Tarifkonflikt : Wieder über 10.000 Ärzte im Streik

In deutschen Universitätsstädten sind heute wieder tausende Ärzte auf die Straße gegangen. Nach Angaben der Ärztegewerkschaft Marburger Bund demonstrierten 12.500 Mediziner an 39 Standorten für mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen.

Berlin - In Berlin warnte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) vor einem Kostenschub im Gesundheitssystem durch einen hohen Tarifabschluss für die Ärzte an Uni-Kliniken.

«12.500 streikende Ärzte sind 12.500 Gründe für Hartmut Möllring, mit einem guten Angebot an den Verhandlungstisch zurückzukehren», sagte der MB-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery an die Adresse des Vorsitzenden der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Der Konflikt könne nur deshalb nicht gelöst werden, weil Niedersachsens Finanzminister Möllring bereits erzielte Kompromisseckpunkte zurückgezogen und beim letzten Spitzengespräch am 11. Mai in Dresden durch wesentlich schlechtere Angebote ersetzt habe, sagte Montgomery weiter.

In München streikten über 100 Ärzte unter dem Motto «Wir geben unser Herzblut». Am Flughafen Leipzig/Halle drohten knapp 200 Mediziner aus Halle, Leipzig und Dresden unter dem Motto «Hochschulpolitik vor dem Abflug» mit der Abwanderung von Ärzten ins Ausland. In Magdeburg zogen die Ärzte von der Uni-Klinik in die Innenstadt. Auf Transparenten hieß es «Nach 66 Stunden fängt das Leben an» und «Alte Ärzte gehen in Rente, junge Ärzte gehen ins Ausland». In Hannover demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben 300 Mediziner.

Bundesgesundheitsministerin Schmidt hält die Forderung der Klinikärzte, die ursprünglich 30 Prozent mehr Gehalt erkämpfen wollten, für überzogen - «weil ich nicht weiß, wer das bezahlen soll», wie sie bei einem Gesundheitskongress in Berlin sagte. Der SPD- Gesundheitsexperte Karl Lauterbach machte den Marburger Bund für die Eskalation verantwortlich. Dessen Forderung sei «von Anfang an überhöht» gewesen, sagte der SPD-Abgeordnete dem Hamburger Magazin «Stern».

Die Tarifauseinandersetzung dauert mittlerweile länger als zwei Monate. Neben der Forderung nach deutlich besserer Bezahlung der Ärzte an Uni-Kliniken kritisieren die Mediziner auch die hohe Zahl unbezahlter Überstunden, 36-Stunden-Dauerdienste und fehlende Kinderbetreuung. Notfälle und die Behandlung schwer kranker Patienten sind nach Angaben des Marburger Bundes von den Streiks ausgeschlossen. (tso/dpa)

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