Wirtschaft : Tarifparteien der Metallindustrie kommen sich näher Arbeitgeber rücken von Öffnungsklausel ab

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(alf). Im Tarifkonflikt der Metallindustrie zeichnete sich am Mittwochabend eine Lösung ab. Bei der endscheidenden Verhandlungsrunde in Pforzheim rückten die Arbeitgeber von ihrer Strategie ab, einen Tarifabschluss über höhere Löhne nur dann zu unterschreiben, wenn es die Möglichkeit längerer Arbeitszeit auch ohne Bezahlung gebe. Dieser so genannte Arbeitszeitkorridor zwischen 35 und 40 Stunden, über den die Betriebsparteien ebenso entscheiden sollten wie über die Bezahlung der Mehrarbeit, hatte in den vergangenen Monaten die Tarifbewegung belastet. Die IG Metall wehrte sich seit zwei Wochen mit bundesweiten Warnstreiks gegen die befürchtete Rückkehr zur 40Stunden-Woche sowie die unbezahlte Arbeit. Offenbar sind die Arbeitgeber daraufhin zu der Einschätzung gekommen, dass Korridor und Öffnungsklausel in dieser Tarifrunde nicht durchsetzbar seien.

Wie es am Mittwochabend aus Verhandlungskreisen hieß, wurde nun nach einer Lösung gesucht, mit der die Arbeitgeber zwar keine Öffnungsklausel, aber doch eine Kostenentlastung bekämen. Im Kern stand dabei eine Erhöhung der Mehrarbeitsquote: Bislang können 13 beziehungsweise 18 Prozent der Beschäftigten in Metallunternehmen von der 35-Stunden-Woche abweichen und bis zu 40 Stunden arbeiten. Diese Quoten sollen nun nach Angaben aus Verhandlungskreisen insbesondere für bestimmte Beschäftigtengruppen wie Entwickler, Marketing- und Vertriebsleute erhöht werden. Der Kostenvorteil für die Arbeitgeber liegt darin, dass für diese Art der Mehrarbeit keine Überstundenzuschläge bezahlt werden müssen.

Ein Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich wird es voraussichtlich nur dann geben, wenn sich die Tarifparteien im Rahmen von Ergänzungstarifverträgen darauf verständigen. Das ist bereits heute möglich und hält die IG Metall weiter im Spiel. Die Gewerkschaft hatte sich vehement dagegen gewehrt, dass Geschäftsleitungen und Betriebsräte über unbezahlte Mehrarbeit entscheiden könnten. In dem Fall wurde flächendeckendes Lohndumping befürchtet, weil die Betriebsräte erpressbar seien, so die Argumentation der Gewerkschaft.

Die Gespräche waren am Vormittag in Pforzheim für den Bezirk Baden-Württemberg in einer Vierer-Runde fortgesetzt worden. Auf Seiten der IG Metall saßen Bezirksleiter Jörg Hofmann und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Daimler-Chrysler, Erich Klemm. Ihnen Gegenüber verhandelten der Chef des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Otmar Zwiebelhofer, sowie Daimler-Chrysler-Personalvorstand Günter Fleig. Am Abend wurden die jeweils rund 40-köpfigen Vorstände des Arbeitgeberdachverbandes Gesamtmetall in Pforzheim und der IG Metall in Baden-Baden zusammengerufen. Die Arbeitgeber hatten zuletzt 1,2 Prozent mehr Lohn in diesem und weitere 1,2 im Jahr 2005 angeboten. Am späten Mittwochabend wurde darum gefeilscht, ob nun für das laufende Jahr ein zwei vor dem Komma der Lohnerhöhung steht oder nicht.

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