thema eines eigenständigen Tarifvertrags und neuer Entgeltstrukturen für Lokführer einig geworden seien. In der Frage höherer Einkommen sei der bundeseigene Konzern nunmehr zudem "bereits über die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen". Demnach wurden der GDL gestern individuelle Einkommensverbesserungen von 7 bis 15 Prozent angeboten. "Im Schnitt entspricht dies bis 2009 einem Plus von elf Prozent - und zwar ohne Mehrarbeit", sagte Mehdorn. Diese Berechnung wollte der GDL-Sprecher nicht kommentieren.

Der schwerste Tarifkonflikt in der Unternehmensgeschichte der Deutschen Bahn schwelt bereits seit März 2007. Am vergangenen Samstag hatte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bekanntgegeben, dass die GDL nicht wie zunächst angekündigt erneut flächendeckende Streiks im Zugverkehr aufnimmt. (mpr/dpa)

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